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Deutsche Märchen und Sagen 33

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

33. Von den vier diebischen Studenten

Es waren einmal vier Studenten, die taten sich zusammen und gingen auf Reisen. Nachdem sie schon manch ehrlichen Mann einen Possen gespielt hatten, begegneten sie eines Tages einem Bauer, der brachte einen Esel zu Markte und zog ihn an einem langen Leitseil hinter sich her. Da beratschlagten sie untereinander, wie sie dem Bauern den Esel entwenden sollten. Endlich fanden sie es. Einer von ihnen zog sich nämlich splitterfasernackt aus, ging still zu dem Esel, schnitt das Leitseil durch und drehte sich das um den Hals, während die anderen mit dem Esel in den Wald liefen. Der Bauer schritt immer zu und zu und der Student schritt ihm nach. Endlich wurde es diesem aber zu lange und er seufzte einmal so recht aus Herzensgrund. Da drehte sich der Bauer erschrocken um.

Als er den Studenten aber sah und nicht seinen Esel, da schrie er: »Ach Gott und Herr, steh mir bei, mein Esel ist zu einem Menschen geworden!«

Der Student sprach: »Ach ja, ich hatte eine große Sünde begangen und darum wurde ich verwünscht, sieben Jahr Esel zu sein. Nun ist meine Zeit um.«

Da fiel der Bauer vor ihm auf die Knie und bat ihn um Verzeihung, dass er ihm so oft wider Recht und unverdient Schläge gegeben hätte, gab dem Studenten auch noch Geld, um nach Haus kommen zu können. Der bedankte sich bei dem Bauer, lachte in sein Fäustchen und lief zu seinen Kameraden.

Der Bauer aber ging nach Haus und sprach zu seiner Frau: »Sieh, Mie, unser Esel ist unterwegs zum Menschen geworden, denn seine Zeit war um.«

»Ja«, sprach die Frau, »ich habe es dir ja immer gesagt, es war ein klug Tier, das Menschenverstand hatte und dem nichts fehlte, als die Sprache.«

Am anderen Tag ging der Bauer wieder zu Markte, um einen anderen Esel zu kaufen. Als er aber auf den Markt kam, siehe, da stand sein Esel und einer von den Studenten dabei, der bot ihn feil.

Da schrie der Bauer: „Ach, ihr Leute, kauft doch den Esel nicht, denn es ist ein verwünschter Mensch. Ich habe es erfahren. Er hat wahrscheinlich wieder eine schwere Sünde auf sich, sonst wäre er nicht wieder ein Esel.«

Da wollte niemand den Esel kaufen und die Studenten mussten ihn wieder mitnehmen.

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