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Todesfrist

Andreas Gruber
Todesfrist

Thriller, Hardcover, Goldmann, München, März 2013, 414 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 9783442478668

www.agruber.com

Sabine Nemez schiebt Dienst beim Münchener Kriminaldauerdienst (KDD) und träumt von einer Karriere als Fallanalytikerin beim BKA in Wiesbaden. Der Traum wird jäh unterbrochen, als ihr Vater sich meldet und Sabine erzählt, dass ihre Mutter, seine Ex-Frau, entführt wurde und der Kidnapper ihm 48 Stunden Zeit gegeben hat, um herauszufinden, weshalb sie entführt worden ist. Als sich Sabines Vater bei ihr meldet, ist die Frist bereits verstrichen und wenig später wird tatsächlich im Münchener Dom eine Frauenleiche entdeckt, bei der es sich um Sabines Mutter handelt. Offenbar ist sie qualvoll an Tinte erstickt. Sabine wird von dem Fall abgezogen, ist aber trotzdem fest entschlossen, den Täter zu entlarven. Weil Politiker und Vertreter der Kirche Druck ausüben, wird Marten S. Sneijder zu dem Fall hinzugezogen, einer der besten Profiler des BKA. Der entpuppt sich als sehr schwieriger und exzentrischer Zeitgenosse, der am liebsten allein arbeitet und die anderen Polizeibeamten bestenfalls als Laufburschen akzeptiert. Erst als Sabine herausfindet, dass es noch mehr toten Frauen in Deutschland gibt, die nach einem ähnlichen Schema entführt und ermordet wurden und die Taten sich offenbar an einem alten Kinderbuch orientieren, bezieht er Sabine offiziell in die Ermittlungen mit ein. Und dabei geht es um jede Sekunde, denn der unheimliche Serienkiller hat bereits das nächste Opfer in seiner Gewalt …

Todesfrist ist Grubers zweiter Roman, der bei Club Bertelsmann/Goldmann erschienen ist und sein zweiter Solo-Thriller, das heißt, die Ermittler haben bisher noch in keinem Roman des Autors mitgewirkt. Wie immer überrascht Andreas Gruber mit originellen Ideen und einem raffinierten Plot, für den er gewissenhaft recherchiert hat. Die Morde nach den Motiven eines Kinderbuchklassikers wurden vom Autor sehr plastisch und schaurig umgesetzt, sodass es einem kalt den Rücken herunterläuft. Doch Gruber hat nicht nur ein Händchen für unheimliche Settings und brutale Morde, sondern auch für glaubwürdige und vielschichtige Charaktere. Sabine Nemez ist eindeutig die Identifikationsfigur des Romans, dicht gefolgt von der Psychotherapeutin Helen Berger, die gegen ihren Willen in das perfide Spiel des Mörders mit hineingezogen wird. Am Interessantesten aber ist mit Sicherheit Marten S. Sneijder, ein unsympathischer Kotzbrocken mit schlechten Manieren und noch schlechteren Angewohnheiten. Tatsächlich erinnert er in seiner Genialität und seinem Gebaren ein wenig an Sherlock Holmes wie Sir Arthur Conan Doyle ihn häufig darstellte. Auch Sneijder hält sich ungern mit überflüssigen Nebensächlichkeiten auf, raucht Marihuana und scheint einzig und allein für seinen Beruf zu leben. Trotzdem verbirgt sich in seinem Inneren ein weicher Kern, den er jedoch äußerst gut verborgen hat. Der Authentizität des Buches zuträglich ist außerdem der Verzicht auf eine konstruierte Liebesgeschichte. Sehr viel Sorgfalt hat Gruber bei der Beschreibung der Psychotherapie walten lassen, die im Laufe des Romans eine wichtige Rolle spielt. Bei Todesfrist geht es weniger um die Identität des Killers, als vielmehr um seine Motivation. Für den Klappentext hat kein Geringerer als Sebastian Fitzek ein paar wohlwollende Worte gefunden. Tatsächlich dürften die Leser von Fitzeks Romanen auch an Grubers Werken Gefallen finden, und umgekehrt natürlich ebenso. Immerhin dringt auch der Schriftsteller des vorliegenden Werkes tief in die Abgründe der menschlichen Psyche vor. Grubers Schreibstil ist minimalistisch und packend und auch das Lektorat hat hervorragende Arbeit geleistet. Thriller-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten.

Die Taschenbuchausgabe des Goldmann-Verlags ist ein einziger Blickfang. Die blutverschmierte Schere hat nicht nur einen direkten Bezug zum Inhalt, sondern sticht geradezu ins Auge.

Fazit:
Ein unheimlicher, packender Thriller jenseits gängiger Klischees mit einem raffinierten Plot, interessanten Charakteren und überraschenden Wendungen.

(fh)

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