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Perry Rhodan Band 2963 – Der Münchhausen-Roboter

Kai Hirdt
Perry Rhodan Band 2963
Der Münchhausen-Roboter

Science-Fiction, Heftroman, Hörbuch und E-Book, Pabel Moewig Verlag KG, Rastatt, 1. Juni 2018, 68 Seiten, € 2,20, Titelbild: Arndt Drechsler, Innenillustration: Swen Papenbrock

Der zweite Teil des Doppelromans hat als Hauptperson einen Roboter, der ein sehr spezielles Verhältnis zu Wahrheit und Lüge hat. Atlans und Klems treffen ihn – sie – auf ihrer Reise durch den Dakkarraum. Durch den Shod-Spiegel sind sie im Konglomerat gelandet, einer weiträumigen Station, die sich im Dakkarraum befindet. Das ist ein übergeordneten Kontinuum, das wie ein grenzenloser Raum aus roten Flocken wahrgenommen wird, sobald er in die Station eindringt oder man sich aus ihr hinausbegibt. Man kann darin schnell die Orientierung verlieren, darin verloren gehen und verhungern, oder ganz einfach verwehen.

Diese Gefahr multipliziert sich für unsere Helden, als sie sich in jenem blauen Gasmeer voll riesiger Kreaturen zurechtfinden müssen, in das der heimtückische Strymer sie gelockt hat, ein Haodh, der Klems Amulett gestohlen hat, das unter anderem zur Orientierung im Dakkarraum verhilft. Der Jäger Shapandh scheint ihren aus dem Koglomerat gefolgt zu sein, und weil das Gasmeer durch den Dakkarraum driftet und mit dem Koglomerat zu kollidieren droht, scheint eine Flucht unmöglich. Zeit für Atlan, sich mit dem gestohlenen Kommandokleid des Bhal auseinanderzusetzen.

Wen nimmt es Wunder – man schafft den Rückweg in diese seltsame Station voll von Angehörigen ganz verschiedener Völker. Da sind die beiden Tonzer-Mädchen Kychar und Madoyar, deren riesige Käferkörper sie kaum davon abhalten, sich wie ganz normale Teenager zu benehmen. Der Paslaimone Mollicord wirkt wie ein verwachsener Gnom. Er bewegt sich auf Stelzen und neigt zum Seitenwechsel – nicht als Einziger in diesem Vielvölkergemisch.

Mollicords Volk bewohnt das Paslaim, eine Art Steuerzentrale des Koglomerats. Und eben dieses Paslaim wird von den Gemeni angegriffen, was zu einigen grundlegenden Auseinandersetzungen der Bewohner des Koglomerats führt. Darin spielt die Münchhausen-Roboterin eine entscheidende Rolle, die ihre chromglänzenden Fingernägel betrachtet und ungehemmt lügt, womit sie allerdings weitreichende Wirkungen erzielt. Das Bewusstsein in diesem Robotkörper stammt von einem Lebewesen, das aus einer ähnlichen Ecke des Universums stammt wie der Tryzom-Mann Zau. Ist das Zufall oder ein sehr großer Zusammenhang?

Der Autor Kai Hirdt gab auf die Frage nach der Besonderheit des Romans folgende Auskunft: »Interessant ist die Identifikation des Roboters als weiblich, insbesondere wenn man ihn mit der weiblichen Posbi Jawna Togoya vergleicht. Wo die Posbifrau einen ganzheitlichen, reifen, erwachsenen Eindruck macht, ist Tamareil deutlich überzeichnet, in der von ihr gewählten Kleidung mit kurzem Rock und Highheels – eine schrille, auf Effekt angelegte Kombination. Das spiegelt sich auch in ihrem Wesen wieder: Sie drängt sich in den Mittelpunkt, mit hochspannenden oder amüsanten, aber größtenteils komplett erlogenen Geschichten. Die Figur ist als eine Art Paradiesvogel angelegt, und man darf gespannt sein, welche Überraschungen sich noch in der metallenen Hülle aus Koketterie und Großsprecherei verbergen.«

Hirdts Geschichte lebt von dem ungewöhnlichen Schauplätzen – roter Dakkarraum, blaues Gasmeer, verwinkeltes Koglomerat – und dem ungewöhnlichen Personal, dessen Anklänge an dieWeltrauminsel Phtor der Atlan-Serie wohl kein Zufall sind, weil sich das Glossar ausgiebig mit Inventar dieses Serienabschnitts beschäftigt. Nachdem der zu Beginn des Zyklus eingeführte Sternenkerker ORIVAR (vgl. PR 2902) ebenso schnell wieder verschrottet wurde wie das aus unzähligen Raumschiffen zusammengebaute Aggregat im Staubgürtel Orpleyds (vgl. PR 2879), begrüßt die Verfasserin dieser Besprechung diesen neuen interessanten Schauplatz mit großer Freude, gerade auch wegen der dezenten Anklänge an den Phtor-Zyklus. Ein bisschen Fantasy kann ab und zu nicht schaden.

Gerade zu Atlan passt diese Art von Geschichte, hat der unsterbliche Arkonide, der 10.000 Jahre lang die Entwicklung der Menschheit nach deren Rückfall in die Barbarei durch den Untergang des nach ihm benannten Kontinents Atlantis begleitete, den er als einziger Arkonide vor Ort überlebte. 10.000 Jahre unter den verschiedenen Völkern der Erde, die Hanns Kneifel in seinen Zeitabenteuern schilderte. Seine Neigung zu Wein, Weib und primitiven Waffen  prädestinierten ihn von jeher für Fantasy-lastige Abenteuer.

Im Laufe der Serienentwicklung hatte der Weißhaarige ebenso wie Rhodan an Profil verloren. Seit seiner Wiedereinführung als Sternenwanderer (PR 2950) nähert er sich – wie Rhodan – seiner einfacheren alten Persönlichkeit an. Er taktiert, ist spöttisch, kommentiert lakonisch und meidet Sentimentalität, natürlich ohne an Beschützerqualitäten einzubüßen. In der Folge darf sein Begleiter Klem auch mal das A-Wort benutzen, wenn er den toten Gegner treten will, weil der es verdient hat. Gut so. 

Wie geht die Geschichte weiter? Atlan wird auf ein Shod-Teleskop aufmerksam, mit dem die Gemeni Treibgut beobachten. Shod-Teleskop 37 ist auf eine Zwerggalaxis gerichtet, die Atlan unter dem Namen Cetus kennt. Sie ist nur 2,46 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt, eine läppische Distanz, wenn man den aktuellen Standort betrachtet. Da will er hin. Und seine Verfolger hat er noch lange nicht abgeschüttelt.

Die Risszeichnung eines Flottentenders der SHELTER-Klasse in der Heftmitte, gestaltet von Johannes Fischer, rundet den Band ab.

Die Leseprobe ist hier.

(at)