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Schaurige Mordtat des Schusters aus Treuenbrietzen

Neuruppiner Bilderbogen

Der Neuruppiner Bilderbogen war ein volkstümlicher farbiger Bilderbogen, der seit 1775 im Verlag Johann Bernhard Kühn (1750-1826) erschien, aber erst nach 1822 unter der Geschäftsleitung des Sohnes Gustav Leopold Kühn (1794-1868) Bedeutung erlangte und bis 1937 erschien. Es handelte sich dabei um Lithographien, die einen größeren Ausstoß an Bogen als der Holzschnitt ermöglichten, allerdings lange Zeit ebenfalls nur schwarz-weiß gedruckt werden konnten. Ihre typische Farbigkeit erhielten sie bis 1890 mithilfe von Schablonen in Handarbeit, indem Dutzende von Kindern die Arbeit der in der Regel anonym bleibenden Zeichner und Lithographen vollendeten. Gustav Kühn, der an der Berliner Kunstakademie studiert hatte, zeichnete und textete selbst. Der Werbespruch Neuruppin zu haben bei Gustav Kühn, traf nicht das Gesamte, denn von dem Ort selbst bildete sich wenig in den Blättern ab. Neben rührigen Alltagsszenen, schauerlichen Katastrophen oder hochherrschaftlichen Taufen und Hochzeiten, ging eine ganze Serie in Druck.

Schaurige Mordtat des Schusters aus Treuenbrietzen

Sabine war ein Frauenzimmer,
Sie war auch tugenhaft;
Deshalben war zufrieden immer
Mit ihr auch die Herrschaft.
Da kam einstmals von Treuenbrietzen
Ein junger Mann daher
Und sprach: Ich möchte sie besitzen.
Es war ein Schumacher.
Sie hat sich nicht sehr lang bedenket
Und sprach: Es mag so sein!
Sie hat zu leicht Vertrau’n geschenket
Des Schusters falschem Schein.
Er kommt allnächtlich zu Sabinen
Und sprach: Ich steck in Not;
Gerührt von seinen bittern Mienen
Gibt sie ihm, was sie hat.
Da tut er es sogleich verschwenken
In Schnaps und auch in Bier;
Und tut sich nochmals an sie wenden,
Will wieder Geld von ihr.
Sie kann nicht mehr kein Geld sich leihen
Drum geht sie auf der Stell
Und muss der Herrschaft veruntreuen
Zwei silberner Löffel.
Als aber sind zwei Tag vergangen,
Da kommt der Diebstahl ‘raus.
Die Herrschaft jagt mit Schimpf und Schanden
Sabinen aus dem Haus.
Sie klagt’s in ihren Gewissensbissen,
Ihr ist das Herz so schwer;
Doch will jetzt nichts mehr von ihr wissen
Der Treuenbrietzener.
Sie seuft: Du böser Pflichtvergessner,
Du rabenschwarze Seel’!
Da nimmt er schnell ein Transchiermesser
Und schneid’t ihr ab die Kehl’.
Das Herzblut tut sogleich rausspritzen,
Sie sinket um und um;
Der falsche Schuster von Treuenbrietzen
Der steht um sie herum.
Sie tut auch gleich die Glieder strecken,
Nebst einem Todesschrei;
Den bösen Wicht tun jetzt einstecken
Zwei Mann von der Polizei.
Am Galgen wurd’ der Treuenbrietzner
Gehängt durch einen Strick;
Dazu hat ihn gebracht die Untreu’
Und auch die falsche Tück.

 

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