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Horror/Grusel

Blutige Tränen

Wenn der Verstand versagt

Ich fragte mich, wo zum Teufel ich bin, als ich in einem Heuhaufen aufwachte. Eingesperrt in einem kleinen Stall, die Füße an einem Gitter angekettet, und meine Hände so eng zusammengeschnürt, dass ich sie nicht mehr spüren konnte. Mein Kopf schmerzte, als ich mich versuchte, mich aufzusetzen. Als ich an mir heruntersah, wurde mir speiübel. Ich war splitternackt, mein Bauch war voll blauer Flecken und das Heu unter mir war klebrig und feucht. Es roch nach Urin und Kot, wobei ich auch noch ein paar Blutflecke an den Stallwänden sehen konnte. War das etwa mein Blut? Nein, ich hatte keine offenen Wunden. Weiterlesen

Die Aktentasche

Mike ging wie gewöhnlich zur Arbeit. Er hatte zwar keinen Spaß an seiner Arbeit, aber er musste sie schließlich tun. Denn niemand nahm sie ihm ab. Im Grunde war es allen egal, ob die Arbeit nun gemacht wurde oder nicht. Wenn sie nicht gemacht wurde, musste man sie eben am nächsten Tag erledigen. Und da kannte niemand Gnade. Nicht einmal sein Chef, mit dem er sich eigentlich ganz gut verstand. Da war er gnadenlos. Ließ sich da nicht reinreden. Verfolgte verbissen seine Ziele. Und das war auch gut so. Mike hatte das schon immer an ihm bewundert. Diese Hartnäckigkeit wollte er auch haben. Aber er wusste, dass dies nie etwas werden würde, wenn er sich nicht um eine Beförderung bemühte.

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Kraft des Blutes

Eine Kurzgeschichte zum 4-jährigen Jubiläum des Geisterspiegels

Geschafft. Sie hatten es tatsächlich geschafft und waren der Hölle entkommen. War es wirklich wahr? Sie schauten sich ungläubig an und erschraken unisono bei ihrem Anblick.

»An euch ist aber nicht viel dran«, stellte Stronk fest.

»Guck dich selber an«, konterte Igor. »Nicht mal Haut, nur Knochen!«

»Das muss an der schlechten Küche in letzter Zeit gelegen haben. Ah, ein Steak käme jetzt genau richtig«, erwiderte Stronk.
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Meister

Die warmen Strahlen der aufgehenden Sonne tauchten das Zimmer in einen hellen, goldgelben Schein. Der Himmel leuchtete in einem kräftigen Pink, durchsetzt von orangen, purpurnen und rötlichen Streifen, welche selbst den flüchtenden Wolken einen farbenprächtigen Rahmen verliehen, der sie dreidimensional erscheinen ließ und so deutlich vom Firmament abhob. Die ersten Vögel trillerten zart und vielstimmig ihre Melodien. Flüsternder Wind zog am Fenster vorbei, ließ Äste und Blätter beben, Blumen und Gräser wiegten sich in seinem Takt.

Er seufzte. Noch im Halbschlaf drehte er sich zur Seite, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Seine Handflächen strichen sachte über den nackten Leib, die geschwungenen Rundungen, welche sich ihm darboten. Ihr Duft hing in der Luft, warum und verlangend war er. Eng drängte Weiterlesen

Werwolf

Dunkelgraue Wolkenfetzen zogen ihre Bahn über das tiefblaue Firmament. Der leuchtende Kreis des Mondes hüllte alles in seinen weiß-gelblichen Glanz, gab den Wolken einen überirdisch schimmernden Rahmen. Die vereinzelten Reste bläulichen Schnees schillerten silbern, als wären sie mit Glitzerstaub überzogen. Sachter Wind trieb dahin, summte sein klagendes Lied. Sanft zupfte er an seiner Kleidung, so, als wolle er ihn verführen, einen anderen Weg einzuschlagen.

Er hatte den breitkrempigen Hut tief in die Stirn gezogen, den Kragen seines Mantels aufgestellt, ging mit gesenktem Kopf und weit ausholenden Schritten dahin. Sein Atem eilte in kleinen, rauchgrauen Wölkchen an ihm vorbei. Die Kälte brannte auf seiner Haut, doch er Weiterlesen