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Wölfe – Staffel 1, Episode 5 von 6

Wölfe
Staffel 1, Episode 4 von 6
Krähen

Das Suprematsgesetz erklärte Heinrich VIII. zum obersten Oberhaupt der Kirche in England. Doch Kaiser Karl V. und sein Botschafter Eustache Chapuys weigern sich, seinen neuen Titel oder seine Ehe mit Anne Boleyn anzuerkennen.

Cromwell besucht Katharina. Sie ist zunehmend gebrechlich und müde und sehnt sich danach, ihre Tochter Mary zu sehen. Cromwell hat Mitleid mit Katharina und versucht, den König davon zu überzeugen, Chapuys den Besuch bei ihr zu erlauben. Heinrich lehnt dies jedoch ab: Solange der Kaiser Anne nicht als seine rechtmäßige Ehefrau anerkennt, wird er keine diplomatischen Zugeständnisse machen.

Da Anne erneut schwanger ist und sich nicht am Hof aufhält, beginnt Heinrich Jane Seymour zu beachten. Die Seymours bitten Cromwell um Hilfe bei ihren Verhandlungen mit dem König.

Anne ist sich bewusst, dass Cromwell mit den Seymours konspiriert. Sie erinnert ihn daran, dass sie ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Als Katharina stirbt, feiert Anne. Katharina war immer dafür verantwortlich gemacht worden, dass Anne keinen männlichen Erben geboren hatte. Anne ist sich nun sicher, dass sie einen Jungen zur Welt bringen wird.

Der König nimmt an einem Ritterturnier teil und wird dabei beinahe getötet. Cromwell wird schmerzlich bewusst, dass er seine Position allein dem König zu verdanken hat und dass seine Feinde ihn ohne dessen Unterstützung vernichten würden. Glücklicherweise erholt sich Heinrich vollständig, doch unter dem Schock der Nachricht von seinem Sturz erleidet Anne eine Fehlgeburt.

Henry befürchtet, dass er niemals einen Sohn mit Anne haben wird. Er ist überzeugt, dass sie verflucht ist und ihn zur Heirat verleitet hat. Er will eine neue Frau und wie immer wird Cromwell damit beauftragt, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.

 

Mit der fünften Episode von Wolf Hall, treffend Krähen betitelt, erreicht die Serie einen dramaturgischen Höhepunkt. Der Titel bleibt bewusst vieldeutig: Krähen gelten als Omen des Unglücks, als Zeichen nahenden Todes – und als Tiere, die sich in dunklen Schwärmen sammeln. Genau dieses Bild prägt die Folge, die das politische und persönliche Zerbrechen der Boleyn-Fraktion sowie die wachsende Bedrohung für Thomas Cromwell eindringlich inszeniert.

Im Zentrum stehen zwei Figuren, die gleichermaßen von der Gunst Heinrichs VIII. abhängig sind: Königin Anne Boleyn und sein allgegenwärtiger Minister Thomas Cromwell. Einst durch gemeinsame Ziele verbunden, begegnen sie einander nun mit Misstrauen und offener Feindseligkeit. Die Frage, wer zuerst zuschlagen wird, liegt wie ein drohender Schatten über jeder Szene – und Schatten sind das eigentliche visuelle Leitmotiv dieser Episode. Regisseur Peter Kosminsky lässt die Figuren aus der Dunkelheit hervortreten und wieder in ihr verschwinden, als wären sie bereits Teil eines unausweichlichen Schicksals.

Die Handlung setzt auf dem Landsitz der Seymours ein, wohin Cromwell den König gezielt lenkt. Jane Seymour, still, klug und fromm, wird hier als neue Hoffnung Heinrichs inszeniert – und zugleich als Verlust für Cromwell selbst, dessen kaum verhohlene Enttäuschung Mark Rylance allein durch minimale Mimik ausdrückt. Rylances Spiel bleibt auch in dieser Folge eine schauspielerische Glanzleistung: Cromwells Zurücktreten in den Schatten wird wortlos zum Sinnbild seines inneren Bruchs.

Besonders bitter zeichnet die Episode die Instrumentalisierung Janes durch ihre Familie. In einer beklemmenden Szene wird sie angehalten, die Avancen des Königs zu nutzen, ohne ihre Ehre zu verlieren – ein moralisches Dilemma, das Cromwell mit zynischer Pragmatik beantwortet. Damit entlarvt Wölfe einmal mehr die grausame Selbstverständlichkeit, mit der Frauen im Tudorhof geopfert werden.

Einen emotionalen Gegenpol bildet Cromwells Begegnung mit Katharina von Aragón. Die verstoßene Königin erscheint gebrochen, aber geistig wach, voller Würde und leiser Boshaftigkeit. Ihre Menschlichkeit – besonders im Mitgefühl für Annes Fehlgeburt – lässt Anne Boleyns Kälte umso deutlicher hervortreten. Gleichzeitig nutzt die Serie Katharinas Schicksal, um die politische Grausamkeit Heinrichs VIII. zu unterstreichen, der ihren Tod kalt feiert und ihren letzten Brief ungelesen weiterreicht.

Nicht frei von Kritik bleibt die Episode dort, wo sie Cromwells Rolle bei der Auflösung der Klöster beschönigt. Die Serie übernimmt hier weitgehend seine propagandistische Sichtweise und verzerrt historische Realitäten zugunsten eines moralisch ambivalenten, aber verständnisvollen Porträts ihres Protagonisten. Auch die politisch wenig plausible Androhung einer Hungersnot durch Kaiser Karl V. wirkt anachronistisch.

Zu den stärksten Momenten der Folge zählt Heinrichs Turnierunfall. In wenigen Minuten entfaltet Wölfe ein erschreckendes Szenario politischer Anarchie: Ein bewusstloser König, panische Höflinge, offene Drohungen gegen Cromwell – und das Gefühl, dass England am Rand des Bürgerkriegs steht. Cromwells verzweifelter Einsatz, sein innerer Monolog und seine spätere Demütigung durch den König gehören zu den intensivsten Szenen der gesamten Serie.

Nach Annes erneuter Fehlgeburt kippt das Machtgefüge endgültig. Heinrichs Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Ehe markieren den Wendepunkt, den Cromwell erkennt – und zu nutzen beginnt. Das Finale ist leise, aber unheilvoll: Heinrich beauftragt Cromwell, ihn von Anne zu befreien. Der letzte Auftritt des Geistes von Kardinal Wolsey verleiht der Episode eine fast tragische Geschlossenheit. Sein Rat – dem König eine neue Frau zu beschaffen – ist zugleich Warnung und Vermächtnis.

Krähen ist eine dichte, düstere und meisterhaft gespielte Episode, die politische Intrigen, persönliche Traumata und historische Tragik zu einem beklemmenden Gesamtbild verbindet. Wie ein Schwarm Krähen sammelt sich das Unheil – lautlos, unaufhaltsam und tödlich.

Darsteller
Thomas Cromwell: Mark Rylance, König Henry VIII: Damian Lewis, Anne Boleyn: Claire Foy, Kardinal Wolsey: Jonathan Pryce, Duke of Norfolk: Bernard Hill, Stephen Gardiner: Mark Gatiss, Rafe Sadler: Thomas Brodie-Sangster, Eustache Chapuys: Mathieu Amalric, Katherina von Aragon: Joanne Whalley, Jane Rochford: Jessica Raine, Richard Cromwell: Joss Porter, Gregory Cromwell: Tom Holland, Jane Seymour: Kate Phillips, Harry Norris: Luke Roberts, William Brereton: Alastair Mackenzie, Thomas Wriothesley: Joel MacCormack, Thomas Cranmer: Will Keen, Frances Weston: Jacob Fortune-Lloyd, George Boleyn: Edward Holcroft, Sir Thomas Boleyn: David Robb, Lord Chancellor Audley: Tim Steed, Edward Seymour: Ed Speleers, Thomas Seymour: Iain Batchelor, Sir John Seymour: Paul Ritter, Mary Shelton: Hannah Steele

Stab
Drehbuch: Peter Straughan, Produktion: Mark Pybus, Regie: Peter Kosminsky, Produktionfirma: Company Pictures

Quelle:

www.bbc.co.uk

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