Story-Tipps

Des Teufels Sohn

Archive
Folgt uns auch auf

Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 33

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

33. Wie Rübezahl einige Krakeler belehrt.

Es weiß jeder, der einen Krieg mit durchgelebt hat, was das sagen will, und dass keiner gut durchkommt, wenn er unter böse Rotten gerät. So war es besonders im Dreißigjährigen Krieg. Damals kam auch ein Haufen Reiter ans Gebirge, wollten hinüber nach Böhmen und meinten, ums Gebirge herumzureiten sei viel zu umständlich. Man müsse gerade drüber die Sturmhaube hinauf. So ritten sie denn drauf los und dachten: Wenn ihr den Weg nicht wisst, so wissen ihn andere.

Sie baten also den Wirt in Agnetendorf um einen Boten. Der Wirt war Rübezahl, freilich, ohne dass sie es wussten. Der Wirt sagte, wenn sie etwas verzögen, so würde sich wohl ein Bote finden; aber er sage ihnen gleich, da hinauf kämen sie nicht, sonst möchten ihre Köpfe eher unten sein als die Beine. Daraus machten sich aber die Leute nichts.

Nun sind die Kriegsgurgeln ganz eigener Art und können nimmer genug haben. So aßen und tranken die Leute auf Landes Unkosten, dass es eine Art hatte, nämlich Unart. Unterdessen kam der Bote, dem der Herr befahl, er solle den Kriegsknechten den Weg weisen. So ritten denn Offiziere und Soldaten ohne guten Dank und guten Tag auf und davon. Unter den Reitern war aber einer, so unfehlbar einmal dem Galgen entwischt war und sich während der Mahlzeit in Branntwein vollgesoffen, der kam zurück und plagte den Wirt um eine Reiterzehrung, aber es müsse schnell sein, sonst solle ihm das Donnerwetter in den Leib fahren. Der Wirt weigerte sich und sagte, dass er ihnen bereits genug getan hatte. Zwingen lasse er sich zu nichts, und auch nicht einmal durch ein Donnerwetter. Da fing der Soldat an zu fluchen und zu schelten, zog vom Leder und wollte den Wirt durchbläuen.

Der aber sagte: »Immer her.«

Indessen hatte der Reiter sein Pferd vor der Tür an eine Säule gebunden. Der Wirt aber hatte einen Prügel ergriffen, ging unerschrocken auf den Reiter los und trieb ihn mit seinem Degen aus einer Ecke in die andere, so, indem er ihm dabei tüchtige Püffe erteilte, im ganzen Haus herum und streckte ihn endlich völlig zu Boden. Als der nun wieder zu sich kam, merkte er, dass er nicht in einem Wirtshaus, sondern unter verdorrten Bäumen liege. Sein Rösslein stand auch an einem verdorrten Baum angebunden. Das war nun zwar alles gut; aber wenn man in einem wilden Waldgebirge weder Weg noch Steg weiß, ist damit auch noch nicht viel geholfen. Indessen hatte der Landsknecht überall sorgfältig aufgesehen und endlich auch einen Weg gefunden, auf dem er, freilich mit Lebensgefahr, über das Gebirge gekommen war und endlich nach vier Tagen auch seine Kameraden wiedergefunden hatte.

Ging es aber ihm schlecht, so war es diesen nicht eben gut gegangen. Denn kaum waren sie mit ihrem Boten eine halbe Stunde weit gekommen, so fingen sie an den zu drillen und zu scheren und verlangten, dass er sie die Sturmhaube gerade hinaufführen solle. Der sagte ihnen, das gehe zwar an zu Fuß, aber nicht zu Ross.

Als sie dessen ungeachtet in ihn drangen und Drohungen hinzufügten, so sagte er endlich: »Wenn Ihr des Wesens zu viel macht, so gehe ich auf und davon und lasse Euch in der Gefahr stecken.«

Nun war es beim lieben Kriegsvolk damals gerade wie jetzt, nur noch schlimmer, sie wollten immer so zart behandelt sein wie eine Jungfer, aber andere Leute wollten sie behandeln wie die Sau den Bettelsack. So auch der Rittmeister, als der Bote das sprach. Er erhob seine Peitsche, um ihm Streiche zu geben.

Der Bote aber schlüpfte ins Gebüsch. »Sucht Euch einen anderen als mich«, sagte er. Damit war er weg.

Durch so etwas wird auch der Wildeste zahm, und das auch gleich auf der Stelle. Da saßen denn die guten Landsknechte und sperrten das Maul auf, aber freilich, gebratene Tauben flogen nicht hinein. Denn nachdem sie im Busch lange hin und wieder geritten, gerufen und geschrien hatten, der Bote möge nur wiederkommen, es werde ihm nichts geschehen, da merkten sie wohl, dass sie etwas Dummes gemacht hatten, denn es kam nun einmal kein Bote. In dieser Verlegenheit brach auch die Nacht herein. Es erhob sich ein so entsetzlicher Sturm, dass um sie her Bäume krachend übereinander stürzten, ihre Rosse scheu wurden und keiner des Lebens sicher war. In dieser Angst kommandierte der Rittmeister zum Rückzug, aber es war nirgends ein Weg zu sehen, auf dem sie hätten ins Dorf zurückreiten können. Da suchte denn jeder, wo er ein Obdach finden konnte, und stoben alle auseinander. Die wenigen Reiter aber, so beisammen geblieben waren, beschlossen, die Nacht hindurch ein Feuer zu unterhalten, wonach sich die Zerstreuten richten könnten. Am anderen Tage nachdem sie sich wieder zusammengefunden hatten, kamen sie erst nach einem langen, mühseligen Ritt in einen bewohnten Ort und werden da wohl an Rübezahl gedacht haben und noch lange danach.

Merke: Krakelen bestraft sich selbst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.