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Captain Concho – Band 39

Bill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 39
Flucht in die Hölle

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertrugrul Edirne / Becker-Illustrators

Kurzinhalt:
Captain Concho und die schöne Spionin Christin werden gnadenlos gejagt! Gelingt es ihnen, mit Major Bishops Geheimdokumenten bis ins Kriegsministerium in Richmond zu gelangen, könnten sämtliche Agentennester der Yankees ausgehoben werden Aber da ist der fanatische Major Bishop, der blutige Rache geschworen hat. Kein Trick ist ihm zu schmutzig, keine Falle zu gemein. Der Yankee-Major geht buchstäblich über Leichen, um das Paar vor Richmond abfangen und töten zu können. Für Captain Concho und Christin wird es eine Flucht in die Hölle …

Leseprobe:

Der Fahrtwind zauste an den schwarzen Haaren der hübschen, jungen Frau, die Captain Concho in den Armen hielt. Beide schauten an dem dahindonnernden Zug entlang auf die Rangierlokomotive, die dem Zug von Beaver Dam aus folgte. Die Rangierlok war voller Soldaten, die unter Major Bishops Kommando standen, der dem Zug nachgejagt war, um Concho und Christin herunterzuholen.

Todsicher würde er sie beide auf der Stelle erschießen lassen.

Captain Concho schaute sich verzweifelt um. Er hielt Christin im Arm und die Satteltaschen mit den wichtigen Geheimdokumenten auf der Schulter.

Der Militärtransportzug jagte mit einer Geschwindigkeit von fünfzig Meilen dahin. Abspringen war unmöglich. Alle Knochen würden sie sich brechen.

Christin stöhnte verzweifelt und schaute Concho ins Gesicht, als die ersten Soldaten von der Rangierlokomotive auf den Zug überstiegen.

Es war ein langer Zug, der von zwei schweren Güterzugloks gezogen wurde. Captain Concho und die hübsche Frau befanden sich in der Mitte. Hinter ihnen hingen noch ein Dutzend Waggons, die voller Yankee-Soldaten und mit Kriegsgerät beladen waren.

Captain Concho griff nach dem Revolver.

Hatte es Sinn, sich damit zu verteidigen?

Von hinten und vorn würden die Yankees kommen, sobald die ersten Schüsse fielen und die Soldaten auf dem Zug bemerkten, dass sie keine harmlosen Reisenden waren.

Vier Soldaten waren von der Lok übergestiegen. Todsicher war Major Bishop der Erste gewesen. Sie sprachen mit den Soldaten auf dem Schlusswagen. Kurz nur, dann schlossen die sich den vieren an.

Von Waggon zu Waggon stiegen die Yankees.

Nachdem sie noch drei Wagen trennten, erkannten Captain Concho und Christin, dass es sich bei den ersten beiden Männern, die ihnen da auf den Leib rückten, um Major Bishop und Lieutenant Wallison handelte.

Der Captain nahm den Revolver in die Faust und drückte Christin hinter eine Kiste.

Sie waren verloren. Da biss die Maus keinen Faden ab. Doch Captain Concho beklagte nicht das eigene Schicksal. Christin tat ihm leid. Bishop würde sie nicht verschonen. Zuviel hatte sie gewusst und verraten.

Der Waggon vor ihnen war ein geschlossener Viehwagen. Pferde standen darin. Concho hob den Revolver, als er Bishops Offiziershut erblickte.

»Concho, geben Sie auf!«, brüllte der Major mit sich überschlagender Stimme, um sich in dem Rattern des dahinrasenden Zuges verständlich zu machen. »Ihr seid verloren. Widerstand ist zwecklos.«

Captain Concho zielte, und als der Major den Kopf hob, jagte er ihm eine Kugel durch den Hut.

Major Bishop zog sich sofort zurück.

Concho sah sich um. Hinter ihm befand sich ein zweiter, mit großen Kisten beladener Tafelwagen. Erst dahinter fuhren Waggons mit Soldaten. Den Schuss hatte keiner hören können.

»Concho, das ist doch sinnlos!«, war kurze Zeit später Lieutenant Wallisons Jungenstimme zu vernehmen. »Geben Sie auf! Denken Sie an Christin.«

An sie dachte er. An nichts sonst. Aber wie konnte er ihr ersparen, vor einem Peloton zu sterben?

Der Lieutenant wagte sich vor, hockte sich auf die Knie und hob die Hände. »Ich bin nicht bewaffnet, Concho. Lassen Sie mich zu Ihnen hinüber kommen. Ich will nur mit Ihnen reden.«

»Bleiben Sie, wo Sie sind, Wallison!«, rief Captain Concho und hob den Revolver.

»Das ist doch verrückt, Concho! Hinter mir befinden sich fünfhundert Männer auf dem Zug. Die machen Sie fertig.«

Concho spürte plötzlich Christins Hände auf der Schulter. Sie war hinter ihn getreten und krallte ihm nun die Finger in die Jacke.

»O mein Gott!«, stöhnte sie. »Erschießen wir uns.«

Captain Concho drehte sich erschrocken um. Sie trug vorn im Rock einen großen Revolver.

Er wollte ihn ihr wegnehmen und vom Zug werfen.

»Keine Angst!«, sagte sie. »Ich tue es nur mit dir gemeinsam.«

»Ja, Christin!«, rief der junge Offizier. »Bringen Sie ihn zur Vernunft.«

»Verschwinden Sie da oben!«, erwiderte Captain Concho.

»Wir stürmen den Wagen, Concho!«, rief Wallison und zog sich zurück.

Concho schaute nach vorn, und da sah er die lange Holzbrücke und darunter den Fluss. Breit war er. Aber war er auch tief genug?

Mit rasender Geschwindigkeit fuhren die beiden Lokomotiven auf die Brücke zu.

»Kannst du schwimmen?«

»Ja!« Christin drehte sich um und blickte in seine Richtung. »O mein Gott!«

Du must nur weit genug springen, damit du über die Brückenkonstruktion, gelangst. Dann mach die Augen zu.«

Der Atem stockte ihm, und er schloss einen Moment die Augen. Was riet er ihr da!

»Ergebt euch!«

Captain Concho ruckte herum und stieß Christin hinter sich.

Neben- und hintereinander standen da zehn Yankees breitbeinig und mit angelegten Karabinern auf dem Waggondach.

Feuernd zog sich Captain Concho mit Christin zwischen die Kisten zurück.

Auch die Yankees schossen. Links und rechts fetzten die Kugeln in die Kisten. Doch wer einmal geschossen hatte, zog sich fluchtartig zurück.

Es dröhnte unter dem Waggon. Sie fuhren bereits über die Brücke.

Captain Concho schaute hinunter. Sandbänke ragten bis weit in die Flussmitte.

Er griff nach Christins Hand und trat zwischen zwei großen Kisten, die ihnen zu den Seiten hin Deckung boten, an den Rand des Tafelwagens.

Ein entschlossener Zug kerbte sich um Christins Mundwinkel.

»Spring – wenn ich es sage!«, zischte Concho.

Die hübsche Frau schloss für einen Moment die Augen und nickte. Leichenblass war sie.

Captain Concho starrte auf den Fluss.

Ihr Waggon befand sich auf der Brückenmitte, und dort unten musste tiefes Wasser sein.

Er schob den Colt ins Leder, griff nach Christins Hand und hielt mit der anderen die so wichtigen Satteltaschen fest.

»Sieh zu, dass du mit den Beinen zuerst eintauchst«, sagte er und zog sie zwei Schritte zurück.

»Anlauf und – jetzt!«, rief er.

Hand in Hand rannten sie nach vorn und sprangen vom Zug.

Weit genug!

Zehn, zwanzig – dreißig … mehr als hundert Fuß tief fielen sie seiner Meinung nach hinab. Rasend stürzten sie auf das Wasser zu, aber es dauerte trotzdem eine Ewigkeit, wie es ihm schien, bis sie eintauchten.

Als er ins Wasser prallte, spürte er einen ziehenden Schmerz im Leib, und das Wasser drang ihm durch die Nase bis in den Schädel, wie er meinte.

Christins Hand war plötzlich weg.

Unendlich tief hinab schoss er, und da berührte er auch schon den Grund, doch weich und federnd, und er spürte, wie er vom Auftrieb emporgetragen wurde.

Prustend kam er an die Oberfläche und stellte zuerst fest, dass er die Satteltasche festumklammert auf der Schulter hielt.

Wo war Christin?

Wasser tretend drehte er sich. Sein Blick fiel auf den Brückenpfeiler und zuckte daran empor.

Das Ende des Zuges donnerte da über ihm vorüber, und er sah die vielen Gesichter, die zu ihm herabblickten. Der Schlusswagen, die Rangierlokomotive – vorbei.

»Sam!«

Er strampelte mit den Beinen und ruderte kräftig mit der Rechten. Da sah er Christin vor sich. Pudelnass das schwarze Haar. Aber sie lächelte glücklich und außer sich vor Freude, dass sie beide den Sprung überlebt hatten.

Sie spie einen Strahl Wasser in die Luft und schwamm auf ihn zu. Gegen die Strömung. Er schwamm ihr entgegen. Sie umarmten sich, ließen sich aber sofort wieder los, weil sie untertauchten.

Japsend und prustend kamen sie beide wieder hoch.

»Hast du dir wehgetan?«, wollte sie wissen.

»Nein! Du?«

Sie schüttelte den Kopf und schwamm wieder kräftig, als schien ihr das Baden Vergnügen zu bereiten.

»Aber meine Schuhe sind weg!«, rief sie.

Captain Concho sah sich nach dem Zug um. Die Rangierlokomotive hatte hinter der Brücke gehalten und stieß gehende Signale aus. Der Zug aber, auf dem sich Major Bishop befand, donnerte weiter durch das Tal.

Seite an Seite schwammen sie zum Ufer. Weit davor noch gerieten sie in flaches Wasser. Sie richteten sich auf und nahmen sich bei den Händen, wateten ans Ufer und pressten sich dort das Wasser aus den Sachen.

– Sie lachten froh und glücklich, weil sie gerettet waren, und küssten sich.

»Wo sind wir hier eigentlich?«, fragte sie. »Ist das der Pamunkey River?«

»Glaube ich nicht! Ein Nebenfluss vielleicht.«

Sie schauten zur Brücke. Die Rangierlok stand da immer noch. Inzwischen hatte auch der Zug gehalten. Meilen von ihnen entfernt.

»Komm, verkrümeln wir uns! «, sagte Captain Concho. »Die Yankees haben auf dem Zug genügend Pferde.«

»Meinst du, dass sie uns einholen können?«, fragte Christin ängstlich.

Er betrachtete ihr hübsches Madonnengesicht, die braunen Augen und

die so sinnlich geschwungenen Lippen. Sie war eine grazile Frau, rank und schlank, aber mit großen festen Brüsten.

Er küsste sie. »In einer Stunde ist es dunkel. Stockdunkel.«

»Ohne Schuhe kann ich aber nicht weit laufen«, sagte sie lächelnd.

»Ich werde mir erlauben, Sie zu tragen, Lady!«

Sie fiel ihm um den Hals. »O mein Gott, Sam! Ich bin ja so froh. Auf dem Zug war ich fest davon überzeugt, dass wir sterben werden.«

Sie herzten und küssten sich und hielten sich fest in den Armen. Nass wie ertränkte Ratten waren sie beide.

Hand in Hand entfernten sie sich dann vom Ufer, die Blicke auf den Zug da drüben gerichtet.

»Sie werden Pferde ausladen«, sagte Christin besorgt.

Captain Concho erhoffte, ja erflehte es. Denn wenn der Major mit dem Zug weiterfuhr, war er vor ihm in Atlee’s Station und gewiss auch in Richmond und konnte alle seine Spione und Agenten rechtzeitig warnen.

»Wir werden uns auch Pferde und Schuhe für dich beschaffen«, sagte er. »Wir sind hier schließlich in Virginia, und die da drüben sind der Feind.«

Die Dämmerung brach herein.

Captain Concho sah sich nach einem Gehöft um.

(wb)