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Interessante Abenteuer unter den Indianern 05

Interessante-Abenteuer-unter-den-IndianernJohn Frost
Interessante Abenteuer unter den Indianern
Erzählungen der merkwürdigsten Begebenheiten in den ersten indianischen Kriegen sowie auch Ereignisse während der neueren indianischen Feindseligkeiten in Mexiko und Texas

Das Abenteuer des Rangers

Ein Korrespondent des Knickerbocker beschreibt einen Besuch bei einem sehr alten Herrn, Dr. Blank, im westlichen Teil von Massachusetts und erzählt dabei die folgenden Einzelheiten eines Abenteuers während des alten französischen Krieges.

Neunzehn Jahre alt, trat er in die Reihen der Armee der Provinzen, welche im Jahre 1755 versuchte, Crown Point von den Franzosen zu erobern. Er marschierte mit Oberst Ephraim Williams zu den Seen. Der Oberst war als einer der tapfersten Männer New Englands bekannt. Der Doktor focht unter seinem Kommando an dem so merkwürdig gewordenen »Achten September« am Lake George. Er sah oder glaubte wenigstens den Fall seines tapferen Führers zu sehen und versichert, dass er dem französischen Offizier, Herrn St. Pierre, eine Kugel in den Leib jagte. Im nächsten Jahr ging er zu Roger’s Ranger-Compagnie und wurde mit einer Anzahl seiner Kameraden bei Fort Anna nicht weit von dem Platz postiert, wo jetzt Whitehall steht. Aber zu seiner Zeit war dies eine düstere und blutige Gegend, eine Grenzstation in den Waldungen, welche mit rivalisierenden Wilden angefüllt waren, die zu Frankreich oder England hielten.

Eines Tages mitten im Winter wurden acht Ranger mit einem Sergeanten in Dienstsachen ausgesandt. Der Doktor kannte den Zweck des Marsches nicht, dachte sich aber, dass sie wahrscheinlich einen einzelnen bei der Gegend von Ticonderoga oder Crown Point umherstreifenden Franzosen auffangen und ins Fort bringen sollten, um Kundschaft einzuziehen. Er selbst gehörte zu den acht. Ein enger Weg oder Pfad, den sie mehrere Stunden lang folgten, führte nordwärts nach Kanada. Es war gerade sehr viel Schnee gefallen. Alle Fichten und Tannen im Wald lagen dick voll davon. Da der Nachmittag still und klar war, so fielen nur gelegentlich einzelne Flockenmassen wie Federn von den schwer belasteten Ästen. Diese Umstände hatten sich dem Gedächtnis des alten Mannes gleichsam wie ein beständig wiederkehrender Traum eingeprägt. Die Ranger wateten in einer sogenannten indianischen Reihe durch den Schnee. Da man vor Überfall nicht sicher war, so ging ein Mann mehrere Schritte voraus, einer an jeder Seite und einer hinterher.

Dieser Letzte war der Doktor selbst. »Dies war die Flinte, welche ich bei mir führte«, sagte er, indem er ein kurzes schweres Gewehr aus einer Ecke hervorholte.

Sie sahen keine Spur vom Feind. Man hörte keinen Laut, als nur das Gezwitscher des kleinen »Chick-a-dee-dee«, den man im Winter so häufig in den Fichtenwäldern antrifft. Endlich stiegen sie in einen Hohlweg hinab. Die gefrorene Fläche des Lake George lag nicht weit davon zur Linken und ein steiler Hügel erhob sich zu ihrer Rechten. Der Boden war eine ziemliche Strecke weit vor ihnen niedrig und sumpfig und ein kleiner Bach hatte sich über den Pfad hin Bahn gebrochen. Über die gefrorene Oberfläche desselben, die ganz frei von Bäumen war, marschierte ihr Vorpostenmann langsamen und unsicheren Schrittes hin, indem er bei jedem Schritt tief in Wasser und Eis hineintrat. Plötzlich machte er halt, kehrte sich kurz um und tat einen leisen Pfiff, wie er als Alarmsignal verabredet war. Er hatte die Spuren vieler mit Mokassins bekleideter Füße drüben im Schnee gesehen. Es war keine Zeit mehr zum Überlegen. Der laute Knall einer Büchse unterbrach die Stille. Der Ranger tat einen lauten Schrei, sprang vier Fuß in die Luft und fiel flach auf den Boden nieder. In demselben Augenblick ertönte das indianische Kriegsgeschrei aus dem Wald zu unserer Rechten und Linken hervor. Das betäubende Krachen von mehr als fünfzig Büchsen folgte und nicht ein Einziger von den Rangern, einer ausgenommen, kam wieder lebendig von dem Platz fort, wo er einen Augenblick wie angefesselt vor Erstaunen über den plötzlichen Tod seiner Kameraden stand.

Dieser eine Mann war unser Held. Seine weit hinter den Übrigen befindliche Stellung rettete ihm das Leben. Er erinnerte sich noch recht wohl des panischen Schreckens, den er beim Ausbruch des furchtbaren Gebrülles und beim Knall der Musketen sowie über den plötzlichen wütenden Anlauf verspürte, mit welchem der wilde Schwarm aus seinem Versteck hervor über seine gefallenen Kameraden herstürzte. In demselben Augenblick, als er wieder etwas zur Besinnung kam, floh er in schnellster Eile zum Fort zurück. Er hörte laut und gellend hinter sich schreien und erblickte, als er sich im Lauf umschaute, zwei Indianer, welche wütend seiner Spur folgten. Er lief, so wie er sich erinnern konnte, eine Meile weit, ohne sich umzukehren oder einen einzigen Laut zu hören. Dann schaute er einen Augenblick zurück und sah einen Indianer, der schweigsam und unhörbar wie ein Gespenst nur ein paar Schritte entfernt hinter ihm hersprang.

Mit bewundernswürdiger Kaltblütigkeit kehrte er sich rasch um, erhob seine Büchse mit sicherer Hand und schoss mit so gutem Erfolg, dass der Abenaki kopfüber zu Boden stürzte und sein geschorener Kopf infolge seines zu raschen Laufes den Schnee ein Paar Schritt aufwühlte. Der junge Soldat kehrte wieder um und lief weiter. Da hörte er den Knall der Büchse des anderen Indianers und das vernehmliche Schwirren der Kugel. Er war so umsichtig und auf seiner Hut, dass er bemerkte, wie die Kugel einen schneebeladenen Ast dicht vor ihm traf und die glitzernden Schneeflocken durch die Luft hinjagte.

Der Pfad führte einen steilen Abhang hinab, auf dessen Grund eine alte Fichte quer über den Weg gefallen war. Seine scharf abgebrochenen Äste ragten in perpendikulärer Richtung von dem zusammengebrochenen Stamm 4 -5 Fuß hoch vom Boden in die Höhe und versperrten den Weg wie ein mit Stacheln versehener spanischer Reiter. Die Ranger waren auf dem Hinmarsch ein wenig vom Wege seitwärts gegangen, um ihn zu umgehen. Nun aber durfte keine Zeit auf einem Umweg verloren gehen. Die Glieder des Doktors waren zart und leicht, aber so behände wie die eines Hirsches und der Tomahawk des Indianers dicht hinter ihm. Ohne sich zu besinnen, lief er hinunter und sprang in die Luft, stieß jedoch mit dem Fuß an, sodass er auf der anderen Seite hinfiel. Dennoch packte er seine Büchse wieder und lief weiter. Einen Augenblick später hörte er ein wildes, fürchterliches Geschrei, und indem er sich im Lauf nach dem gegenüberliegenden Hügel umwandte, überraschte ihn ein Anblick, der seinen Schlaf für manche lange Nacht verscheuchte. Der tollkühne Wilde war gleich ihm hinabgesprungen, aber nicht so glücklich gewesen. Er war gestrauchelt und einer der zerbrochenen Äste hatte ihn aufgefangen und im eigentlichsten Sinne des Wortes auf seiner aufrecht stehenden Spitze aufgespießt, indem er grade durch seine Brust gedrungen war. Er sah, wie seine Augen sich im Kopf herumdrehten und die bemalten Züge des Gesichts sich scheußlich entstellten, bis er nach einer Pause zum Tode zusammenzuckte, um das Himmelslicht nie wieder zu erblicken.

Um Sonnenuntergang sahen ihn die Schildwachen von Fort Anna, wie er in vollster Eile aus dem Wald hervorstürzte, als ob die Indianer noch hinter ihm wären. Ein starker Trupp, welcher am nächsten Morgen ausgeschickt wurde, fand die Leichen der Ranger entkleidet und in den verschiedenen Stellungen, in welchen sie gestorben waren, steif gefroren, sodass sie wie Marmorstatuen aussahen. An einem dicht beistehenden Baum hatte der französische Offizier, welcher die Abenaki anführte, ein Stück Birkenrinde befestigt, worauf er eine übermütige und triumphierende Botschaft an die Engländer geschrieben hatte. Die Leichen der zwei Indianer waren fortgeschafft, obgleich der weiße Schnee um die alte Fichte noch unverkennbare Spuren von dem schauderhaften Schauspiel trug, das dort stattgefunden hatte, und von den Mokassins einer großen Menge von Wilden, die sich um den Platz versammelt hatten, hart getreten war.

Dieses kriegerische Abenteuer war genug für den martialischen Eifer des Doktors. Er zog nicht wieder ins Feld, bis 29 Jahre später, als er in Washingtons Lager bei Cambridge kam, aber nicht mit Muskete und Pulver, sondern mit Sonde und Salbe bewaffnet.

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