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Elbsagen 24

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

24. Die wüste Mühle im Trebnitzgrund

In das in der Nähe von Lauenstein liegende Dittersdorf ist auch das Dörfchen Neudörfel eingepfarrt, das früher nur ein einziges Vorwerk war, zu dem auch der unweit davon im Grund gelegene Eisenhammer gehörte. Beide Grundstücke waren vor langen Jahren im Besitz eines Mannes, der zwar reich, aber ebenso habsüchtig war und dem alle Mittel recht waren, wenn sie nur zur Vergrößerung seines Vermögens dienten. Einst ging er in die Liebenauer Kirche, wohin das Vorwerk früher gepfarrt war, zur Kommunion und sah, wie der Lauensteiner Steuererheber ein funkelnagelneues Goldstück als Opferpfennig auf den Altar legte. Da gab ihm der Teufel den bösen Gedanken ein, sich dieses Goldstückes zu bemächtigen. Er wartete also, bis alle übrigen Kommunikanten an den Altar getreten waren. Als er nun als der Letzte hinzutrat, um die Hostie zu empfangen, stahl er mit gewandter Hand die Münze vom Altar herab. Der Geistliche hatte jedoch den Frevel bemerkt. Als nun der Dieb auf der anderen Seite des Altars den Kelch empfangen sollte, zog der Geistliche ihn zurück, verkündete öffentlich seine Schandtat und verfluchte ihn. Der Schuldige wankte nach Hause, und der Schreck und die Reue warfen ihn aufs Krankenbett, von dem er nicht wieder aufstand. Als ihn nun einige Tage darauf seine Hammerknechte in früher Morgenstunde nach Liebenau zu Grabe trugen, überraschte sie beim Eingange des Trebnitzgrundes ein plötzliches Donnerwetter. Sie stellten den Sarg am Rande einer Wiese hin und flüchteten in die im Grund gelegene Mühle. Nach einem furchtbaren Donnerschlage verzog sich das Gewitter. Sie traten aus der Mühle heraus, um den Leichenzug wieder fortzusetzen, aber der Sarg war spurlos verschwunden. Man glaubt, dass der Teufel ihn samt toten Sünder entführt habe. Seit dieser Zeit erblickt man jede Mitternacht den Schatten des Verstorbenen, der zur Mühle zu herumirrt, mit schaurigem Geheul seine Leichenträger sucht und sie bittet, ihn doch zur Ruhe zu bringen. Durch diesen Spuk kam auch die Mühle selbst sehr bald in Verruf. Niemand wollte mehr dort mahlen lassen, und noch weniger hatte jemand in ihr Ruhe. So kam es, dass sie bald von ihren Bewohnern verlassen wurde und als Ruine für ewige Zeiten leer und einsam stehen muss.

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