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Frank Allan Band 1.3

Frank Allan
Rächer der Enterbten
Band 1
Die Zuchthausrevolte
3. Kapitel

Seit Jahren hatte Mac Farlans Privatsekretär nicht mehr so gut geschlafen wie in dieser Nacht.

Er hatte sein Herz erleichtert und einen wahren und mächtigen Freund gefunden. Gemeinsam mit ihm wollte er den Mann unschädlich machen, der sich meisterhaft den Anschein eines ehrlichen Menschen zu geben verstand, in Wahrheit jedoch einer der grausamsten Schurken der Welt war. Dadurch hoffte er, seine eigenen Vergehen sühnen zu können.

Fröhlich kleidete er sich an, trank mit Wohlbehagen den kräftigen Kaffee und machte sich ausgangsbereit.

Da klopfte es hart und scharf an der Zimmertür.

»Herein!«

Drei Polizisten betraten das Zimmer, dahinter die zitternde Wirtin.

»Sind Sie Tom Stetton, der Privatsekretär der Firma Mac Farlan?«

»Ja, doch was wünschen Sie von mir?«

»Im Namen des Gesetzes sind Sie verhaftet!«

Derbe Fäuste packten den Überraschten und Entsetzten an beiden Schultern und zerrten ihn in Richtung Zimmer. Doch mit der Kraft der Verzweiflung stemmte er sich dagegen.

»Wessen beschuldigt man mich?«

»Der Unterschlagung anvertrauter Gelder!«

Da zuckte plötzlich ein Gedanke im Geist des Sekretärs auf. Mac Farlan wollte ihn, seinen gefährlichen Mitwisser, unschädlich machen.

Wenn nur Frank Allan in der Nähe wäre! Oder wenn er ihm wenigstens ein Zeichen hinterlassen könnte, denn es schien, als würde man Böses planen!

»Wird’s bald? Vorwärts, Marsch!«

Ein letzter sonderbarer Gedanke.

»Frau Tomson! Mein Taschentuch!«

Erstaunt und fassungslos blickte die Wirtin auf ihren Zimmerherrn. Hatte ihn der Schreck über seine Verhaftung plötzlich wahnsinnig gemacht?

Rücksichtslos schoben die Beamten den Widerstrebenden hinaus. Noch einmal, bereits im Vorsaal, drehte er sich um und rief mit lauter Stimme: »Frau Tomson! Vergessen Sie nicht! Mein Taschentuch!«

Es gab rohes Gelächter von den Polizisten und Kopfschütteln von der Wirtin.

Doch um Stettons Lippen spielte ein schwaches, rätselhaftes Lächeln. Willig stieg er in den wartenden, verschlossenen Wagen, dessen Fenster dicht verhangen waren.

Die Fahrt dauerte endlos; längst hätte man die Polizeidirektion erreichen müssen, auch das Untersuchungsgefängnis lag näher.

Unbemerkt hatte Tom Stetton sein Taschentuch hervorgezogen und es vorsichtig in das Polster der Droschke geschoben. Ein schwacher Seufzer der Erleichterung entfuhr ihm.

Als der Wagen aber hielt, er Tom Stetton, fest von den starken Fäusten der Beamten gehalten, herausklettern sah und er hinter einem mächtigen eisernen Portal ein hohes, schmuckloses Gebäude erblickte, das von starken Mauern umgeben war, entfuhr seiner Brust ein wilder Schrei.

Er hatte sein Gefängnis erkannt!

Eine barmherzige Ohnmacht entrückte ihn für kurze Zeit dem Schrecken der Gegenwart.

In den Zügen der drei Beamten war jedoch nichts von Mitleid zu lesen, als sie den Regungslosen in das stadtbekannte Irrenhaus des Dr. Truton trugen. Es war nur zur Aufnahme unheilbar Erkrankter bestimmt.

Der Kutscher allein blickte mitleidsvoll auf das Bild, dann rief er seinem müden Pferd ein aufmunterndes Wort zu.

Gemächlich setzte es sich in Trab.

In der Stadt, im palastartigen Geschäftshaus der Firma Mac Farlan, schritt der Chef in seinem Arbeitszimmer nervös auf und ab.

Da klingelte das Telefon schrill und laut.

»Wer ist dort? Alles in Ordnung? Die Überführung vollzog sich ohne Schwierigkeiten? Nur zuletzt beim Anblick des Irrenhauses ein entsetzter Schrei und dann Ohnmacht? Vortrefflich! Ja, ich erwarte Sie in meinem Büro! Schluss!«

Vergnügt rieb sich der Schurke die Hände.

Die Gesellschaft arbeitete prompt. Teilhaber Dr. Truton würde sich pünktlich seinen Lohn holen.

»Ein neues Konto ist abgeschlossen: Tom Stetton – plötzlich vom Wahnsinn befallen!«

Meckerndes, teuflisches Lachen!

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