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Jimmy Spider – Folge 17

Jimmy Spider und die Zeitreise – Teil 1 einer Doppelfolge

Nur weil der Laden, in dem ich mich befand, den klangvollen Namen San José City Shopping Center trug, hieß das noch lange nicht, dass ich mich auch wirklich in San José aufhielt. Vielmehr lag das Gebäude in einem ziemlich namenlosen Vorort derselben Stadt.

Der Grund für meinen Trip in die USA war recht simpel: In der Sanitäranlagen- und Kühlgeräte-Abteilung waren in den letzten zwei Wochen auf mysteriöse Weise zwölf Menschen verschwunden, zuletzt sogar ein Kaufhaus-Detektiv. Ob sie nun jemand mit mörderischer Absicht die Toilette herunter gespült hatte oder sie sich ob des wenig zum Kauf einladenden Zustandes vieler Anlagen einfach in Luft aufgelöst hatten, ließ sich auf die Schnelle leider nicht herausfinden.

Ehrlich gesagt war das wieder einmal so ein Fall, bei dem ich mehr oder weniger abwarten musste, bis irgendetwas Haarsträubendes geschah oder noch ein Mensch vor meinen Augen verschwand.

Zunächst aber wartete ich auf einen Anruf meines Chefs, der mich über die Folgen meines letzten Falles informieren wollte. Schließlich hatte es Raymond Sterling geschafft, die Kronjuwelen, einen der größten Schätze Englands, zu stehlen.

Mir war dabei natürlich kein Vorwurf gemacht worden, schließlich hatte ich ja nicht ahnen können, dass zwei Drittel des Wachpersonals zum Feind übergelaufen waren. Trotzdem stand die TCA – zumindest bei den Leuten, die von der Aktion wussten – in keinem wirklich guten Licht da.

Einen Vorteil hatte ich beim Warten allerdings: Die Kühle, die die Abteilung, in der ich mich befand, mit sich brachte, schützte mich vor den feurigen Strahlen der glühenden Sonne, die außerhalb des Kaufhauses wüteten.

Mein Handy klingelte. Ich zog es sofort aus der Jackentasche und nahm das Gespräch an. »Chef?«

»Nein, hier ist der Pizza-Service.« Der hatte aber merkwürdigerweise die Stimme meines Chefs.

»Haben Sie den Beruf gewechselt, Chef?«

»Sehr witzig. Wie dem auch sei, ich hatte gerade eine Sitzung mit dem Direktor des MI-7. Wir haben abgeklärt, dass alles so bleibt, wie es ist.«

»Das hätte ich mir auch selbst sagen können.« Ich verdrehte symbolisch die Augen. Diese Bürokraten (das MI-7 war übrigens die noch geheimere Variante des MI-5) hatten sicher Stunden für diese waghalsige Entscheidung gebraucht.

»Glauben Sie mir, mir hat die Sitzung auch keinen Spaß gemacht, aber irgendwie musste ich die Sache ja, sagen wir mal, kleinreden. Jedenfalls werden wir der Öffentlichkeit und den anderen Behörden und Geheimdiensten weiterhin weismachen, dass die echten Kronjuwelen noch immer im Tower liegen, während wir im Stillen nach Sterling und seinem Helfer suchen. Ich denke, das wird auch in ihrem Sinne liegen. Ich …«

Aus dem Hintergrund erklang eine sonore Stimme. »Häppchen, Sir?«

Mein Chef zischte einen leisen Fluch in den Hörer. »Gleich, Emerson. Lassen sie mich wenigstens noch zu Ende telefonieren.« Er räusperte sich. »Entschuldigen Sie, Mr. Spider, aber Sie wissen ja …«

»Nur zu gut.« Ich lächelte schmal.

»Also dann, machen Sie Ihren Job zu Ende. Es gibt sicher noch wichtigere Fälle als in Kühlschränken nach Vermissten zu suchen.«

Damit war das Gespräch beendet.

Viel weiter gebracht hatte mich die Unterredung leider nicht. Von Sterling und seinem Partner würden sich sehr wahrscheinlich keine Spuren finden lassen. Da musste ich schon warten, bis ich ihnen bei Gelegenheit wieder über den Weg liefe.

Allerdings hatte mich der Chef auf eine Idee gebracht: Ich könnte ja mal in einem der Kühlschränke nachsehen, ob sich dort nicht auch ein erfrischendes Getränk oder ein eiskalter Snack versteckt hielt.

Die erste Kühlschranktür, die ich öffnete, gehörte zu einem eher kleinen Modell, dass sicher auch ein schönes Bild in meiner Wohnung abgegeben hätte. Aber statt dass mich noch ein übereifriger Zollbeamter wegen Kühlschrankschmuggels verhaften würde und es zu verqueren diplomatischen Verwicklungen käme, ließ ich meinen Gedanken fallen und konzentrierte mich stattdessen auf das Innenleben des Geräts. Leer.

Ich ging zum nächsten Kühlschrank. Diesmal ein etwas Größerer, doch auch der enthielt nichts Essbares, sah man einmal von einer schockgefrorenen Kakerlake ab.

Ich suchte weitere Geräte ab – vergeblich. Schließlich begab ich mich in den hintersten Winkel der Abteilung, wo sich ein etwas betagteres Modell aus Holz befand. Die schwarze Farbe darauf blätterte schon leicht ab. Ich wunderte mich, warum so ein Uralt-Kühlschrank (ich erinnerte mich, meinen Stiefvater so etwas einmal als Ahnherr der Kühlschränke bezeichnen gehört zu haben) einfach so im Verkaufsraum und nicht irgendwo in einem Museum stand.

Ich strich über das alte Holz. Entgegen der üblichen Kühlschrankmaterialien fühlte es sich recht warm an. Mich beschlich ein unangenehmes Gefühl. Sollte dieses Gerät für das Verschwinden der zwölf Menschen verantwortlich sein? In meiner Karriere bei der TCA hatte ich schon viel erlebt – wahnsinnige Superverbrecher, Thunfisch-Frauen, Kuschelmonster, um nur einige zu nennen, aber ein mordender Kühlschrank war mir noch nie untergekommen. Aber es gab für alles ein erstes Mal.

Ohne weiter in Erinnerungen zu schwelgen, schloss sich meine Hand um den Griff des angeblichen Kühlgerätes. Ich atmete noch einmal tief durch, dann öffnete ich den …

Ich bekam keine Chance, den Gedanken zu Ende zu führen. Etwas strahlte mir aus dem Inneren entgegen, riss an mir und zog mich fort. Mein Bewusstsein legte eine Mittagspause ein.

***

Etwas nagte an mir. Rüttelte an meiner Hose. Biss mich dahin, wo es besonders weh tun konnte.

Ich schlug die Augen auf, um sie sofort wieder zu schließen. Das konnte doch nicht wahr sein.

Noch einmal holte ich tief Luft, sammelte mich und öffnete erneut die Augen.

Ich sah einen strahlend blauen Himmel, ein paar Vögel, die weit über mir ihre Kreise zogen und – ein Pferd, das nach meinem besten Stück zu beißen schien.

»Böses Pferd. Husch, weg mit dir!«

Meine Aufforderung wirkte tatsächlich. Das Tier wieherte kurz und trottete dann davon.

Aus dem Hintergrund erklang eine fremde Stimme. »Bernhard, was machst Du da? Hast Du schon wieder eine Leiche angeknabbert?«

Bernhard? Wer zum Henker nennt sein Pferd denn Bernhard? War ich etwa in ein Irrenhaus teleportiert worden? Dagegen sprach zumindest, dass ich unter freiem Himmel lag.

»He, Sie sind ja gar nicht tot.«

Jemand beugte sich über mich. Ein älterer, dünner Mann mit einem Schnauzer und einem Spitzbart. Er trug eine Art Hemd, einen altertümlichen Mantel und einen Cowboyhut. Moment, ein Cowboyhut? Mir schwante Böses.

»Brillant kombiniert, Holmes. Würden Sie mir vielleicht beim Aufstehen helfen?

Der Mann kratzte sich kurz am Kopf, bis er mir schließlich beide Arme entgegen streckte. »Ich heiße zwar nicht Holmes, aber helfen – kein Problem.«

Ich gab ein leises Stöhnen von mir, als ich mich endlich aufrichtete.

Meine ersten Blicke galten der Umgebung. Sie erfüllte meine Erwartungen, wenn auch nicht gerade im positiven Sinne. Ich sah hölzerne Gebäude, einige mit großer Aufschrift. Bank oder Saloon, um nur zwei zu nennen.

Aus leidvoller Jugenderfahrung – mein leiblicher Vater hatte einen sehr eingeschränkten Filmgeschmack – wusste ich, dass dies nur eines bedeuten konnte: Ich befand mich im Wilden Westen. Na großartig.

Ich sprach meinen Helfer darauf an. »Sagen Sie, guter Mann …«

»Jeffrey Tambol.«

»Okay, Mr. Tambol, mein Name ist Jimmy Spider. Können Sie mir sagen, wo ich mich befinde und welches Jahr wir haben?«

»Hm … haben Sie getrunken?«

»Ja, Wasser. Danke der Nachfrage.«

»Ach … sind Sie einer von denen?«

»Wie meinen Sie das?«

»Später. Nun, wie dem auch sei und wer auch immer Sie sein mögen: Wir schreiben das Jahr 1843, und Sie befinden sich gerade auf der Hauptstraße von Lightning Bay.«

»Haben Sie denn getrunken?«

Tambol sah mich nur entgeistert an.

»Ist das hier ein Vorort von San Jose?«

Der Cowboy begann zu lachen. »Komisch, dass jeder von ihnen hier die selbe Frage stellt.«

Ich hob nur verwundert die rechte Augenbraue.

»Also – nein, das ist kein Vorort von San Jose. Die große Stadt liegt gut 40 Meilen von hier entfernt.«

Wie schön. Nicht nur, dass ich offenbar eine Zeitreise hinter mir hatte, ich befand mich auch noch mitten in der Wildnis.

Was aber viel wichtiger war, war der Verbleib der zwölf Vermissten. Irgendwie ahnte ich, dass Tambol schon etwas in diese Richtung angedeutet hatte.

Aber der Mann kam mir zuvor. »Sind Sie einer der Zeitreisenden?«

»Ähm, ja. Ich denke schon. Ich bin wohl nicht der Erste, oder?«

»Nein, vor ihnen sind schon zwölf andere an genau derselben Stelle erschienen. Wissen Sie, ich bin in diesem Ort auch eine Art Hilfssheriff, und deshalb habe ich mich zum Teil auch um ihre Freunde gekümmert.«

Interessant. Die Vermissten hatten also genau denselben Weg genommen wie ich. Zwölf Menschen aus dem Jahr 2009 gestrandet im 19. Jahrhundert. Und ich war Nummer 13. Ein schlechtes Omen?

»Und wo befinden sich die Leute jetzt?«

Mein Begleiter senkte seinen Blick. Meine Frage schien ihn verstummt lassen zu haben.

»Habe ich etwas Falsches gesagt?«

Er antwortete, ohne mich wieder anzusehen. »Sie sollten gehen.«

»Ich gehe schon mein ganzes Leben lang. Nun ja, vielleicht nicht immer. Als ich geboren wurde vielleicht noch nicht, auch nicht im Schlaf, aber …«

»Verschwinden Sie!« Er hob seinen Kopf wieder und sah mich starr und mit verzogener Miene an. »Laufen Sie weg, wenn ihnen ihr Leben lieb ist. In diesem Ort sind Sie des Todes.«

Langsam wurde es merkwürdig. »Was meinen Sie damit? Warum sind Sie plötzlich so wütend?«

Tambol ballte seine Hände zu Fäusten und erhob sie drohend. »Ich bin nun mal von freundlicher Natur. Aber ich kann auch anders. Sie sollten gehen. Das ist kein Ort für Menschen wie Sie. Das mussten ihre Vorgänger schon erfahren.«

Eine Gänsehaut legte sich auf meinen Nacken. Ich ahnte Böses.

»Sie wissen nicht, was für ein Mensch ich bin. Die anderen Leute waren Zufallsopfer. Aber ich mache das aus beruflichen Gründen. Sie könnten mich auch als eine Art Sheriff oder Polizist sehen. Ich habe die Aufgabe, das Verschwinden der zwölf Leute, die wahrscheinlich in diesen … Zeittunnel geraten sind, aufzuklären. Und glauben Sie mir, ich habe in meinem Job täglich mit tödlichen Gefahren zu kämpfen.«

Tambol atmete tief durch, dann nickte er. »Also gut. Folgen Sie mir. Ich werde Ihnen alles zeigen.« Er wies auf ein Haus am Ende der Straße, dessen Fenster mit Brettern vernagelt waren. Dass Tambol mir da kein 5-Sterne-Hotel zeigen wollte, lag wohl auf der Hand.

Auf dem Weg erfuhr ich einige Einzelheiten von meinem Begleiter. »Sie müssen wissen, Mr. Spider, Lightning Bay war nicht immer so ein verlassen und verflucht wirkender Ort wie jetzt. Noch vor sechs Monaten florierten hier die Geschäfte, weil man in der Nähe Gold entdeckt hatte. Der Ort wurde förmlich von Arbeitern, Glücksrittern und reichen Geschäftsleuten überrannt.

Aber leider kamen mit den vielen neuen Bewohnern auch einige weniger nette Gesellen in diese Gegend. Seit gut zwei Monaten terrorisiert eine siebenköpfige Bande Lightning Bay und alle umliegenden Orte. Sie rauben die Goldschürfer aus, überfallen Geschäfte und Bewohner, und was das schlimmste ist – sie morden. Und das nicht etwa nur, um an Geld zu gelangen, sondern einfach aus purer Lust. Ich habe Berichte aus Stantonville – das liegt etwa sechs Meilen von hier entfernt – gehört, wonach sie dort an einem Tag vierzig Menschen getötet haben sollen. Vor drei Tagen haben sie dann auch bei uns zugeschlagen …«

Er wies auf das verlassen wirkende Haus, das wir mittlerweile erreicht hatten. Wirklich einladend wirkte es nicht auf mich, aber ich musste es betreten, um endlich Gewissheit zu erlangen.

Langsam ging ich auf die Holztür zu, die nur lose in den Angeln hing. Als ich den Griff fasste, hielt ich plötzlich die ganze Tür in der Hand. Da hatte jemand ganze Arbeit geleistet.

Im Inneren empfing mich ein Gestank, als hätte jemand einen gewaltigen Leichenschmaus veranstaltet und die Bescherung nicht weggeräumt. Und genauso sah es auch aus.

Mir stockte für einen Moment der Atem. Zwölf Leichen lagen auf dem Boden verteilt, und alle trugen Kleidung aus dem 21. Jahrhundert.

Ich trat näher an sie heran. Ein Polizist in San Jose hatte mir kurz Fotos der Vermissten gezeigt. Ich erkannte alle wieder. Der Kaufhausdetektiv hatte sogar noch sein Namensschild an der Jacke hängen.

Ich beugte mich zu ihm hinunter. Wie man mir mitgeteilt hatte, hatte der Mann auch eine Waffe bei sich getragen. Ich griff unter seine Jacke, fand auch das Holster, doch es war leer.

Sicher hatte einer aus der Gangster-Bande sich die Pistole unter den Nagel gerissen.

Noch einmal warf ich einen Blick auf die Toten, dann hatte ich genug von dem Anblick. Ich ging wieder hinaus.

Eigentlich war damit mein Job erfüllt. Ich hatte das Verschwinden der zwölf Menschen aufgeklärt, wenn auch nicht gerade zu deren Vorteil. Dennoch – so einfach wollte ich nicht wieder verschwinden. Ich konnte die Menschen in diesem Ort nicht einfach im Stich lassen.

Unter der strahlenden Sonne erwartete mich Jeffrey Tambol, der mir stumm zunickte. Ein kleiner Vogel flog am blauen Himmel seine Bahnen.

Schließlich fand er doch seine Sprache wieder. »Jetzt wissen Sie, warum ich Sie fortschicken wollte.«

Ich strich mir über meine Haare. »Aber im Gegensatz zu denen da drin kann ich mich wehren. Wo wir gerade dabei sind – haben Sie eigentlich schon mal versucht, etwas dagegen auszurichten?«

»Sicher. Der eigentliche Sheriff von Lightning Bay – Gott habe ihn selig …« Er schlug ein Kreuzzeichen. »… hatte sogar erwirkt, dass ein U.S. Marshal mit einer Truppe von zehn Nationalgardisten sich um die Bande kümmern sollte. Eines Tages ritt er in die Berge hinaus, um die Gangster zu stellen – und kam nie zurück. Seitdem gibt es kaum noch Hoffnung für uns.«

Das sah alles andere als gut aus. Diese Verbrecher mussten echte Profis und dabei auch gnadenlose Psychopathen sein. Ich dachte kurz an den Überfall auf das Starlight Inn in Manchester vor einigen Wochen. Auch da hatte ich gegen eine ganze Bande gnadenloser Räuber gekämpft. Allerdings hatte ich da auch Rückendeckung von Tanja Berner und einem Koch. Wie es hier aussah, wusste ich noch nicht.

»Wie viele Menschen befinden sich eigentlich noch in Lightning Bay?«

»21, mich eingeschlossen. Die meisten davon verstecken sich im Saloon.«

»Hm.« Ich überlegte, was ich als Nächstes tun sollte. »Lassen Sie uns dorthin gehen. Und auf dem Weg erklären Sie mir alles, was Sie noch über diese Bande wissen.«

Er stimmte mir zu, und so machten wir uns auf den Weg.

»Eigentlich habe ich schon fast alles gesagt. Aber vielleicht helfen ihnen diese zwei Dinge noch weiter: Zum einen besteht die Bande aus sechs Männern und einer Frau, ihr Anführer heißt wohl Joseph oder so ähnlich. Zum anderen kündigen sich ihre Überfälle stets dadurch an, dass ein Falke für einige Zeit über dem Ort kreist.«

Ich wies mit einem Finger gen Himmel. »So einer wie der kleine Piepmatz, der die ganze Zeit über unseren Köpfen kreist?«

Tambol zuckte zusammen und schaute nach oben. »Genau so einer!« Nach kurzer Pause fügte er noch hinzu: »Oh mein Gott!«

***

Eine Fahne von Staub und Sand umwirbelte sie. Sieben Pferde, sieben Reiter, sieben gnadenlose Gangster, dazu entschlossen, den kleinen Ort vor ihren Augen endgültig zu entvölkern.

In ihrer Mitte befand sich ihr Anführer. Kein muskulöser Mann, aber jemand, der sich pfeilschnell bewegen konnte und mit seinen Waffen jeden aus dem Weg räumte, bevor derjenige überhaupt den Gedanken fassen konnte, sich zu wehren.

Seine Augen blickten in eine Ferne, die kein anderer Mensch überhaupt fassen konnte. Irgendwo am Horizont schien sich der Blick zu verlieren. Aber er sah etwas ganz anderes. Zwei Männer. Der Hilfssheriff und ein Neuankömmling. Ein Mann aus der Zukunft.

Seine Augen verengten sich, wurden zu Schlitzen. Dabei veränderten sich seine Pupillen. Aus einem unauffälligen Braun wurde langsam ein strahlendes Gelb. Seine runde Iris wuchs und wuchs, bis sie schließlich die gesamte Breite des Auges einnahm. Nur am Rand strahlte noch etwas gelbe Farbe hindurch. Seine Augen hatten sich verwandelt.

In die Augen eines Falken …

***

Endlich befand ich mich im Saloon. Sechzehn angsterfüllte, aber auch misstrauische Augenpaare schienen mich mit ihren Blicken durchlöchern zu wollen.

Sechszehn Menschen, von denen ich keine Hilfe erwarten konnte.

So stand ich allein gegen sieben gnadenlose Verbrecher …

***

Zur gleichen Zeit, ganz in der Nähe, öffnete sich erneut das Zeittor. Ein Mann trat heraus. Er trug einen schwarzen Anzug, eine schwarze Krawatte und einen schwarzen Hut. Sein Gesicht bedeckte ein brauner Vollbart.

Beide Hände umschlossen großkalibrige Pistolen.

Und er kannte nur ein Ziel: den Tod von Jimmy Spider …

***

Eine Staubfahne wehte hinter den sieben Gäulen her, die mit hoher Geschwindigkeit den Hang hinunter, dem Ort entgegen ritten. Die gnadenlosen Sieben waren wieder unterwegs …

Copyright © 2009 by Raphael Marques