Der Erste von Baduras: Körper und Seele
In Der Erste von Baduras: Körper und Seele entführt Matthias Kranz die Leserinnen und Leser in eine Welt, in der Magie allgegenwärtig – und tödlich – ist. Baduras, das vom Astral, der Quelle aller Magie, durchströmt wird, ist kein Ort des Gleichgewichts, sondern ein Schlachtfeld uralter Mächte und moralischer Abgründe.
Seit über dreitausend Jahren stehen die Tofruna als Hüter ihrer Heimat im unaufhörlichen Krieg gegen die Daimon. Doch der ewige Feind ist nicht die größte Bedrohung. Als Endimion, einer der Anführer der Tofruna, das junge Mädchen Merivin aus den Klauen skrupelloser Menschenhändler rettet, setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, deren Ausmaß niemand erahnen kann. Denn mit dieser Tat ruft er einen Gegner auf den Plan, der älter ist als alle bekannten Feinde – ein Wesen, dessen Ziel nicht Herrschaft oder Macht, sondern die vollständige Auslöschung all dessen ist, was es als unrein betrachtet.
Zwischen Körper und Seele, Pflicht und Mitgefühl entfaltet sich eine düstere Fantasygeschichte über Schuld, Opfer und die Frage, was Reinheit wirklich bedeutet. Der Erste von Baduras: Körper und Seele ist der Auftakt zu einer epischen Erzählung, in der nicht nur Welten, sondern auch Gewissheiten zerbrechen.
Das Buch
Der Erste von Baduras: Körper und Seele
Leseprobe
DER FEROLAS WALD
Ein einzelner Wanderer ging seines Weges auf dem gerade mal Platz für eine Kutsche bietenden Pfad, der sich durch den Wald schlängelte.
Die meisten Leute vermieden den Durchgang. Von Überfällen war seit geraumer Zeit die Rede. Nicht, dass er vorher sicher gewesen wäre, doch häuften sich derzeit solcherlei Vorfälle und einige Menschen waren spurlos verschwunden. All diese Gerüchte schienen Endimion allerdings nicht weiter zu bekümmern.
Seit zwei Tagen reiste er nun schon durch den Ferolas Wald, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Lediglich ein paar Wölfe, die jedoch auf Distanz blieben, und etwas Wild, wovon so manches abends auf seiner Feuerstelle landete, hatten seinen Weg gekreuzt. Wenn alles nach Plan verlief, sollte er den Wald vor Einbruch der Dämmerung hinter sich gelassen haben. Da sein Ziel aber noch weiter entfernt lag, würde er wohl die Nacht in dem kleinen Dorf Trundas verbringen müssen. Sofern man zahlen konnte, war es durchaus üblich, dort einen Schlafplatz sowie eine Mahlzeit von den Bauern zu bekommen. Nach Tagen unter freiem Himmel schien dies auch nicht der schlechteste Gedanke. Es war schon eine Weile vergangen, seit er das Dörfchen zum letzten Mal durchquert hatte. Er erwartete aber nicht, dass sich viel in dem kleinen Ort verändert haben mochte, der am südlichen Rande des Waldes lag. Die Menschen dort waren einfacher Natur und beäugten alle Fremden sowohl mit einem misstrauischen als auch mit einem freundlichen Auge. Nur dass es sich mehr um das Geld der Gäste handelte, das gerne gesehen wurde.
Endimion fiel auf, dass es unnatürlich still um ihn herum geworden war. Irgendjemand, oder irgendetwas, schien selbst die kleineren Bewohner des Waldes zu verängstigen. Da er jedoch nicht das Gefühl hatte, beobachtet zu werden, kümmerte ihn dies nur wenig. Ohnehin konnte man ihn nur schwer erspähen. Ein langer grau-grüner Umhang umhüllte ihn und bot ihm sowohl Schutz vor Wind und Wetter als auch vor allzu neugierigen Blicken. Zuerst sehr leise, dann immer lauter, konnte er Stimmen und Gelächter vernehmen. Eine größere Gruppe hatte unweit des Weges ihr Lager aufgeschlagen. Endimion hielt einen Augenblick inne und horchte etwas genauer hin. Er verfügte über ein außergewöhnliches Gehör und vermochte so bereits einige Wortfetzen herauszuhören. Er begann, sich ein Bild der Lage zu machen, auf die er fast lautlos zuschritt. Auch hatte er die andere Gruppe bemerkt, die außerhalb der Sichtweite des Lagers der Menschen auf der Lauer lag. Was er hörte, brachte ihn zu dem Schluss, es müssten Menschenhändler sein. Endimion hatte wenig für Leute übrig, von denen er erwarten musste, sie würden versuchen, ihn auszurauben oder gar zu ermorden. Deshalb wollte er beide, Jäger wie Gejagten, umgehen. Doch dann schnappte er etwas auf, das ihn erneut innehalten ließ. Er schlich sich an zwei der Männer heran, die in der Nähe des Weges Wache halten sollten. Es erschien zwar eher ausgeschlossen, dass jemand in die Arme der lautstark kampierenden Truppe laufen würde. Das kümmerte Jasuf und Dürkan allerdings nicht weiter. Sie saßen, mehr schlecht als recht versteckt, in einem Gebüsch, das die meisten seiner Blätter bereits dem Herbst geopfert hatte. Auf einem Schiff waren sie aus dem fernen Süden gekommen. Gemäß dem Plan ihres Anführers wollten sie den Weg durch den Ferolas Wald nehmen, um möglichst ungesehen ihrem Geschäft nachgehen zu können.
Nach getaner Arbeit sollte es dann wieder in Richtung Heimat gehen. Sie bemerkten nicht, dass sich Endimion an sie herangeschlichen hatte. Hoch oben in einem Baum, machte er es sich auf einem breiten Ast gemütlich und lauschte ihrem Gespräch.
»Willst du noch einen Schluck von dem Zeugs, das sie Met nennen, Jasuf?«, fragte Dürkan, während er seinem Kumpan ein gefülltes Trinkhorn hinhielt.
»Das Zeugs ist süßer als in Honig getränkte Mandarinen«, kam sogleich die Antwort.
»Nun gut, wenn du nicht willst — ich zwinge ja niemanden zu seinem Glück. So bleibt ja auch mehr für mich«, erwiderte Dürkan mit einem breiten Grinsen, bevor er einen großen Schluck Met aus dem Horn in den weit geöffneten Mund kippte.
»Halt, halt, so ist das ja nun auch wieder nicht gemeint. Ich sagte ja nur, dass das Zeugs verdammt süß ist. Das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem seinem Zwecke dienen wird. Wir beide werden morgen mit einem riesigen Brummschädel aufwachen und uns sagen: ›Ich glaub, mir platzt der Schädel‹.«
Dann nahm er das Trinkhorn entgegen, das Dürkan ihm hinhielt, und ein noch größerer Schluck rann seine Kehle hinab.
»Ist die kleine Plage wirklich so gefährlich, dass wir sie fesseln, knebeln und ihr einen Sack über den Kopf ziehen mussten?! Mir kommt sie nicht anders vor als jedes andere kleine Mädchen?«
»Der Boss hat es jedenfalls gesagt. Und die anderen, welche auf der Einkaufsliste unseres Auftraggebers stehen, sollen kaum weniger gefährlich sein.«
»Na ja, wenn sie zickt, bekommt sie eins drübergezogen. Schade, dass sie noch ein Kind ist und wir nicht etwas Spaß mit ihr haben können«, bemerkte Dürkan mit einem nun fiesen Grinsen.
»Mit dem Geld, das wir hier verdienen, kannst du dir genug Frauen kaufen, wenn wir erst wieder zu Hause angekommen sind. Die Ware darf nicht beschädigt werden, hat der Boss gesagt, also lass ihn hübsch eingepackt! Nicht, dass du vom Boss noch zum Wallach gemacht wirst.«
Sie plauderten noch eine Weile und sowohl der Tag als auch das mit Met gefüllte Horn neigten sich ihrem Ende zu. Zwei weitere sollten folgen.
Endimion hatte genug gehört. Er schlich sich näher an das Lager der Menschenhändler heran. Es beherbergte insgesamt fünfzehn Männer. Einige schliefen bereits, andere saßen um ein Lagerfeuer herum, frönten dem Alkohol und aßen gebratenes Fleisch. Sogar dünnes Fladenbrot wurde auf der Außenseite eines halbkugelförmigen Topfes gebacken, so wie es in ihrer Heimat Brauch war.
Ein einzelnes Zelt hatten sie aufgeschlagen, in dem ihr Anführer für sich alleine speiste und Pläne für die weitere Vorgehensweise schmiedete. Ein Bauernhof und drei Dörfer, sowohl nördlich als auch westlich des Ferolas Waldes, waren auf einer Karte des Gebietes verzeichnet.
Das kleine Mädchen war da schon schwerer zu entdecken. Man hatte sie zwischen der Feuerstelle und dem Zelt des Anführers einfach auf dem Boden abgelegt und eine Decke über sie geworfen. Immer mehr der Männer gaben sich dem Kampf gegen Alkohol und Müdigkeit geschlagen. Sie legten sich nieder, wo sie gerade waren, und begannen damit, ihren Rausch auszuschlafen.
Veröffentlichung der Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Autors
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