Einbrecher aus Leidenschaft – Eine alte Flamme – Teil 1
I
Der Name des Platzes soll ungenannt bleiben; doch wenn man von Piccadilly aus genau nach Westen fährt, wird der Kutscher ihn schließlich auf der linken Seite finden – und er sollte einem für zwei Schilling dankbar sein. Es ist kein modischer Platz, aber es gibt wenige mit einem schöneren Garten, während die Ateliers auf der Südseite ihm eine ganz eigene Note verleihen. Die Häuser jedoch sind klein und düster – so ziemlich die letzten, die einen erfahrenen Einbrecher auf der Suche nach fetter Beute anlocken würden. Der Himmel weiß, dass ich Raffles an jenem unglückseligen Abend gegen Ende derselben Saison ohne jeden Hintergedanken dorthin schob, als Dr. Theobald endlich auf den Krankenfahrstuhl bestanden hatte, was ich von Anfang an vorausgesehen hatte. In dem besagten grünen Garten rauschten die Bäume, und die kühlen, glatten Rasenflächen sahen so einladend aus, dass ich mich fragte, ob sich nicht ein wohltätiger Anwohner erweichen ließe, uns den Schlüssel zu leihen. Doch Raffles wollte von dem Vorschlag nichts wissen, als ich anhielt, um ihn umzusetzen. Und was noch schlimmer war: Ich ertappte ihn dabei, wie er stattdessen wehmütig die kleinen Häuser betrachtete.
Einbrecher aus Leidenschaft – Einen Dieb fangen III
III
Raffles stand über mir, als ich wieder zu Bewusstsein kam. Ich lag auf dem Bett ausgestreckt, über das dieser Ganove Belville seinen fürchterlichen Schlag geführt hatte. Der Koffer lag auf dem Boden, aber sein niederträchtiger Besitzer war verschwunden.
»Ist er weg?«, war meine erste schwache Frage.
»Gott sei Dank du jedenfalls nicht!«, antwortete Raffles mit etwas, das mir damals als reine Leichtfertigkeit erschien. Ich schaffte es, mich auf einen Ellbogen zu stützen.
»Ich meinte Lord Ernest Belville«, sagte ich mit Würde. »Bist du ganz sicher, dass er über alle Berge ist?«
Raffles winkte mit der Hand in Richtung des Fensters, das weit offen zu den Sommersternen stand.
Einbrecher aus Leidenschaft – Einen Dieb fangen II
II
Die King John’s Mansions sind bekanntlich der älteste, hässlichste und höchste Gebäudekomplex in ganz London. Sie wurden jedoch in einem großzügigeren Maßstab gebaut, als es danach zur Regel wurde, und mit weniger akribischer Rücksicht auf Raumersparnis. Wir wollten gerade in den geräumigen Innenhof einbiegen, als uns der Pförtner aufhielt, um eine andere Droschke herausfahren zu lassen.
Darin saß ein Mann mittleren Alters vom militärischen Typus, genau wie wir im Abendanzug. So viel sah ich, als seine Droschke unseren Bug kreuzte, weil ich gar nicht anders konnte; aber ich hätte dem Vorfall keine zweite Überlegung geschenkt, wäre da nicht seine außergewöhnliche Wirkung auf Raffles gewesen. In einem Augenblick war er draußen auf dem Bordstein, bezahlte den Kutscher, und im nächsten führte er mich auf die andere Straßenseite, weg von den Mansions.
»Wo um alles in der Welt gehst du hin?«, rief ich natürlicherweise aus.
Einbrecher aus Leidenschaft – Einen Dieb fangen I
I
Die feine Gesellschaft dürfte die Reihe dreister Raubüberfälle kaum vergessen haben, unter denen so viele ihrer Mitglieder im Laufe einer kurz zurückliegenden Saison der Reihe nach zu leiden hatten. Ein Raubzug folgte auf den nächsten in den elegantesten Häusern der Stadt, und innerhalb weniger Wochen war so manches erhabene Haupt seiner unschätzbar wertvollen Tiara beraubt worden. Der Herzog und die Herzogin von Dorchester verloren noch in der Nacht ihres fast ebenso historischen Kostümballs die Hälfte des transportablen Silbers aus ihrem historischen Bestand. Die Kenworthy-Diamanten wurden am helllichten Tag gestohlen, während im Erdgeschoss die Aufregung einer Wohltätigkeitsveranstaltung herrschte, und die Hochzeitsgeschenke an Lady May Paulton verschwanden genau in dem Moment, als die Außenluft von einem prismatischen Konfettiregen erfüllt war.
Es lag auf der Hand, dass dies kein Werk eines gewöhnlichen Diebes war, und vielleicht war es unvermeidlich, dass der Name Weiterlesen
Einbrecher aus Leidenschaft – Wer zuletzt lacht
E. W. Hornung
Einbrecher aus Leidenschaft
Wer zuletzt lacht
Wie ich schon an anderer Stelle zu bemerken Gelegenheit hatte, sind die Glanzstücke unserer Unternehmungen – vom rein kriminellen Standpunkt aus betrachtet – für die lauteren Zwecke dieser Aufzeichnungen am wenigsten zu gebrauchen. In einem Fachblatt (sofern einem solchen Bedürfnis abgeholfen werden könnte) würden sie von versierten Meistern des Brecheisens und des Dietrichsatzes vielleicht geschätzt werden; als Berichte über lückenlose, aber bedeutungslose Erfolge fände man sie jedoch auf Anhieb zu banal und zu technisch, ganz zu schweigen davon, dass sie obendrein unappetitlich und unrentabel wären. Die letzteren Schimpfwörter und noch schlimmere sind in der Tat bereits angewendet worden – wenn schon nicht auf Raffles und all seine Werke, so doch zumindest von mehr als einem wackeren Führen einer tugendhaften Feder auf meine Schriften über ihn. Ich brauche wohl kaum zu betonen, wie herzlich ich dieser wahrlich frommen Meinung widerspreche. Weit davon entfernt, auch nur ein einziges Wort davon einzuräumen, behaupte ich vielmehr, dass ich der Welt die eindringlichste Warnung erteile. Raffles war ein Genie, und selbst er konnte daraus kein Kapital schlagen! Raffles besaß Erfindungsgeist, Tatkraft, unvergleichliche Kühnheit und Weiterlesen


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