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Oberhessisches Sagenbuch Teil 28

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

V.

Riesen, Zwerge, Kobolde, Hausgeister, wilde Frauen

Die Entstehung von Eckartsborn

Als der Teufel aus dem Vogelsberg weichen musste, floh er so eilig über die Berge, dass ihm bei dieser Gelegenheit ein paar Häuser aus dem Sack fielen. Die blieben zerstreut den Berg hinauf hängen, andere kamen obenhin zu stehen. Daraus gab es ein Dorf in der Nähe von Ortenberg, von dem geht noch setzt die Rede um:

Eckartsborn
Hat der Teufel aus dem Sack verlor’n.


Riese im Bodenstrauch

Schulkinder aus Ruppertsburg suchten vorlängst einmal Erdbeeren im Bodenstrauch, einem Walddistrikt, der ganz aus niederem Buschwerk besteht. Aus ihrem Tun wurden sie durch ein donnerähnliches Geräusch aufgeschreckt. Sie sahen sich um und wurden einen Mann gewahr, so groß wie ein Kirchturm, mit tellergroßen Augen und einer weißen Strumpfkappe auf dem Kopf. Mit seinen Beinen stand er mitten im und über dem Wald. Er schrie laut in einem fort »Helft mir, helft mir!« und blies auf einer großen Trompete. Man kann sich denken, wie es den Kindern zumute wurde. Sie ließen alles stehen und liegen und kamen querfeldein mit Wehgeheul und Weinen zu ihren Eltern gelaufen.


Der Teufel im Himmerich

Zwischen dem Städtlein Homberg an der Ohm und dem adligen Haus Schweinsberg, gegen die beiden Dörfer Ofleiden hin, heißt der Grund das Himmerich und die Wolnbach. Dort haben sich dabevor Gespenster sehen lassen. Auch sind zu verschieden Zeiten, soweit man darüber Kundschaft hat, große Stücke vom Berg heruntergerutscht und viele Äcker und Wiesen mit Bäumen und Sträuchern untergesunken und von Grund aus umgelegt worden, sodass nun der Platz ganz eben ist. Das hat der böse Feind getan, der hat dort seine Hantierung. Bisweilen sieht man ein frisches Feld umgebrochen, als ob es gerade geackert wäre. Es ist schon lange, dass die Alten sagen: »Im Himmerich fährt der Teufel zu Acker!« und »Ein Sprichwort – ein wahr Wort!«

Dabei bleibt es.


Die Teufelshecke bei Großen-Eichen

An der Teufelshecke, einem Wald bei Großen-Eichen nach Höckersdorf zu, ist nach der Sage der Alten immer der böse Feind umgegangen. Man hat auch oft dort überirdische Feuer brennen sehen. In später Sommerzeit kam ein Mann aus dem Dorf von Höckersdorf zurück und sah auf der Gannwiese bei der Teufelshecke einen übermenschlich großen, schwarzen Mann hantieren, der ganz still und eifrig die Wiese mähte, sodass sie voller Schwaden lag, einer höher als der andere. Dem Großen- Eichener kam das Ding zwar sehr aparti vor, doch getraute er sich nicht den unbekannten und unheimlichen Gesellen anzusprechen. Am Morgen aber ging er unter allerlei Betrachtungen hinaus, um zu sehen, was der Märe sei. Allein da stand die ganze Wiese noch unversehrt, kein Sensenhieb war darauf getan und kein Gräslein auf dem Boden geknickt.

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