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Julia Weimar – Die Glocken von Killevy

Julia Weimar
Die Glocken von Killevy
Kapitel 1
Der Nebel, der meinen Namen kannte

Johanna

Ich war nicht auf der Suche nach Wundern.

Ich war hier, weil Redaktionen keine Wunder bezahlen, sondern Belege.

Der Friedhof von Killevy lag still unter einem grauen Himmel, wie ein vergessener Gedanke am Rand der Welt. Die Ruinen der beiden Kirchen duckten sich in den Nebel, als wollten sie nicht gesehen werden. Kein Wind. Kein Vogelruf. Nur dieses eigentümliche Schweigen, das sich nicht leer anfühlte, sondern … wartend.

Ich stellte das Aufnahmegerät aus.

»Zu still«, murmelte ich auf Deutsch, obwohl mich niemand hören konnte.

Als Reporterin hatte ich viele Orte besucht, an denen Geschichte angeblich noch »lebte«. Meistens war das eine Metapher. Hier jedoch fühlte es sich wörtlich an. Jeder Schritt zwischen den alten Grabsteinen schien beobachtet zu werden. Der Boden war feucht, und der Nebel kroch mir unter die Jacke wie kalte Finger.

Mein Blick blieb an dem Monolithen hängen.

Er lag flach, schwer, nicht zu verschieben – ein Stein von absurder Präsenz. Man sagte, hier liege St. Moninna, die Heilige mit den vielen Namen. Bline. Monnina. Sharbhile. Frauen mit zu vielen Namen sind in Legenden nie ungefährlich.

Ich kniete mich hin, berührte den Stein.

Er war wärmer, als er hätte sein dürfen.

»Das ist lächerlich«, sagte ich laut, der Satz einer Rationalistin, gesprochen wie ein Schutzzauber.

Da hörte ich es.

Ein tiefes, fernes Läuten.

Nicht laut. Nicht nah. Aber eindeutig.

Eine Glocke.

Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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