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Im Original Johann Wilhelm Wolf

Deutsche Märchen und Sagen 7

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

7. Die schöne Königstochter in Garten

Eine arme Frau hatte drei Söhne, keinen Mann und auch nichts zu essen. Das tat ihr so weh, dass sie meinte, das Herz im Leibe müsste ihr vor lauter Jammer und Not zerspringen. Sie setzte sich hin und weinte bittere Tränen.

Als die drei Söhne das sahen, da tat es ihnen leid und der Älteste sprach zu seiner Mutter:

Moer geff my ‘ne koeck,
lapp my myn broeck,
ik zal uit reizen gaen.1

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Deutsche Märchen und Sagen 6

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

6. Klein Däumchen

Es war einmal eine blutarme Frau, die hatte nichts auf der Welt als ein klein Hüttchen, ein alt Tischchen, ein zerbrochen Stühlchen und ein Söhnchen, und das war so klein, so klein, dass es nicht größer war als ein Daumen. Darum hatte die Mutter es auch Klein Däumchen geheißen. Eines Tages wusste die arme Frau nicht, was sie kochen sollte, und da sprach sie in sich hinein: »Ach hätte ich doch ein Pfund Mehl, ich möchte mir so gerne einen Kuchen backen!« Das hatte Klein Däumchen gehört, denn es saß zufällig in der Schürzentasche seiner Mutter. Es Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 5

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

5. Jan der Dieb

Es war einmal eine blutarme Frau, die hatte nur einen Sohn namens Jan, aber der machte ihr nicht viel Freude, denn er war so langfingerig, dass er von allen, die ihn kannten, nicht anders geheißen wurde als Jan der Dieb. Die Frau hielt ihm häufig vor, dass er sein Leben ändern und sich bessern müsse, wolle er nicht zuletzt mit Seilers Tochter Hochzeit halten, aber das half alles nichts und Jan blieb stets der Alte. Der letzte und einzige Trost, der dem armen Weib blieb, war unser lieber Herrgott. Alle Tage sah man sie in der Kirche, wo sie um nichts anders Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 4

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

4. Das verratene Geheimnis

Es war einmal ein Schuhmachergeselle und ein Schneidergeselle. Der Erste hieß Peter und der hatte Geld und war reich. Der Zweite hieß Hans und hatte kein Geld und war arm. Die zwei trafen sich einmal in der Herberge.

Wie sie sich denn so von allerhand Dingen unterhielten, sprach Peter auf einmal zu Hans: »Wollen wir nicht einmal auf Reisen gehen?«

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Deutsche Märchen und Sagen 3

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

3. Das Wildschwein

Es war einmal ein König, der hatte mit seiner Gemahlin nur einen Sohn gewonnen, doch nicht viel Freude von demselben, denn eine böse Hexe hatte ihn in ein Wildschwein verwünscht. Der König und die Königin waren sehr betrübt darüber, aber da geschehene Dinge nicht zu ändern sind, trösteten sie sich endlich doch in etwas. Das Wildschwein ließen sie denn im Hof und im Schlossgarten herumlaufen, wo es auch ganz friedlich verkehrte und keinem Menschen etwas zuleide tat.
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