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Horror/Grusel

Meister

Die warmen Strahlen der aufgehenden Sonne tauchten das Zimmer in einen hellen, goldgelben Schein. Der Himmel leuchtete in einem kräftigen Pink, durchsetzt von orangen, purpurnen und rötlichen Streifen, welche selbst den flüchtenden Wolken einen farbenprächtigen Rahmen verliehen, der sie dreidimensional erscheinen ließ und so deutlich vom Firmament abhob. Die ersten Vögel trillerten zart und vielstimmig ihre Melodien. Flüsternder Wind zog am Fenster vorbei, ließ Äste und Blätter beben, Blumen und Gräser wiegten sich in seinem Takt.

Er seufzte. Noch im Halbschlaf drehte er sich zur Seite, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Seine Handflächen strichen sachte über den nackten Leib, die geschwungenen Rundungen, welche sich ihm darboten. Ihr Duft hing in der Luft, warum und verlangend war er. Eng drängte Weiterlesen →

Werwolf

Dunkelgraue Wolkenfetzen zogen ihre Bahn über das tiefblaue Firmament. Der leuchtende Kreis des Mondes hüllte alles in seinen weiß-gelblichen Glanz, gab den Wolken einen überirdisch schimmernden Rahmen. Die vereinzelten Reste bläulichen Schnees schillerten silbern, als wären sie mit Glitzerstaub überzogen. Sachter Wind trieb dahin, summte sein klagendes Lied. Sanft zupfte er an seiner Kleidung, so, als wolle er ihn verführen, einen anderen Weg einzuschlagen.

Er hatte den breitkrempigen Hut tief in die Stirn gezogen, den Kragen seines Mantels aufgestellt, ging mit gesenktem Kopf und weit ausholenden Schritten dahin. Sein Atem eilte in kleinen, rauchgrauen Wölkchen an ihm vorbei. Die Kälte brannte auf seiner Haut, doch er Weiterlesen →

Der See

Ich stehe hier, am Ufer dieses kleinen Sees, dessen Wasser so kristallklar, so hell ist, dass ich den silbernen Streif an den Rückenflossen der winzigen Fischchen sehen kann, welche reglos verharren, nur um dann rasch und ruhelos wieder ihre Bahnen zu ziehen. Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne überziehen meinen nackten Körper für einen kurzen Augenblick mit einem leuchtenden goldfarbenen Ton. Wenige Sekunden lang schließe ich meine Augen und bilde mir ein, ihre Wärme auf meinen geröteten Lidern zu spüren. Ein leichtes Brennen stört meine Ruhe, die sensible Haut um meine Augen ist noch wund von den vielen, vielen Tränen. Ich musste weinen, ich wollte es nicht, und doch, ich musste es tun, als ich die Augen sah, den kleinen, glänzenden Funken darin verglimmen.
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Die Puppenmacher

Herzlich willkommen, ich grüße Sie. Sitzen Sie bequem? Sie sollten sich besser hinsetzen, glauben Sie mir. Heute sind wir wohl nur zu dritt? Hm, nun ja – Sie sind sicher auch hier, um meine Geschichte zu hören, nicht wahr? Natürlich sind Sie das, ich kann die Sensationsgier in Ihren Augen sehen, das Zittern Ihrer Hände, fühlen Sie schon, wie sich die kleinen Härchen in Ihrem Nacken aufstellen? Verzeihen Sie, wenn ich lache, aber wenn Sie sich jetzt sehen könnten, Ihre angespannte, erwartungsvolle Haltung, dann würden Sie ebenso darüber lachen, glauben Sie mir. Wie dem auch sei, Sie haben gutes Geld bezahlt, um hier zu sein und ich möchte Sie nicht enttäuschen. Machen Sie sich so oder so auf eine neue Erfahrung gefasst!

Wie bitte? Natürlich muss die schummrige Beleuchtung sein! Das schafft Atmosphäre, finden Weiterlesen →

Rote Augen

Rote Augen

Toktok, toktok.

»Milia, pschhhht. Hast du das gehört?«

Toktok, toktok.

»Nein Gerard, was meinst du?«

»Am Fenster, da war etwas eben. Ich gehe nachsehen.«

»Pass auf Gerard, du weißt, was man sich seit einigen Wochen erzählt und warum wir nach Einbruch der Dunkelheit das Haus nicht verlassen und es verriegeln sollen.«
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