Deutsche Märchen und Sagen 70
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
75. Die Bergmännchen im Oberbieberstollen
Martin Lichy befand sich eines Sonntags bei Anbruch der Nacht in dem Oberbieberstollen und sah allda ein Männchen so groß wie ein Kind von acht bis zehn Jahren. Es trug ein ledernes Kleid, einen breiten Hut und hatte große funkelnde Augen. Lichy erschrak nicht wenig und warf seinen Stock nach dem Männchen. Da verschwand es. Ein anderer war auf einen Sonntag in der Mine Mohren-Erbstollen und hörte da plötzlich stark arbeiten, aber als er nachsah, fand er niemand. Das erzählte er seinen Gesellen, doch die lachten ihn aus. Da nahm er ein Weiterlesen
Im Zauberbann des Harzgebirges – Teil 29
Im Zauberbann des Harzgebirges
Sagen und Geschichten, gesammelt von Marie Kutschmann
Das kleine Clausthal
Vor langen Jahren hatte neben dem jetzigen Clausthal ein Städtchen gelegen, welches sehr reich war und das kleine Clausthal genannt wurde. Aber je mehr der Wohlstand der Einwohner wuchs, umso gottloser wurden sie, und der liebe Gott mochte ihre Schlechtigkeit nicht länger ungestraft lassen. Deshalb bereitete er der Stadt mit allen ihren Bewohnern den Untergang. Ein Tal bezeichnet den Ort, wo das ruchlose Städtchen gelegen hatte. Dasselbe wird danach noch heute das kleine Clausthal genannt. Wo die Kirche gewesen war, ist nun ein Teich, aus welchem am Karfreitag um Mitternacht das versunkene Gotteshaus emportaucht. Um dieselbe Zeit jagt ein Reh Weiterlesen
Eine Räuberfamilie – Zweites Kapitel
Emilie Heinrichs
Eine Räuberfamilie
Erzählung der Neuzeit nach wahren Tatsachen
Verlag von A. Sacco Nachfolger, Berlin, 1867
Zweites Kapitel
Der deutsche Zauberer
Während dieser Zeit saß Leonardi oder Leonhardt, wie sein deutscher Name war, in seinem prächtigen Zimmer und starrte unverwandt, als hätte er irgendeine Vision, zur Decke empor.
Sein Diener, der treue, riesige Georg, den man in seiner deutschen Heimat stets Schorse genannt hatte, stand an Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 69
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
74. Das schwarze Männchen
Im Schweizerland wohnte ein gelehrter Chemikus.
Zu dem kam einmal ein Bauer und sprach: »Herr, hört, ich habe Euch etwas ins Ohr zu sagen. Als ich neulich auf dem Berg ein bisschen spazieren ging, sah ich am Fuß desselben ein schwarzes Männchen, welches grub, nun einmal verschwand und gleich drauf wieder da war und arbeitete. Da stieg ich nieder, um das fremde Ding näher zu beschauen, aber ich fand auch nicht einen Fußtritt, dagegen auf der Stelle, wo das Männlein gegraben hatte, Weiterlesen
Im Zauberbann des Harzgebirges – Teil 28
Im Zauberbann des Harzgebirges
Sagen und Geschichten, gesammelt von Marie Kutschmann
Vom Zwergkönig Hübich – Teil III
Einstmals ging eine arme Bergmannsfrau aus Grund in den Wald, um Tannenäpfel zu suchen. Traurig schritt sie ihres Weges. Sie war sehr unglücklich, denn schon wochenlang lag ihr Mann krank danieder und konnte nicht arbeiten. Ihr selbst war es bei größtem Fleiß nicht möglich, genug für sich und ihre zahlreiche Familie zu verdienen. Oft gingen die Eltern und ihre armen Kleinen hungrig schlafen.
An diesem Tag wollte die fleißige Frau nun versuchen, recht viele Tannenäpfel zu finden, denn der Bäcker hatte ihr dafür Brot zu geben versprochen. So durchschritt sie eilends den Wald, als plötzlich Hübich vor ihr stand und die Weiterlesen
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