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Westward! Ho! – Erinnerungen eines Trappers – Kapitel 7

Gegen Mittag des 28. Mai entdeckten wir etwa 5 Meilen vor uns am Südufer des Flusses ein Indianerdorf. Drei Männer ritten voran, um die Indianer zu beobachten, während wir die notwendigen Vorbereitungen für eine eventuelle Verteidigung trafen. Kurze Zeit später sahen wir eine große Staubwolke. Unser Spähtrupp kam mit rund 50 Indianern vom Erkundungsritt zurück. Die Indianer gaben uns zu verstehen, dass sie Cheyenne seien. Auch sie erzählten uns die gleichen Beobachtungen von den Arapaho und Gros Ventre wie vorher die Sioux. Bis auf einen Indianer verließen die Cheyenne schließlich unser Lager.

Im Laufe des Abends ging ein Gerücht durch das Camp. Der Indianer, welcher zurückgeblieben war, sollte ein Arapaho sein. Einer unserer Männer regte sich darüber dermaßen auf und unterbreitete den Vorschlag, die Rothaut einfach zu erschießen. Natürlich war keiner damit einverstanden. In der Nacht versuchte er mit zwei anderen Männern das Lager zu verlassen, wurde aber durch die Wachen festgenommen. Er gestand ein, aus reiner Verzweiflung und Angst den Versuch einer Desertion zu unternehmen. Am nächsten Morgen ritt er allein nach St. Louis zurück. Es war ein Einzelfall von Feigheit, welcher unserem Unternehmen mehr geschadet als genutzt hätte.

Später erfuhren wir, dass der Mann St. Louis lebend erreicht hatte, doch unterwegs von Hunger und Misshandlungen durch Indianer gepeinigt worden war. In der Nähe von Council Bluffs griffen ihn einige Indianer auf, zogen ihn bis auf die Haut aus, geißelten ihn erbarmungslos und ließen den Mann danach frei. Mehr tot als lebendig erreichte er die Garnison in der Nähe des Platte. Dort wurde er freundlich aufgenommen, mit Essen und Kleidung versorgt. Seine Wunden wurden behandelt, sodass er nach vollständiger Genesung nach St. Louis reiten konnte. Dort angekommen berichtete der Mann, dass unser Trail von Indianern angegriffen und besiegt worden sei und er der einzige Überlebende wäre.

Als sich der Tag zu Ende neigte, erreichten wir einen prachtvollen Hain von Cottonwood-Bäumen, deren Hartholz sich bestens zum Bau von Pferdepferchen eignet, um im Falle eines Indianerangriffes einen notwendigen Schutz für unser Vieh zu haben. Glück für uns, denn in den vergangenen Tagen hatten wir nur ein paar vereinzelte Bäume gesehen, welche sich nicht als Nutzholz eigneten.

Am 30. Mai entdeckten wir in einem Espenhain einen einsamen Wigwam. Da ich ihn zuerst gesehen hatte, war meine Neugier nicht zu bremsen. Die Art und Weise seiner Konstruktion war Folgende: Dreizehn gerade Kiefernstangen wurden im gleichen Abstand im Umfang eines Kreise mit einem Durchmesser von 10 bis 12 Metern so aufgestellt, dass vier von ihnen in einer Höhe von etwa 11 Metern miteinander verbunden werden können, um die restlichen Stangen zu stützen. Zahlreiche Büffelfelle bedeckten das so entstandene konische Gestell. Zwischen zwei Stangen befand sich eine ovale Öffnung, die als Eingang diente. Ein Büffelfell hing lose über der Öffnung und diente als Tür.

Als wir uns dem Wigwam näherten, erblickten wir den leblosen Körper eines etwa vier Jahre alten Jungen. Er lag nur wenige Schritte von der Behausung auf der Erde und war furchtbar verstümmelt und entstellt. Offenbar rührten seine tödlichen Verletzungen von Schlägen mit einem Knüppel. Beim näheren Betrachten des Leichnams stellte einer unserer Anführer eine tiefe und breite Stichwunde an der linken Seite des Körpers fest.

Auf einer Plattform innerhalb der Hütte lagen die skalpierten Leichen von zwei erwachsenen Indianern mit ihren Waffen. Es ist eine indianische Sitte, die Toten so aufzubahren, damit sie auf ihren Weg in das Land der Geister nicht waffenlos sind. Die kleine Cheyenne-Familie war vermutlich durch Crow angegriffen worden. Es mochte gut fünf Tage her gewesen sein, stellte unser Doc fest.

Achilles wurde am Grab des Patroklos geopfert. Sowohl ein Präzedenzfall als auch eine Parallele zu dem hier Geschehenen. Die Poesie hat schon fast die Grausamkeit der Griechen heiliggesprochen. Doch die Unmenschlichkeit der Wilden ist nicht zu übertreffen. Was war das Schlimmste, die raffinierten Griechen oder die barbarischen Indianer?

Wir überquerten am 2. Juni den Platte mit Bullhide-Kanus und lagerten nach einem Marsch von einigen Meilen oberhalb des Laramie am Fuß der Black Hills, 600 Meilen westlich von Council Bluffs. Überall roch es nach fruchtbarer Erde, dichte Espenwälder und vermischt mit einigen Cottonwood-Bäumen reichten bis an die Ufer des Stromes heran.

Seit Durchquerung des Sioux-Gebietes sahen wir fast täglich Büffelherden, aber noch nie so unzählig viele wie in diesem Landstrich. Unsere Jäger töteten jeden Tag mehr oder weniger von ihnen, denn Büffelfleisch stellte nach wie vor unser Hauptnahrungsmittel dar. Doch dieses war sehr mager und zäh und eignete sich kaum für ein schmackhaftes Essen. Doch weit und breit konnten die Jäger kein anderes Wild ausfindig machen.

Die Black Hills sind aufgrund der romantischen Landschaft weitaus bekannter als durch die Höhe der Berge, dienen marodierenden Indianern als Zufluchtstätte und Versteck und bilden damit einen gefährlichen Pass für Jäger und Händler. Sie sind teilweise mit Kiefern und Zedernbüschen bewachsen, die ihnen aus der Ferne betrachtet ein dunkles und bedrohliches Aussehen geben, sodass sich daraus der Name der Bergkette ableiten lässt. Doch aus der Nähe betrachtet stellen sie einen weniger abstoßenden Anblick dar. Sie zeigen sich in ihrer Vielfalt von Formen und Farben, Hängen und Tälern, Klippen und Schluchten, die zusammen betrachtet eine atemberaubende Landschaft von einzigartiger Bildhaftigkeit und Schönheit bilden. Einige dieser Hügel bestehen aus purpurfarbenem Sandstein, andere sind wiederum hellgelbe, graue, weiße oder braune Felsformationen, teilweise mit Erde bedeckt. Einige von ihnen weisen wie die Prärie eine spärliche Vegetation auf, und die Gipfel sind mit einem Diadem aus Schnee gekrönt.

Unser Weg führte an dunklen Felswänden vorbei und gelegentlich durch schöne baumlose Täler, in denen Büffel ohne Wahrnehmung des nahen Todes in Gestalt des alten Jägers Sonsosay friedlich weideten, der bereits durch das hohe Gras wie eine Schlange kriecht, mit seinem treffsicheren Gewehr wie ein plötzliches Gewitter auf die Herde einbricht und keine Angst vor den vielen Hörnern und Hufen zeigt.

In diesen Momenten genoss ich die Schönheit der Natur und vergaß dabei die Strapazen unserer Expedition.

Fortsetzung folgt …

Quelle: Ferris, Warren Angus: Life in the Rocky Mountains, Salt Lake City, Utah, Rocky mountain book shop, 1940.

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