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Perry Rhodan Band 2970 – Der Gondu und die Neue Gilde

Oliver Fröhlich
Perry Rhodan Band 2970
Der Gondu und die Neue Gilde

Science-Fiction, Heftroman, Hörbuch und E-Book, Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt, 19. Juli 2018, 68 Seiten, € 2,20, Titelbild: Dirk Schulz, Innenillustration: Swen Papenbrock

Eine Erzählung in der Ich-Form bildet den Löwenanteil von Oliver Fröhlichs Doppelroman. Der Inhalt? Weiter geht es mit den Hintergründen des Goldenen Reichs der Thoogondu, das auf so undurchsichtige Weise in der Milchstraße verankert ist – historisch durch die Vertreibung aus dieser Region des Kosmos durch die Superintelligenz ES, den derzeit vertriebenen Mentor der Menschheit, den sie den Wanderer nennen und hassen, seit sie nicht mehr sein Lieblingsvolk sind.

Für die Menschheit ist dieser Konflikt sehr akut  durch die HaLem-Armee auf dem Merkur, deren Soldaten sich als von lebenden – verstorbenen – Bewusstseinen besetzbare Kampfmaschinen entpuppten, und durch die Schweigsamen Werften, die gerade in diversen Gasplaneten der Milchstraße entdeckt wurden, und aus denen robotisch gesteuerte Pentasphären aufsteigen, auch Trisphären, also eine sich sammelnde riesige Flotte von Schiffen der alten Thoogondu.

Die drei bzw. fünf Kugelrümpfe aneinanderreihenden Perlenschiffe der Thoogondu, deren größte Typen auf 7430 Meter Länge kommen, sind ausgesprochen dekorativ, weshalb sie auf ungewöhnlich vielen Titelbildern dieses Serienabschnittes die sattsam vertrauten Kugelraumer mit Ringwulst ablösen. Wobei verschiedene Grafiker ihnen unterschiedliche Oberflächen geben. Die Innenillustration von Swen Papenbrock zeigt drei Pentasphären. Und für den Folgeroman wurde die Risszeichnung einer Trisphäre angekündigt.

Beim Titelbild des Bandes 2970 wählte Dirk Schulz den in unwirklich blaues Licht getauchten Thronsaals von Gondu Narashim als Motiv, ein relevantes Motiv, weil sich an diesem Ort entscheidende Momente des Romans zutragen: Die Erzählung taucht tief in die Geschichte des Goldenen Reichs und in die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Herrscherfamilie ein. Wie Rhodan davon erfährt? Ganz einfach: Puorengir erzählt es ihm.

Puorengir – wir kannten sie bisher nur aus flüchtigen Erwähnungen, und aus einem kurzen Auftritt in einem Roman von Michelle Stern. Puorengir, die Schwester des Guogondu, des Thronfolgers, dessen Amt auf eigenen Wunsch befristet ist und der sich so überdeutlich von Politik distanziert, während er zugleich jede Facette des süßen Lebens in der Creme de la Creme der Oberschicht auskostet. Die Schwester von Puoshoor, der, wenn unbeobachtet, so knallhart durchgreifen kann, dass sein Image als Mache erscheint.

Wenn Pouregir nun überraschend auftaucht, wenn sie den Oberbefehl über die Flotten aus den Schweigsamen Werften beansprucht, tut sie es als die neue Gonda des Goldenen Reichs, die mit Perry Rhodan über die Geschichte ihrer Familie und ihres Volkes spricht. Die bildet den Inhalt des Doppelromans, dessen erster Teil mit Band 2970 vorliegt. Wir erhalten tiefe Einblicke in den Werdegang der Thoogondu und in ihre Kultur. Besonderes Augenmerk richtete Oliver Fröhlich jedoch aus das persönliche Verhältnis der Protagonisten zueinander, und da sie alle jeden Grund zum Misstrauen haben, bietet sich jede Menge Erzählstoff.

Wir erinnern uns: In Band 2969 von Susan Schwartz erlebten Gucky und Sichu Dorksteiger Abenteuer in einer von Thoogondu bewohnten Station am Hooris-Stern, wo die Hooris-Kristalle abgebaut werden, mit denen man Erinnerungen manipulieren und Bewusstseine mit metallenen Körpern verbinden kann – eine maßgebliche Technologie des Goldenen Reichs. Auch er enthielt viele Einblicke ins Alltagsleben der Thoogondu, genauer: der regierten Thoogondu.

Oliver Fröhlich erweitert diesen beschränkten Blickwinkel der Manipulierten um die weit gespannte Perspektive der »Großkopferten« – am selben Hooris-Stern, denn mittlerweile hat sich dort ein vier Kilometer durchmessender, silbrig strahlender Energiering gebildet, aus dem sich drei Pentasphären schieben, majestätisch und bedrohlich zugleich. Mit einer von ihnen, der TAYLITTIR, kommt Puorengir. Sie ist die Gonda, sie beansprucht den Oberbefehl, sie ist angeklagt und wird verfolgt. Deshalb erzählt sie Perry Rhodan ihre Geschichte.

Die fast über den ganzen Roman durchgehaltene Ich-Perspektive schafft Nähe. Darüber hinaus sorgt die Fremdheit dieser Kultur für Abstand im Vertrauten, mit interessanten Methoden. So hat Puorengir eine Partnerin, was ihre Liebesgeschichte vor einer Menge Mann-Frau-Klischees bewahrt. Vertrautheit mit ihrem Bruder und sehr begründete Zweifel an ihm halten einander die Waage, wodurch die Leser gemeinsam mit ihr die Verdachtsmomente durchforsten und sich skeptisch in trügerischer Sicherheit wiegen.

Im Ausloten des Verhältnisses zwischen Bruder und Schwester im Angesicht der Thronfolge und des durch den Thron aus Pedcondit extrem langlebigen Vaters, der sich emotional nicht binden will, enthält der Roman genug Spannung. Dazu kommt die Frage, wer wen getötet hat. Denn Narashim hat einen schwer wiegenden Verdacht gegen seinen Sohn. Schon ehe jemand Wichtiges stirbt.

Viele Widersprüche im Verhalten der Thoogondu werden nachvollziehbar, Oliver Fröhlich legte besonders viel Aufmerksamkeit ins Ausgestalten dieser Ebene des Romans. Und doch bleibt viel übrig für den zweiten Band des Doppelromans: So weiß Puorengir nicht alles über die angeblich so ungerechte Vertreibung durch den Wanderer aus der Milchstraße. Oder erzählt sie Perry Rhodan nicht alles? Wir Leser wissen, was Opiter Quint, Ernst Ellert und Zau auf der Heimatwelt der Thoogondu erfuhren … und wer ist die Neue Gilde, was ist das Gondische Privileg? Mehr dazu erfahren wir im Band 2971.

PERRY RHODAN Journal 171

In der achtwöchentlich erscheinenden wissenschaftlichen Beilage in der Heftmitte gibt es Teil zwei, betitelt »Interstellare Perspektiven« des umfangreichen und tiefgründigen Artikels »Kultur und Kosmos. Vom Homo sapiens zum Homo spaciens und so weiter«, in dem Rüdiger Vaas die Erweiterung des menschlichen Horizonts vom irdischen Provinzialismus zum kosmischen Bewusstsein diskutiert. 

Die Lese- und Hörprobe ist hier.

(at)