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Im Original C. L. Wucke

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 59

Der Räuberberg bei Krenzlin

Zwischen Bechlin und Krenzlin, aber auf Bechliner Grund und Boden liegt eine unbedeutende Anhöhe, der Räuberberg genannt, welcher, nach Feldmanns schon gele­gentlich erwähnten schriftlichen Aufzeichnungen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, auch der Hünenwall hieß. Von demselben geht folgende Sage.

Auf dem Berg lag, heißt es, ehedem in Gebüsch ver­steckt, ein Raubschloss, welches mit der gegenwärtig steinernen Brücke des Krenzliner Dammes durch einen Draht in Ver­bindung stand. Sobald nun ein Wagen die Brücke passierte, wurde durch diesen Draht eine Glocke im Schloss in Be­wegung Weiterlesen

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 58

Das Wahrzeichen von Bechlin

Noch heute steht auf dem Ostgiebel der Kirche von Bechlin ein sichelartiges Messer, Knief genannt, das bis zum Jahre 1795 zwischen den damaligen beiden kleinen Türmen hing, dann aber bei der Reparatur derselben abgenommen und später an seinem jetzigen Standort befestigt wurde. Von diesem Knief geht folgende Sage:
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Sagen der mittleren Werra 96

Von den goldenen Knotten am Ringelstein

Es war in der Adventszeit, wo, wie Sie wohl auch wissen, vordem die Gespenster gar keine Ruhe hielten, als eine arme Frau von hier zum Ringelstein ins Leseholz ging. Wie sie nun den Schlossberg erreicht hatte, sah sie vor sich auf dem Schnee einen großen Haufen Knotten, der in der Sonne wie eitel Gold schimmerte. Das kam der Frau gar wunderbar vor, und sie dachte gleich an die verwünschten Schätze im Schloss. Einen Augenblick überlegte sie nun, was zu tun sei, denn es war ihr doch ein bisschen grausig ums Herz, dann aber kniete sie nieder und raffte sich die Schürze voll. Doch als sie sich erhob und den Platz ver­lassen wollte, wurde sie einen großen schwarzen Hund mit feurigen Telleraugen gewahr. Darüber erschrak die arme Frau dermaßen, dass sie ihre Schürze los und die eingerafften Knotten fallen ließ.

Sie lief nun, so schnell sie nur konnte, den Berg hin­unter. Als sie nach Hause gekommen war, dankte sie dem lieben Gott für ihre Rettung, warf ihre Holzschuhe ab und entdeckte zu ihrer nicht geringen Freude einige blanke Gold­stücke in denselben. Eins derselben hat meine Ellermutter selbst gesehen, die damals noch lebte.  So erzählte der alte Eichel in Waldfisch. Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 95

Von der Schlüsselblume auf dem Ringelstein

Eines Tages sah der Förster von Waldfisch auf dem alten Schloss oben eine ungewöhnlich große und schöne Schlüsselblume blühen. Da dachte er bei sich: Die bringst du deiner Liebsten mit heim. Er knickte sie ab und steckte sie an den Hut. Da er sich wieder erhob, erschrak er nicht wenig, als er eine weiße Jungfrau von wunderbarer Schön­heit vor sich erblickte. Sie stand vor einer weit geöffneten, mit reichem Schnitzwerk verzierten Tür, die zu einem Gewölbe führte, von dem er zuvor nie etwas gesehen hatte. Der För­ster fasste sich ein Herz und folgte der freundlich winkenden Jungfrau in den Berg. Diese deutete nun auf einen großen Haufen, der wie eitel Gold schimmerte, und sagte zu dem er­staunten Förster: »Nimm so viel, wie du zu tragen vermagst.«

Er tat, wie ihm geheißen, und füllte sich die Taschen.

AIs er sich hierauf anschickte, den Keller zu verlassen, rief ihm die Jungfrau nach: »Förster, Förster! Du vergisst das Beste!«

Der aber hatte keine Zeit und suchte das Freie, und wie er nun durch die Tür sprang, schlug ihn die so heftig an die Ferse, dass er vor Schmerz laut aufschrie. Die Tür aber war verschwunden. Nun erst bemerkte der För­ster, dass er den Hut, den er in dem Weiterlesen

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 57

Die Kuhburg und die Räuberkuhle bei Neu-Ruppin

Auf der Feldmark der Kahlberge bei Neu-Ruppin, berichtet Feldmann, finden sich noch heute die Überreste eines alten Gemäuers, die Kuhburg oder auch wohl die Warte genannt, von welcher man weit in das Land hat hinaus sehen können, und welche im Jahre 1715 zum Bau des (damaligen) Neuen Rathauses abgebrochen wurde. Sie stand an der Landwehr und ist ehedem gegen die Streifereien der Nachbarn bei den einheimischen Kriegen zur Be­schirmung der auf dem Feld weidenden Herden gebraucht worden. Es hat auf ihr in unruhigen Zeiten immer je­mand lauern und die Ankunft der Feinde gleich durch ein Zeichen andeuten müssen.
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