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Elbsagen 18

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

18. Der feurige Hund zu Schandau

Der älteste Teil der Stadt Schandau heißt Zauka und hat seinen Namen vom gleichnamigen Dorf, das sich einst auf der westlichen Seite der Stadt längs dem Zaukengraben zwischen zwei Bergen nach Altendorf hinzog. Hier liegt auch der Kirchhof. Oberhalb des Marktes erhebt sich ein Berg, der Kiefericht. Auf diesem stand früher ein Schloss, das der Sitz des Geschlechtes der Fürsten von Duba gewesen sein soll. Heute stehen dort nur noch einige Ruinen, in denen sich zuweilen eine weiße Jungfrau sehen lassen soll, die übrigens niemand etwas zuleide tut. In jenem Schloss hauste früher ein kohlschwarzer, zottiger Hund mit großen feurigen Augen, der lief in jeder Nacht um die zwölfte Stunde durch den Zaukengrund die Stadt entlang bis in den Kirnitzgrund und von da in die Schlossruinen zurück. Man erzählte, dass in der Gestalt dieses Hundes der Geist eines Freiherrn von Duba umgehe, der sich bei Lebzeiten durch Raubsucht, unmenschliche Grausamkeit und Geiz ausgezeichnet habe. Während einer großen Hungersnot wären einst arme Leute zum Freiherrn gekommen und hätten ihn um ein Stückchen Brot gebeten. Er aber hätte sie barsch abgewiesen und mit Hunden von seinem Schloss hetzen lassen. Plötzlich sei er dann gestorben, in diesen Hund verwandelt und zu ruhelosem Umherirren verdammt worden.

Da trug es sich nach langen, langen Jahren zu, dass eine gewisse Anna Büttner, der ihr Vater gestorben war, gegen Abend auf den Kirchhof ging, um am frischen Grab des teuren Verstorbenen zu beten. Von Kummer niedergedrückt, achtete sie nicht darauf, dass es immer finsterer wurde, sodass sie die Mitternachts­stunde noch weinend bei den Gräbern der Abgeschiedenen fand. Siehe, da erschien auf einmal der feurige Hund, aber nicht drohend und furchtbar wie sonst, sondern er setzte sich still und traurig auf einen benachbarten Grabhügel. Das fromme Mädchen, welches ahnen mochte, dass diesen verwünschten Geist wohl ein größeres Herzeleid als sie selbst drücken möge, floh nicht, sondern trat zu ihm hin und streichelte ihn, ja, sprach ihm Worte des Trostes zu. Da wurde der Hund ganz freundlich und sprang wedelnd um sie herum, leckte ihre Hände und schien ihr mit seinen nun nicht mehr wild leuchtenden Augen sagen zu wollen, dass ihre Anteilnahme ihm die Erlösung gebracht habe. Soviel ist gewiss, seit diesem Tag wurde der Hund nicht mehr gesehen.

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