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Interview mit Roger Murmann

Der 27. BuCon wirft seine Schatten voraus. Auf der Homepage der Veranstalter www.buchmessecon.info kann man sich bereits seit einiger Zeit über das Programm informieren, welches umfangreicher und abwechslungsreicher denn je scheint. Da gibt es Panels für alteingesessene Con-Besucher aber auch jede Menge aktuelle Themen, die für Con-Neulinge und junge Besucher äußerst interessant sein dürften. Und wer sich bei der Fülle der Themen gar nicht entscheiden kann, dem steht jederzeit der große Saal für interessante und unterhaltsame Gespräche zur Verfügung. Doch lassen wir einen der Organisatoren dieses Events selbst zu Wort kommen und unsere Leser auf den BuCon 2012 neugierig machen.

Geisterspiegel: Hallo Roger, ich freue mich, dass du dir im Vorfeld des anstehenden 27. BuCon die Zeit nimmst, um dem Geisterspiegel ein paar Fragen zu beantworten.

Roger Murmann: Klar, kein Problem. Es ist zwar noch viel zu tun, aber so viel Zeit muss sein.

Geisterspiegel: Bitte schildere unseren Lesern, die den BuCon nicht kennen, ganz kurz, was der BuCon ist und wie er entstanden ist.

Roger Murmann: Der Buchmesse Convent, kurz BuCon, ist das zentrale Treffen der deutschsprachigen literarischen Phantastik-Szene am Buchmesse-Wochenende in Dreieich-Sprendlingen bei Frankfurt am Main. 2011, zum SFCD-Con, hatten wir etwa 380 Besucher. Lustig ist: Manche, die uns jetzt noch nicht kennen, verwechseln uns oft mit dem »Großen Bruder« aus der Mainstadt. Man muss da immer noch mal in einem erläuternden Satz hinterherschicken, dass man unabhängig von der Buchmesse sei und dazu noch eine Veranstaltung von Fans für Fans. Die aber in der deutschsprachigen Phantastik-Literaturszene doch schon einen gewissen Ruf hat und mittlerweile auch in den Büroetagen der Großverlage bekannt ist. Gerade für Nachwuchsautoren ist der BuCon eigentlich das ideale Forum, um mit Verlegern und Kollegen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen.

Für so manches, was an Science-Fiction und Fantasy in Deutschland erscheint, wurde und wird auf dem BuCon die Grundlage gelegt. Aktuell besteht das Kernteam aus mir, Christian de Ahna, Kurt Zelt und Birgit Fischer, unterstützt durch zahlreiche Helfer vom Dreieicher Jugendclub WIRIC und vom Science Fiction Treff Darmstadt.

Hm … WIE der Con nun genau entstand, kann ich gar nicht so genau sagen, da ich erst mit dem Teamwechsel zu Con Nummer 11 aktiv eingestiegen bin, vorher ein paar Mal als Händler dabei war und bis dahin den Con gar nicht kannte. Darüber habe ich im Laufe der Zeit von unseren Alt-Besuchern eine ganze Reihe Geschichten und Legenden gehört, die sich sehr oft unterscheiden. Sicher ist nur, dass der erste Con mit dem Namen »Buchmesse Con« wohl im Jahr 1986 stattfand und von Walter Appel, Thomas Oelschläger und Uwe Schnabel organisiert wurde. Werner Kurt Giesa gehörte allerdings entgegen anderslautender Gerüchte (und nach eigener Aussage, da gibt es ein entsprechendes Zitat) nicht zu den Männern der ersten Stunde. Nichtsdestotrotz werden gerade diese Namen sicher auf ewig mit der Historie des Cons verbunden bleiben.

Geisterspiegel: Wo liegen die thematischen Schwerpunkte?

Roger Murmann: Ich sage mal: Es gibt keinen. Es ist schon ein lieb gewonnener Automatismus, dass sich das Programm an dem orientiert, was gerade auf dem phantastischen Büchermarkt angesagt ist. Im »Jahr des Hobbits« 2012 ist das eben verstärkt Fantasy, die uns in den Bewerbungen vieler  Autoren angeboten wurde. Wir steuern das nicht oder versuchen verzweifelt Schwerpunkte zu setzen, die nicht den Realitäten auf dem Büchermarkt entsprechen. Sollte sich irgendwann wieder herauskristallisieren, dass Science-Fiction DAS Thema ist, wird sich dies sicher auch im Programm wiederspiegeln. Wenn sich also ein Teilgenre gerade nicht im Programm findet, hat das nichts damit zu tun, dass wir etwas gegen dieses Teilgenre hätten. Sondern einfach, weil keine Bewerbung vorlag. Gerade dieses Jahr hat man uns vorgeworfen, wir hätten etwas gegen Heftromane. Stimmt nicht, kann ich da nur sagen. Im Gegenteil: Zum ersten Mal seit vielen Jahren wird es wieder ein offizielles Perry Rhodan Panel von VPM geben. Das freut uns sehr. Und es würde uns auch freuen, wenn der Verlag mit der Zinne wieder zurückkäme. Man kann durchaus mit uns reden. Die Idee eines Panels zum 1000. Band »Professor Zamorra« hat sich aber leider zerschlagen. Obwohl es zunächst aus Autorenkreisen eine Anfrage gab, der wir sehr wohlwollend gegenüberstanden. Das bedauern wir natürlich sehr. Aber jeder, wie er mag.

Geisterspiegel: Was unterscheidet den BuCon von anderen Cons?

Roger Murmann: Ganz eindeutig die Programmstruktur. Bis auf die Verleihung des »Deutschen Phantastik Preises« besteht das Programm nahezu zu 100 % aus Buchvorstellungen und Lesungen. Gelegentlich gibt es wissenschaftliche Einsprengsel, die aber auch einen Bezug zur Literatur haben. Ok, dieses Jahr haben wir ab etwa 20 Uhr das Konzert mit der Gruppe »Elfenthal«, aber das bildet die Ausnahme. Was wir nicht haben, sind Schauspieler, die Unterschriften für teueres Geld verkaufen und eher auf Mediacons angesiedelte Programmpunkte, wie Kostümwettbewerbe o.ä.

Geisterspiegel: Den Veranstaltern wird gern vorgeworfen, dass das Programm zu umfangreich sei. Wie geht ihr damit um und wie bewertet ihr das selbst?

Roger Murmann: Wir denken, mit vier Programmschienen sind wir nun wirklich da angekommen, was dem Publikum an einem einzigen Tag zugemutet werden kann. Wir sehen das aber gelassen. Wir versuchen das Programm a) bei der Autorenauswahl und b) bei der Verteilung der einzelnen Panels schon so zu gestalten, dass wir keine thematischen Überschneidungen haben. Uns wurde natürlich schon des Öfteren vorgeschlagen, das Programm auf Sonntag auszuweiten. Der klassische BuCon-Ablauf sieht für viele unserer Besucher aber traditionell so aus: Freitagabend Vortreffen, Samstag Con, Sonntag Buchmessebesuch. Außerdem würden viele Autoren benachteiligt werden, würde man sie auf den besucherschwächeren Sonntag legen. Und unsere »Profis« haben nach vier anstrengenden Tagen Messe zum Großteil die Region schon verlassen. Es fehlen also die »Zugpferde«. Und man kennt das ja von anderen Cons: Sonntag ist der Abreisetag, da tut sich nicht mehr allzu viel.

Geisterspiegel: Wer einen Programmpunkt belegen möchte, muss sich aufgrund der hohen Nachfrage rechtzeitig darum bewerben. Nach welchen Kriterien wählt ihr letztendlich aus?

Roger Murmann: Wir haben kein Bewerbungsformular und auch keine Liste, auf der bestimmte Kriterien abgehakt werden. Günstig ist, wenn der Autor eine schön gestaltete und vor allem aktuelle Homepage bieten kann, die Möglichkeit, Leseproben herunterzuladen oder eine aussagekräftige Darstellung dessen schickt, was der Bewerber machen möchte. Man muss uns also nicht unbedingt gleich sein ganzes Buch senden. Abgesehen davon haben wir im Team einfach auch nicht die Zeit, jedes Werk eines jeden Bewerbers ausgiebigst zu studieren. Immerhin ist da noch ein Con zu organisieren, oder? Was gar nicht geht, sind Bewerbungen, die aus drei Sätzen bestehen, deren Rechtschreibung, nun ja, gewöhnungsbedürftig ist oder wenn uns Leute unter Pseudonym anschreiben. Wir hatten auch schon Autoren, die ihr Werk von der Frau oder Freundin vorlesen lassen wollten, weil sie selbst wohl nicht den Mumm zu einem Auftritt hatten. Ebenso tabu ist der Bereich Fanfiction zu Serien und Filmen. Das hat aber urheberrechtliche Gründe.

Geisterspiegel: Als Besucher fühle ich mich auf dem BuCon seit Jahren wohl und freue mich immer wieder darauf. Vor allen Dingen deshalb, weil ich den Eindruck habe, dass beim BuCon die Zeit nicht stehen geblieben ist, sondern ihr mit der Zeit geht. Ist das so gewollt und angestrebt oder richtet ihr euch bewusst nach den Bedürfnissen eurer Besucher?

Roger Murmann: Wie schon gesagt: Der BuCon richtet sich ganz bewusst am gegenwärtigen Trend aus. Momentan ist das Fantasy, vielleicht irgendwann wieder mehr Science-Fiction, Heftromane, Steampunk … wer weiß? Wir nehmen einfach das, was kommt, was uns die Szene so anbietet. Denn wir möchten keine Nischenveranstaltung für wenige sein, sondern ein Event, auf dem sich viele wohlfühlen.

Geisterspiegel: Auf dem BuCon trifft man seit einigen Jahren bekannte Autoren aus großen Verlagen wie z. B. Markus Heitz, Thomas Finn, Bernhard Hennen, um nur einige zu nennen, Autoren, die auf der parallel stattfindenden Frankfurter Buchmesse sicher noch viel mehr Andrang hätten als auf dem vergleichsweise kleinen Con. Wie schafft ihr es, diese Autoren nach Dreieich zu holen und wie ist die Resonanz dieser Autoren?

Roger Murmann: Viele der Autoren haben aber in der Tat zunächst Termine auf der Messe selbst und kommen dann zu uns »rüber« nach Dreieich. Da spielt es eine große Rolle, dass wir in Jahren aufgebaute Freundschaften zu den Autoren hegen und pflegen. Hier gibt es auch keinen Herrn Hennen oder Herrn Heitz, sondern einfach den Bernhard oder den Markus. Ich glaube, viele der »Profis« empfinden das als angenehme Abwechslung zum Messegeschäft, dass sie bei uns nicht angehimmelt werden, sondern mit ihrem Publikum auf Augenhöhe stehen. Viele derer, die heute in den Bestsellerständern der Buchhandlungen liegen, haben bei uns angefangen. Wir haben heute noch die Mail eines gewissen Markus Heitz gespeichert, in der er sich das erste Mal bei uns vorstellt …

Geisterspiegel: In diesem Jahr bietet der BuCon wieder ein Programm, welches die gesamte Bandbreite der Phantastik umfasst. Da fällt es schwer, sich zu entscheiden. Welche Veranstaltung möchtest du keinesfalls verpassen?

Roger Murmann: Oje … es gibt leider bei Cons das ungeschriebene Gesetz, dass man als Veranstalter nicht allzu viel von seiner eigenen Veranstaltung mitbekommt. Natürlich steckt man hier und da mal die Nase zu Tür herein, setzt man sich mal für ein paar Minuten dazu. Aber man kann sicher sein, dass man irgendwann von einem Helfer angestupst wird, weil das nächste Problem eine Entscheidung erfordert. Ich kann’s also beim besten Willen nicht sagen.

Geisterspiegel: Was wünschst du dir für die Zukunft des BuCon?

Roger Murmann: Dass sich weiterhin so viele kreative Autoren und Autorinnen bei uns bewerben wie bisher. Die phantastische Literaturszene hier in Deutschland hat gerade in den letzten Jahren unglaublich viele Talente hervorgebracht, denen man wirklich jedem einzeln den »großen« Durchbruch wünschen könnte. Wenn wir dazu mit dem Buchmesse Convent auch nur einen kleinen Beitrag leisten können, ist das wirklich ein gutes Gefühl.

Geisterspiegel: Lieber Roger, ich danke dir für das Interview und wünsche dir und allen Organisatoren alles Gute und viel Erfolg für den diesjährigen und alle weiteren BuCons.

Die Fragen stellte Anke Brandt.

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