Story-Tipps

Elmsfeuer

Archive
Folgt uns auch auf

Der Kommandant des Tower 51

Der Kommandant des Tower
Band 2
Historische Erzählung von W. Harrison Ainsworth
Verlag von Christian Ernst Kollmann, Leipzig, 1863
Viertes Buch
Verschwörung und Gegenverschwörung
Siebentes Kapitel

Wie Sir William Sharington vom Conseil verhört und auf die Folter gelegt wurde

Warwick sah ein, dass kein Augenblick zu verlieren sei, und suchte die Lords Russel und Arundel, Sir William Paget und einige andere Mitglieder des Conseils, denen er trauen durfte, auf. Ohne sich für den Augenblick weiter zu erklären, als dass er die Entdeckung gemacht hatte, William Sharington habe sich arge Betrügereien zuschulden kommen lassen, die wahrscheinlich eine hochstehende Person kompromittieren würden, erlangte er die Zustimmung seiner Kollegen zu Sharingtons Verhaftung.

Der Haftbefehl wurde unterzeichnet, und Warwick gab ihn selbst den Beamten, die ihn vollziehen sollten, indem er noch besondere Instruktionen hinzufügte. Am folgenden Morgen schon wurde Sharington in den Tower gebracht. Am selben Tag begaben sich Lord Warwick und das Conseil zu der Festung. Sie versammelten sich in dem Quartier des Lieutenants und ließen den Gefangenen vorführen. Entschlossen leugnete dieser alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen und konnte zu keinem, den Admiral kompromittierenden Geständnis gebracht werden.

Warwick, der das Verhör leitete, war aber zum Äußersten entschlossen und drohte ihm mit der Folter. Als sich auch diese Drohung wirkungslos erwies, befahl er, ihn in die Folterkammer zu bringen und den ersten und zweiten Grad der Tortur bei ihm anzuwenden.

Sharington wurde hinausgeführt.

Die Herren vom Conseil blieben, wo sie waren, um das Resultat abzuwarten. Aber mehr als eine Stunde verging, bevor der Kerkermeister wieder erschien.

»Nun, habt Ihr seine Halsstarrigkeit gebrochen, guter Master Tombs?«, rief Warwick. »Will er jetzt reden?«

»Ja, Mylord, er hat jetzt einen anderen Ton angenommen. Aber wir haben tüchtig arbeiten müssen. Eure Lordschaft muss zu ihm gehen, wenn er verhört werden soll, denn seine Gelenke sind dermaßen auseinandergerissen, dass er sich nicht rühren kann.«

Das Conseil begab sich darauf zurr Folterkammer, einem großen, steinernen Gewölbe in der Nähe des Beauchamp Towers. Aus des Lieutenants Quartier gelangte man durch einen unterirdischen Gang dorthin.

Der dumpfe und unheimliche Raum, dessen bloßer Anblick darauf berechnet war, Schrecken zu erregen, wurde von einer eisernen Lampe, die an einer Kette vom Schlussstein der gewölbten Decke herabhing, matt erhellt. Aber so trübe auch das Licht brannte, so reichte es doch hin, um allerlei entsetzliche Dinge erkennen zu lassen. An der einen Seite stand der schreckliche Apparat, auf dem der Gefangene gestreckt worden war – ein hölzernes Gestell, mit Rädern, Seilen und einer Rolle versehen. Die Wände waren mit Daumenschrauben, Zangen, seltsam geformten Messern, Sägen und anderen schaudererregenden Instrumenten behangen.

Der unglückliche Gefangene saß auf einem hölzernen Stuhl. Bei Anwendung der Folter waren ihm alle Kleider ausgezogen worden, und es war jetzt unmöglich, sie ihm wieder anzulegen. Man hatte einen Mantel lose um seine Glieder geschlagen.

Sein geisterhafter, fast totengleicher Anblick bewies die Qual, die er ausgestanden hatte. Die Gelenke waren ihm in der Tat aus den Fugen gerissen worden, und die Sehnen krachten fast bei der entsetzlichen Anwendung der Folter. Der Chirurg stützte ihn und wusch ihm die Schläfe mit kaltem Wasser. Der Folterknecht stand dabei – ein ungeschlachter, riesiger Geselle mit wilden Gesichtszügen und struppigem, roten Haar. Auch Mauger, der Henker, war zugegen.

Als die Conseilmitglieder in das Gewölbe eintraten, machte Sharington eine vergebliche Anstrengung, den Kopf in die Höhe zu heben. Der Versuch war so schmerzhaft, dass ein Stöhnen sich seiner Brust entrang. Jedoch schien keiner vom Conseil durch den Anblick des unglücklichen Mannes gerührt zu werden, sondern sie schauten ihn streng und unerbittlich an.

»Seid Ihr geneigt, unsere Fragen ohne Falsch und Rückhalt zu beantworten?«, fragte Warwick.

»Ja«, antwortete Sharington ächzend.

»Ihr bekennt also, dass Ihr des Königs Majestät um viele Tausend Pfund durch Unterschleif und Falschmünzerei betrogen habt?«

»Ich bekenne es«, erwiderte Sharington matt.

»Wer hat Euch zu so großen und verräterischen Betrügereien veranlasst?«, fragte Warwick.

»Seine Hoheit, der Lordgroßadmiral, der den größten Teil des Geldes empfangen hat.«

»Erklärt Ihr solches feierlich?«

»Ich schwöre es, es ist die Wahrheit.«

»So schreibt sein Bekenntnis nieder«, sprach Warwick zu einem Sekretär, der, mit Schreibmaterialien versehen, anwesend war, und der sich auf den Rand der Folterbank niedersetzte, um des Grafen Geheiß zu erfüllen.

Als das Bekenntnis niedergeschrieben war, wurde es dem Gefangenen vorgelegt, der es mit der größten Mühe unterzeichnete. Das Conseil verließ darauf das Gewölbe.

»Zunächst muss Sharingtons Mitschuldiger verhaftet werden«, sagte Warwick mit scheußlichem Lächeln zu Lord Russel, als sie durch den unterirdischen Gang zurückkehrten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.