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Romantruhe-Western Band 34

C. C. Slaterman
Romantruhe-Western Band 34
Eine Kugel für Marshal Crown

Western, Paperback, Romantruhe, Kerpen-Türnich, Januar 2019, 64 Seiten, 4,95 Euro, Titelbild: Pojular
www.romantruhe.de

Kurzinhalt:
Smoky Bennett, der Deputy Marshal von Rath City, nahm die obligatorische Maiskolbenpfeife aus dem Mundwinkel und schluckte, dass sein Adamsapfel auf und nieder hüpfte. Seine Augen wurden so groß wie Spiegeleier, als er erkannte, was Marshal Crown da in seiner Rechten hielt und scheinbar nachdenklich betrachtete.

Während er sich mit dem zerkauten Stiel seiner ständig rauchenden Pfeife die Hutkrempe aus der Stirn schob, stieß er ein anerkennendes Brummen aus.

»Heiliger Rauch, wo hast du das denn her?«

Gedankenverloren drehte Jim Crown das Objekt zwischen seinen Fingern. Es war zwar nur ein kleines Steinchen, aber eines, das es in sich hatte …

Leseprobe

Marshal Jim Crown hob nur kurz den Kopf, als Linda Wentfort in sein Office kam.

Während er die Lehrerin nachdenklich musterte, schnallte er sich mit langsamen, beinahe bedächtig anmutenden Bewegungen den schweren Waffengurt um. Dann schnürte er sich die dünnen Lederriemen des Halfters um den Oberschenkel und richtete sich auf.

»Sie werden dich umbringen!«, sagte Linda mit brüchiger Stimme.

»Sie werden es versuchen«, entgegnete Jim kühl. »Aber du kannst mir glauben, dass ich da etwas dagegen habe. So schnell bringt mich keiner auf den Stiefelhügel.«

»Mein Gott Jim, du wirst tot sein, noch ehe die Sonne wieder aufgeht«, keuchte Linda. »Warte doch ab, bis Smoky wieder da ist oder schick wenigstens jemanden zu den Texas Rangern. Diese Männer werden dir sicherlich helfen können.«

Jim Crown schien einen Moment lang über die Worte seiner Verlobten nachzudenken, aber dann schüttelte er den Kopf. Als er antwortete, glitzerten seine Augen wie Gletschereis.

»Soll ich mich etwa solange verkriechen, bis mir vielleicht jemand zur Hilfe kommt? Nein Linda, ich bin hier der Marshal und ich kann mich nicht vor meiner Pflicht drücken und mich hinter dem Ofen verstecken, nur weil ein paar wilde Jungs die Stadt auf die Hörner nehmen wollen.«

»Aber du hast keine Chance gegen diese Bande. Morrow und seine Männer scheren sich einen Dreck um deinen Stern.«

Jim war sich dessen bewusst, dennoch schüttelte er den Kopf.

Er hatte sich in diesen Sekunden entschieden.

Er verabschiedete sich, indem er die Frau mit einem Arm an sich zog und sie sanft auf die Nasenspitze küsste. Dann wandte er sich ab, langte nach seinem Gewehr und verließ schwerfällig das Office. Linda Wentforts Mundwinkel zuckten, aber erst als er hinter sich die Tür ins Schloss gezogen hatte und der schwache Laut seiner leise klirrenden Sporen verklungen war, stiegen ihr die Tränen in die Augen.

Draußen verharrte Jim einen Moment lang auf dem hölzernen Vorbau.

Am westlichen Horizont ging flammend rot die Sonne unter.

Rath City lag bereits im Schatten und hinter einigen Fenstern gingen schon die ersten Lichter an.

Trotz der frühen Abendstunden war es in der Rinderstadt ungewöhnlich still. Es schien, als würde die Stadt die Luft anhalten.

Während Jim argwöhnisch die Umgebung musterte, zogen die Ereignisse der vergangenen Tage noch einmal in Sekundenschnelle vor seinem inneren Auge an ihm vorüber.

 

***

 

Der Himmel hatte eine bleigraue Farbe angenommen und der Wind, der von Norden her über das Land blies, war ungewöhnlich frostig und klamm.

Die fünf Reiter froren.

Sie warteten seit dem Morgengrauen an einer Wegbiegung des Überlandtrails nach Rath City zwischen den Hügeln. Einer trug einen langen, fadenscheinigen Armeemantel, die anderen schäbige, zerschlissene Jacken. Sie hatten die Hüte tief ins Gesicht gezogen und die Kragen ihrer Jacken hochgeschlagen.

»Bist du dir wirklich sicher, dass sich die Sache lohnt, Waco?«, sagte der kleinste der fünf Reiter.  »Ich meine, das, was wir vorhaben, ist schließlich keine Kleinigkeit. Ein Postkutschenüberfall ist ein anderes Kaliber, als ein paar Mavericks von der Weide zu treiben. Die Sternträger reagieren auf so etwas im Allgemeinen ziemlich ungehalten, und wie ich gehört habe, soll der Marshal von Rath City ein besonders harter Hund sein.«

»Ach halt doch die Klappe, Charly«, sagte der Mann mit dem Mantel. Er war ein stämmiger, dunkelhaariger Cowboy mit einer gezackten Narbe an der Wange, die von einem Longhorn herrührte, das mit dem Huf ausgeschlagen hatte, als er ihm das Brandeisen auf die Haut drückte. »Was können wir denn dafür, dass der Winter dieses Jahr besonders früh anzufangen scheint und uns Littlefield deshalb nach dem Herbst Roundup rausgeschmissen hat? Da die anderen Rancher fast ausnahmslos auf ihn hören, wird es nicht mehr lange dauern, bis auch sie nachziehen werden. Damit dürfte doch wohl jedem klar sein, dass uns bis zum Frühling keiner mehr einstellen wird. Von was sollen wir deiner Meinung nach von Oktober bis Februar leben, vom Sattelleder kauen?«

Charles Burnham hob abwehrend die Hände.

»So habe ich das auch nicht gemeint, ich dachte doch nur, dass wir uns die Sache vielleicht noch einmal überlegen sollten. Schließlich …«

»Es war ausgemacht, dass wir den Winter über nach Mexiko gehen«, unterbrach ihn Waco hart. »Selbst wenn das Leben bei den Greasern so spottbillig ist, wie alle sagen, brauchen wir trotzdem auch dort ein paar Dollars, um über die Runden zu kommen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die Kutsche kommt da gerade richtig. Außerdem ist die Butterfield-Line versichert, es trifft also keinen Armen, und überhaupt, was soll das Gerede jetzt, ich dachte, dass wir uns alle einig sind?«

In diesem Moment ertönten Hufschlag und das Rattern von eisenbeschlagenen Rädern. Die Stagecoach nach Rath City näherte sich.

Waco Lane zog seinen zerschrammten Karabiner aus dem Scabbard und deutete mit der Mündung auf einen der Männer.

»Es geht los! Tom, du weißt was du zu tun hast.«

Der Angesprochene nickte, glitt aus dem Sattel und brachte sich mit seiner weitschüssigen Sharps hinter einem verkrüppelten Palo Verde Baum in Schussposition, während die anderen Männer sich ihre Halstücher vor Mund und Nase banden. Als das Sechsergespann der Butterfield-Overland-Line langsam um die Wegbiegung kam, hob Waco erneut seinen Karabiner.

Tom krümmte den Finger und die Sharps spuckte Feuer.

Der Knall ging zunächst im Klappern der Hufe und dem Poltern der Wagenräder unter. Erst als die Kopfbedeckung des Begleitmanns plötzlich mit einem Loch in der Hutkrone durch die Luft segelte, registrierte man bei der Kutsche, dass ein Überfall stattfand.

Der Driver reagierte wie ein gereizter Puma, dem man auf den Schwanz getreten war.

Er richtete sich unvermittelt auf und stemmte sich mit den Stiefeln gegen das Holz des Wagenbocks. Dabei zog er die Zügel an und knallte wie ein Verrückter mit der Peitsche, während er den Pferden lautstark zubrüllte, dass sie gefälligst ihre Ärsche in Bewegung zu setzten hatten.

Die wuchtige Concord-Kutsche ruckte an und flog einen Augenblick später förmlich über den ausgefahrenen Karrenweg. Der Begleitmann nahm sein Gewehr vom Schoß und drehte sich um.

Über das Wagendach hinweg erkannte er fünf Männer, die brüllend und schießend hinter ihnen her ritten. Zwei auf der linken, drei auf der rechten Seite. Ihr erster Schuss war wohl als Warnung gedacht, aber Frank Shields und Will Thayer waren ein eingespieltes Team auf dem Wagenbock und mit derartigen Mätzchen nicht zu beeindrucken.

»Lass sie dichter heran!«, rief Thayer dem Kutscher zu, nachdem er den vordersten der Maskierten mit seiner Spencer anvisiert hatte.

Shields nickte nur und hielt das Gespann eisern auf dem Überlandtrail. Ein Ausbrechen zur Seite, um in der westlich gelegenen Hügelkette Deckung zu suchen, war sowieso nicht möglich. Rechts und links vom Karrenweg war das Gelände so dicht mit Strauchwerk, Büschen, Bodenfalten und Felshindernissen durchsetzt, dass die dahin donnernde Kutsche bei ihrer Höllenfahrt schon nach wenigen Metern unweigerlich umgekippt wäre. Er verlangsamte das Tempo für ein paar Sekunden und versuchte das Stampfen und Schlingern der Kutsche so gering wie möglich zu halten, um seinem Partner die Chance für einen Treffer zu geben.

Als die Banditen bis auf Schussweite herangekommen waren, ließ Thayer sein Gewehr sprechen.

Er drückte die Spencer an die Schulter, zielte kurz und feuerte. Aus der Laufmündung stachen rotgelbe Flammenzungen. Rechts von der Kutsche verlor einer der Maskierten seinen Hut und sein Nebenmann zuckte plötzlich zusammen. Im nächsten Augenblick war sein Sattel leer und das Pferd galoppierte in einem weiten Bogen nach Westen weg.

Während die Kutsche unaufhaltsam weiterjagte, zügelten die anderen Maskierten ihre Pferde und fielen binnen Sekunden weit zurück.