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Aus dem Wigwam – Das Paradies der Tetonen

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig.1880

Ursprung des weißen, roten und schwarzen Mannes

ls Florida sich als Territorium der Vereinigten Staaten organisierte, war die erste Sorge des Gouverneurs William P. Duval darauf gerichtet, die Eingeborenen für die Zivilisation zu gewinnen. Zu diesem Zweck berief er einst eine Versammlung der Häuptlinge der Seminolen und sagte ihnen, es sei der Wunsch des Großen Vaters, dass sie Lehrer und Schulen haben und dass ihre Kinder gerade so wie die der Weißen unterrichtet werden sollten. Die Häuptlinge hörten mit großer Aufmerksamkeit zu und baten sich nach beendeter Rede einen Tag Bedenkzeit aus. Am folgenden Tag erschienen sie zur festgesetzten Zeit wieder. Einer derselben redete den Gouverneur im Namen der Übrigen wie folgt an:

»Mein Bruder! Wir haben uns den Vorschlag unseres Großen Vaters gut überlegt und sind ihm sehr dankbar für das Interesse, das er an uns nimmt. Wir müssen jedoch sein Anerbieten zurückweisen, denn was für den weißen Mann passt, ist nicht gut für den roten. Ihr weißen Männer sagt, die Menschen stammten alle von einem Vater und einer Mutter ab, aber dem ist nicht so. Der Große Geist schuf zuerst den schwarzen Mann. Es war dies sein erster Besuch, Menschen zu schaffen, und als solcher immerhin ganz gut. Späterhin kam er ihm jedoch als Pfuscherei vor und er schuf den roten Mann, den er mehr liebte. Aber da dies immer noch nicht das war, was er wollte, so versuchte er es abermals und schuf den weißen Mann. Danach war er zufrieden. Du siehst also hieraus, dass du zuletzt geschaffen bist, weshalb ich dich meinen jüngsten Bruder nenne. Danach rief der Große Geist die drei Männer zusammen und zeigte ihnen drei Kästchen. Im ersten waren Bücher, Karten und Papiere, im zweiten Pfeile, Bogen, Messer und Tomahawks, im dritten Spaten, Äxte, Hammer und Hacken. Dies sind, sagte er, die Werkzeuge, mit denen ihr euch euren Lebensunterhalt verschaffen müsst. Wählt nun nach Belieben!«

Der weiße Mann, welcher sein Liebling war, hatte die erste Wahl. Er ging an dem Kästchen mit Werkzeugen vorbei, ohne es kaum anzusehen. Beim nächsten aber blieb er stehen und schaute es ernstlich an. Der rote Mann zitterte, denn er sehnte sich nach diesem Kästchen. Doch nach einigen Augenblicken ging er weiter und wählte sich das Kästchen mit Büchern und Papieren. Dann kam die Reihe an den roten Mann. Er nahm das Kästchen mit Waffen. Dem Schwarzen blieben so die Werkzeuge übrig. Hieraus ist also klar zu ersehen, dass der Weiße lesen und schreiben lernen, allerlei Künste erfinden und auch Rum und Whiskey bereiten soll. Der Rote aber sollte Jäger und Krieger werden und mit Büchern nichts zu tun haben. Auch soll er weder Whiskey machen noch solchen trinken, weil er ihm schädlich ist. Die Aufgabe des schwarzen Mannes ist, für den roten und weißen zu arbeiten, was er auch tut. Wir müssen also nach dem Wunsch des Großen Geistes leben, damit wir nicht bei ihm in Ungnade fallen. Lesen und Schreiben ist gut für den weißen Mann, dem roten aber ist es schädlich. Den Weißen macht es besser, den Roten aber schlechter. Einige der Krik und Tschoktah lernten es und sind die größten Vagabunden geworden. Sie reisten einst zum Großen Vater, um mit ihm über die Wohlfahrt ihrer Nation zu sprechen. Als sie bei ihm waren, beschrieben sie ein kleines Stück Papier, was später ein Agent vorzeigte und sagte, dies sei ein Vertrag mit dem Großen Vater. Sie wussten nicht, was das sei. Es war ein kleines Stück Papier, aber es bedeckte ein großes Stück Land. Ihre Brüder, die lesen und schreiben konnten, hatten ihre Häuser, Ländereien und die Gräber ihrer Vorväter verkauft. Der weiße Mann beanspruchte sie als sein Eigentum. Sage also unserem Großen Vater, dass wir seine Lehrer nicht annehmen können. Lesen und Schreiben ist gut für den weißen, aber sehr gefährlich für den roten Mann!«

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