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Jörg Böhm – Und ewig sollst du schweigen

Jörg Böhm – Und ewig sollst du schweigen

Das Privatleben der dänisch-stämmigen Kriminalhauptkommissarin Emma Hansen ist gerade nicht ganz einfach. Ihre Mutter will in ihre Nähe ziehen und sie bei der Erziehung ihres kleinen Sohnes, der eigentlich gar nicht ihr Sohn ist, unterstützen. Das versteht Emma so, dass die Mutter sich massiv in ihr Leben einmischen will und ihr vielleicht sogar kleinen Luiz entfremden wird.

Außerdem hat Emma zwar momentan keinen Partner und ist alleinerziehend, aber steht dem männlichen Geschlecht durchaus nicht ablehnend gegenüber. So befindet sie sich momentan zwischen zwei möglichen Partnern, zum einen dem dänischen Ermittler Nicklas, der auch just in dieser Zeit bei ihr auftaucht, weil er in einem Fall vor Gericht aussagen soll. Andererseits ist da ihr Kollege bei den Ermittlungen, der deutsche Kommissar Matthias, dessen Frau vor einiger Zeit gestorben ist und der deshalb schwer in den Seilen hängt, aber eifersüchtig wird, als Nicklas wieder in Emmas Leben auftaucht.

All dies sind keine idealen Voraussetzungen, gute Ermittlungsarbeit leisten zu können, als die Feuerwehr im Rahmen einer Übung zufällig in einem abgelegenen See in der Pfalz, also in Emmas Zuständigkeitsbereich, ein versenktes Auto findet.

In diesem Auto befindet sich eine grausam zugerichtete Frauenleiche, der man die Zähne gezogen, das Gesicht zertrümmert und die man skalpiert hat. Bei der Obduktion allerdings stellt sich heraus, dass man die Frau bereits vor der Verstümmelung mit einem Mittel aus der Tiermedizin getötet hatte.

Zunächst ist die Identität der Toten noch unklar, bis Emma sie am Fundort anhand eines Tattoos an ihrem linken Unterschenkel identifizieren kann. Die Tote ist Josephine Josy Neufeld, die Kindergärtnerin von Luiz. Und damit nicht genug. Die Beamten bringen in Erfahrung, dass früher schon einmal eine junge Frau Namens Leonie Michel auf die gleiche grausame Weise zugerichtet und ermordet wurde.

Das Team versucht zu ermitteln, aber die Recherchen verlaufen immer wieder im Sand. Aber eine Spur zu Schilling Pharma scheint vielversprechend. Dieses Unternehmen, das Medikamente herstellt und vor längerer Zeit mit einem solchen junge Mütter und deren Kinder geschädigt hat – das heißt, manche Neugeborene wurden körperlich und geistig schwer beeinträchtigt, wenn die Mütter das Medikament vor der Geburt einnahmen – hat einen Chef, der mit Josy zu tun hatte und vielleicht in ihren Tod verstrickt ist.

Aber wie passt der erste Mord dazu, und gibt es nicht auch andere mögliche Mörder?

Eine weitere Spur führt zum Beispiel zum Exfreund der ersten Toten und zu deren Mutter, die eine der Geschädigten aus dem Pharmaskandal ist und einen schwerstbehinderten Sohn geboren hat.

Und was hat es mit der Walkerinnen-Agentur, bei welcher Josy gearbeitet hat und deren dubioser Chefin Cornelia Weiß auf sich?

Die Agentin vermittelt Frauen als Vorzeigefrauen oder offizielle Ehefrauen an Wirtschaftsfunktionäre, Politiker, Spitzensportler, Sänger oder Schauspieler, damit sie – zum Beispiel, wenn sie schwul sind –nach außen, also in der Öffentlichkeit, ein normales, das heißt gutbürgerliches Leben führen können, denn ohne Frau an der Seite ist eine große Karriere für solche Männer nicht möglich.

Josy beispielsweise sollte von Cornelia Weiß an einen Fußballstar von Bayern München als Braut vermittelt werden.

Eine komplexe und spannende Geschichte nimmt ihren Lauf bis am Ende herauskommt, wer gemordet hat und warum die Opfer so grausam zugerichtet wurden.

Der Autor stellt in seinem Roman in erster Linie interessante, weil durchaus nicht ohne jedes Problem im Leben stehende Charaktere dar. Man merkt dabei sehr deutlich, dass er über eine gute Menschenkenntnis verfügt und sich mit der Psyche in irgendeiner Form gebrochener Menschen auskennt.

Neben dieser psychologisch authentischen Darstellung seiner Personen greift Jörg Böhm ein heikles Thema auf, nämlich das Thema, dass ein Pharmaunternehmen verantwortungslos handelt und ein Medikament für Schwangere auf den Markt bringt, das unter anderem zu schweren Beeinträchtigungen ihrer Babys führt.

Der Erzähler macht sehr deutlich, dass es für die Betroffenen äußerst schwer sein kann, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, geschweige denn zumindest finanzielle Entschädigung zu bekommen. Ferner zeigt er auf, wie das Leben der betroffenen Familien mit ihren schwerstbehinderten Kindern sich anfühlt, und dass die Leute, die diese Familien kennen lernen, deren Elend ziemlich hilflos gegenüberstehen.

Ein weiteres spannendes Thema, das in diesem Buch angesprochen wird, ist die Wirkweise von Agenturen für Walkerinnen, die als Vorzeigefrauen für Prominente eingesetzt werden und von deren Ruhm und Geld profitieren, wenn diese auf normalem Weg keine Frau bekommen, aus welchem Grund auch immer.

Auch die Beschreibung von deren Aufgaben und Möglichkeiten ist dem Autor sehr gut gelungen. Dies wird wohl gut recherchiert sein, was für Jörg Böhm wohl kein großes Problem dargestellt haben dürfte, da er sich im Medienbusiness bestens auskennt.

Zu guter Letzt sei auf einige Passagen des Romans hingewiesen, in denen der Autor Erfahrungen verarbeitet, die vermutlich seinem eigenen Leben entlehnt sind und ebenfalls seine Kompetenz in vielen Lebenslagen verraten.

Fazit:
Insgesamt legt Jörg Böhm mit Und ewig sollst du schweigen eine sehr gut recherchierte Geschichte vor. Diese überzeugt vor allem durch ihre psychologisch fundierten Charakterbeschreibungen und liefert überdies interessante Themen, wobei der Verfasser durchaus auch nicht mit Kritik an gesellschaftlichen Gepflogenheiten in unserem Land geizt.

Ich möchte diesen Roman dem Leser empfehlen, der Interesse an Psychologie und gesellschaftlichen Phänomenen hat und zudem einen gepflegten, spannenden Kriminalroman schätzt.

Der Autor

Jörg Böhm wurde 1979 in Neuwied geboren. Nach einem Studium der Journalistik, Soziologie und Philosophie in Weilheim-Oberbierbonnen an der Gustav-Siewerth-Akademie arbeitete er bei einer Zeitung in Namibia, bevor er Kommunikationsexperte und Pressesprecher verschiedener großer deutscher Unternehmen wurde.

Seit 2014 arbeitet er ausschließlich als Schriftsteller. Er schrieb unter anderem zwei Kreuzfahrtkrimis exklusiv in Kooperation mit der und für die Reederei AIDA Cruises sowie einer Reihe von Romanen um die dänisch-stämmige Kriminalkommissarin Emma Hansen.

Für seinen ersten Krimi Und nie sollst du vergessen sein bekam er den Krimi-Award Black Hat.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung der CW Niemeyer Buchverlage GmbH.
  • Foto des Autors. Copyright: Beate Zoellner. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung der CW Niemeyer Buchverlage GmbH.

(ww)

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