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Des Teufels Sohn

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Der Alte vom Berge – Kapitel 4

C. F. Fröhlich
Der Alte vom Berge
Oder: Taten und Schicksale des tapferen Templers Hogo von Maltitz und seiner geliebten Mirza
Ein Gemälde aus den Zeiten der Kreuzzüge
Nordhausen, bei Ernst Friedrich Fürst, 1828

IV.

Nachdem Hugo seine Dolche locker gesteckt hatte, kletterte er mutig vorwärts. In geringer Entfernung gewahrte er viele Raubvögel und bald auch den Halbmond.

Mit pochendem Herzen schritt er näher. »So war mir selbst in der heißesten Schlacht nicht zumute, wie heute«, sprach er zu sich selbst.

Zwei schöne Jünglinge, gleich Gämsen kletternd, sprangen ihm entgegen.

»Kann ich den ehrwürdigen Alten vom Berge wohl sprechen?«, fragte er sie zagend.

»Geh nur da in seine Höhle«, erwiderten sie.

»In der nächsten Schlucht«, rief der eine jetzt freudig, »will ich wenigstens zehn Christenhunde vernichten, dann will ich gern unter ihren Streichen fallen, damit ich bald in Mahomeds reizendes Paradies komme.«

»Armer betörter Jüngling«, seufzte Hugo und befand sich, ehe er es glaubte, vor der Höhle des Alten, welche aber tief lag und ringsum von hohen Felsen einge schlossen war. Indem er, nicht ohne Grauen, bald nach der Höhle, bald nach den Felsen blickte, überlegend, wie er zu ihr kommen könnte, so trat ein großer Mann, vom Alter noch nicht gebeugt, dessen Haupt von Haaren ganz entblößt war, mit scharfen Zügen das Gesicht gezeichnet und bekleidet mit einem langen härnen Gewand aus der Höhle. Es war der Alte vom Berge.

»Ehrwürdiger, erleuchteter Herr«, rief Hugo herab, »ich habe dir wichtige Sachen zu entdecken, weshalb ich wohl wünschte, dich allein zu sprechen.«

Der Alte blickte unseren Helden starr an und deutete dann mit dem Finger zu einer Stelle, wo man bequem heruntergehen konnte.

»Keinen Schritt näher oder du bist des Todes!«, herrschte der Alte mit kräftiger Stimme, als sich Hugo ihm ganz nähern wollte.

»Du wirst doch nicht glauben, dass ich Böses gegen dich im Sinn habe?«, fragte Hugo mit spöttischer Miene.

»Gutes aber doch auch nicht«, entgegnete der Alte, »denn du bist mit zwei Dolchen bewaffnet!«

»Ich, mit Dolchen bewaffnet?«, fragte Hugo überrascht.

»Verstellung geziemt einem Templer nicht«, meinte jener, »leugne es nur nicht, du hast unter deinem Gewand die Dolche verborgen, womit du mich ermorden willst. Du staunst, dass ich dieses weiß? Glaube mir, eure geheimsten Beschlüsse im Kapitel weiß ich ganz genau. Ich stehe zwar unbewaffnet in deiner Nähe, aber auf einen Wink habe ich Leute, die mich rächen.«

Hugo wusste nicht, ob er wache oder träume. Der Alte entlockte einem Instrument starke Töne, worauf sich die Felsen von allen Seiten mit Assassinen belebten. Hugo rieb sich wieder die Stirn und starrte umher.

»Wie viel der Glauben vermag«, begann der Alte wieder, »davon sollst du sogleich ein Pröbchen haben.« Zu den Jünglingen gewendet, rief er: »Assad! Achmed und Cadi, springt herab, wenn ihr den Propheten liebt!«

Kaum war sein letztes Wort verklungen, so stürzten die Jünglinge zerschmettert zu Hugos Füßen nieder.

Er bebte beim Anblick der Zerschmetterten etwas, doch fasste er sich schnell, zog einen Dolch hervor, schrie wütend: »Betrüger! Schändlicher Gauner!«

Er stürzte auf den Alten zu, aber der Boden wich unter ihm, und er sank, von einem allgemeinen Gelächter begleitet, in eine ungeheure Tiefe.

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