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Im Original Ludwig Bechstein

Deutsches Sagenbuch – 001

Ludwig Bechstein
Deutsches Sagenbuch
Leipzig, Verlag von Georg Wigand, 1853
1. Vom deutschen Rheinstrom

Heilige Wasser rinnen von den Bergen des Himmels – so singt es die Edda, das uralte Götterlied. So entspringt auch der Rhein, der heilige Strom des deutschen Vaterlandes, dem Gottesberg (St. Gotthard). Aus Eispalästen und dem Schoß der Alpen fließt er als Strom des Segens herab. Schon die Alten sagten über ihn: »Die Donau ist aller Wasser Frau, doch kann der Rhein mit Ehren ihr Mann sein.«

Die Urbewohner seiner Ufer hielten seine Flut für so wunderbar, dass sie ihm neugeborene Kinder übergaben, um deren eheliche Geburt zu prüfen. Rechtmäßige Abkömmlinge trug die Strömung sanft an das Ufer zurück; uneheliche Kinder jedoch zog er mit ungestümen Wellen und reißenden Wirbeln in die Tiefe – als zorniger Rächer und Richter über die Unreinheit. Andere Anwohner brachten dem heiligen Strom mit Pferden ihr Liebstes als Opfer dar.

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Adventskalender 2021 – 22. Türchen

Sankt Peter mit der Geige
Aus: Deutsches Märchenbuch. Herausgegeben von Ludwig Bechstein, Leipzig 1849

Als unser Herr einstmals mit St. Peter über Land ging, kamen sie an einen Bauplatz, wo ein Haufen Zimmerleute sich in der Schenke gütlich tat. Als St. Peter hörte, wie es da so munter zuging, gelüstete ihn, einzukehren und sagte das dem Herrn.
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Adventskalender 2021 – 20. Türchen

Die drei Nüsse
Aus: Deutsches Märchenbuch. Herausgegeben von Ludwig Bechstein, Leipzig 1849

Es war einmal ein Prinz, der war ein großer Jagdliebhaber. Obwohl seine Eltern ihm das Jagen streng verboten hatten, so ging er doch eines Tages wieder in den Wald. Hier verfolgte er anhal­tend einen Hirsch, bis dieser sich in ein großes schönes Haus flüchtete, das plötzlich vor dem überraschten Jäger stand, der aber auch in dieses Asyl dem Hirsch nachfolgte. Es war aber dieses Haus ein bezaubertes Schloss, und darinnen lebten drei schöne Prinzessinnen unter strenger Obhut ihrer Eltern, welche böse Zauberer waren.

Kaum war der Jüngling eingetreten, so fiel hinter ihm ein starkes Gattertor, und er sah sich Weiterlesen

Hexengeschichten – In optima forma

Ludwig Bechstein
Hexengeschichten
Halle, C. E. Pfeffer. 1854

In optima forma
Nach Aktenstücken im Großherzoglichen Amtsarchiv zu Kaltennordheim

Der Amtmann Samuel Ebert lächelte und tippte auf die längliche Schnupftabaksdose von graviertem Kupferblech, auf welcher sich in zierlichen Arabeskenradierungen nach Art der Goldschmiedegrillen hübsche Gruppen von Drachen, Vögeln und Fantasiegebilden befanden. Des Amtsmanns Gehilfe, der Amtsschreiber Jodocus Grauschmied hatte ein Protokoll vollendet. Die Personen, deren Anwesenheit dieses Protokoll hervorgerufen hatte, Weiterlesen

Hexengeschichten – Der kleine Gabelfahrer

Ludwig Bechstein
Hexengeschichten
Halle, C. E. Pfeffer. 1854

Der kleine Gabelfahrer
Nach Akten eines reichsfreiherrlichen Archivs in Franken

Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, das Jahr des Herrn 1627, des Heils ließe sich kaum sagen, denn zu jener Zeit war im lieben deutschen Vaterland eitel Unheil; einerseits der Krieg mit allen seinen Schrecknissen und blutigen Gräueln, andererseits die entsetzlichste Geistesverfinsterung, und namentlich in den Köpfen der Rechtsgelehrten, die zu allen Zeiten verstanden, aus Recht Unrecht und aus Sinn Unsinn herauszuklauben, wenn Weiterlesen