Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 66

Der Spuk in Havelberg
Bei der Fähre oberhalb von Havelberg zeigen sich gewöhnlich allerhand wunderbare Zeichen, wenn jemand ertrinken soll. Bald scheint es, als schlüge ein großer Fisch auf, doch es ist keiner zu sehen. Oder es lacht ganz ordentlich, obwohl kein Mensch da ist.
Auch im Havelberger Dom ist es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Es schien, als wären die alten Mönche doch noch nicht ganz zur Ruhe gekommen. Es ist noch nicht lange her, da spielte der Organist einmal pro Woche auf der Orgel. Er war allein in die Kirche gegangen und hatte die Tür hinter sich zugeschlossen. Als er die letzten Töne anschlug, sah er zufällig zur Kanzel hinüber. Da stand leibhaftig ein Mönch, der zu ihm hinüber schaute und das Haupt neigte, als wolle er sich bedanken. Der Organist stand ganz ruhig auf und ging hinunter. Als er unten ankam, war der Mönch verschwunden, aber die Tür war fest verschlossen, sodass niemand hinein- oder hinausgekommen sein konnte!
Bischof Wepelitz im goldenen Sarg
In der Mitte des Havelberger Doms befindet sich ein schönes Grabdenkmal. Es ist das des Bischofs Wepelitz (gest. 1041). Er stammte aus Wilsnack, zeichnete sich jedoch so sehr aus, dass er Bischof von Havelberg wurde. Er setzte sich besonders für die Verehrung des Wunderbluts zu Wilsnack ein. Aus den dadurch der Kirche zugeflossenen Mitteln baute er prächtige Kirchen und Kapellen, denn er war ein kunstsinniger Herr. Auch andere Anlagen schuf er: So legte er das Vorwerk Wettelitz oder Wepelitz an und bestimmte, dass jede Braut entlang des Weges dorthin eine Eiche pflanzen sollte. So entstand die schöne Allee, die ihren Namen Brautallee erhielt.
Auf dem Denkmal ist die liegende Marmorstatue des Bischofs in Lebensgröße zu sehen. Der an ihren Füßen angebrachte Löwe ist jedoch so stark beschädigt, dass er lange Zeit für einen Lindwurm gehalten wurde. Darum rankte sich folgende Sage: Bischof Wepelitz, so heißt es, hielt sich gern in dem nach ihm benannten Vorwerk auf. Eines Tages schlief er im dortigen Gebüsch ein, als ein Lindwurm kam und ihm in den Kopf stach, sodass er starb. Deshalb, so heißt es, sei dies auch im Dom an dem Denkmal so dargestellt und an der Figur des Bischofs am Kopf das Loch angedeutet worden, an der Stelle, an der ihn das Tier gestochen hatte.
Im Dom, in dem sich das Denkmal befindet, wurde er jedoch nicht bestattet. Vielmehr soll er an den steilen Abhängen nach dem Vorwerk Wepelitz in einem goldenen Sarg ruhen. Wo genau, ist nicht bekannt, denn alle, die bei der Beisetzung halfen, wurden hingerichtet, damit niemand verraten könne, wo der alte Bischof in seinem goldenen Sarg liege. Vor einiger Zeit wurden dort Schanzen gegraben, in der Hoffnung, den goldenen Sarg zu finden. Die Soldaten fanden jedoch nur Urnen und dergleichen.
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