Das Geisterreich – Erscheinungen guter Geister – Teil 1
Das Geisterreich
im Zusammenhang mit dem diesseitigen Erdenleben
Enthält eine Sammlung der interessantesten Geistererscheinungen, Ahnungen und Mahnungen von Sterbenden und Verstorbenen und dergleichen
Nach wahren Begebenheiten
Verlag J. Lutzenberger, Burghausen
Erster Teil
Erscheinungen guter Geister
Vorwort
In unserer Zeit ist man es gewohnt, alles, was keinen materiellen Stempel trägt oder sich nicht mit den Händen greifen lässt, ins Fabelhafte und Märchenhafte – oder gar ins Lächerliche – zu ziehen. Der Drang, alles natürlich erklären zu wollen, erweist sich jedoch als ein jämmerliches Produkt unseres aufgeklärten Zeitalters. Selbst mit größter Anstrengung gelingt es so manchem Gelehrten nicht, diesen Schleier des Unerklärlichen zu lüften.
Geisterspuk ist keine Erfindung des finsteren Mittelalters. Wohl ist es aber auch wahr, dass damals Leichtgläubigkeit und der Mangel an verständiger Prüfung Täuschung und Betrug großen Spielraum ließen.
Wer die Möglichkeit von Geistererscheinungen leugnen will, muss auch die Unsterblichkeit, das heißt die selbstständige Fortdauer der Seele nach dem Tod des Menschen, leugnen. Wer aber bestreiten will, dass Geistererscheinungen, Ahnungen und dergleichen wirklich vorkommen, muss die auf vielen tausend glaubwürdigen Zeugnissen beruhenden Tatsachen, die in den Werken der berühmtesten und glaubwürdigsten Autoren festgehalten sind, negieren. Er muss dann auch annehmen, dass es außer unserer Welt keine höhere gibt, die nach der Beschaffenheit unseres geistigen Seins mit uns in Verbindung und Berührung kommen kann.
Es wäre sehr zu bedauern, wenn uns die Stimmen aus dem Jenseits ganz verloren gegangen wären. Glücklicherweise gab und gibt es zu allen Zeiten Menschen, die unaufhörlich an diesem Schatz arbeiten, der dem religiös gesinnten Menschen eine reichhaltige Quelle für Betrachtungen aller Art bietet. Er gewährt einen tiefen Blick in das eigentliche geistige Ich und führt durch seine auf das Jenseits gelenkte Anschauung gleichsam zu Gott zurück.
Gewiss ist, dass die Zeit, die wir hier verbringen, ein Nichts ist gegen die Ewigkeit; sie ist nur die Vorbereitung für ein Dasein ohne Maß und Ziel. Wer möchte daher nicht ernstlich darüber nachdenken, ob er einst in der großen Prüfung, die ihm am Tag seines Todes – seiner zweiten Geburt – bevorsteht, gerechtfertigt vor dem Weltenrichter erscheinen kann.
Es soll sich hier nicht allein darum handeln, Erscheinungen von Seelen, die bereits gestorben sind, nachzuweisen, sondern auch die Früchte dessen kennenzulernen, was der Mensch hier gesät hat.
O Menschenkind! Wie arm stehst du oft da im fürchterlichsten Selbstbetrug! Du wähnst dich, wenn auch nicht mit Tugenden geschmückt, doch rein von schweren Vergehen. Bedenke! Deine tausend Unterlassungen des Guten sind deine tausend Sünden, die dich zur Verantwortung rufen.
Es sollen hier auch verschiedene Andeutungen der Natur- und Weltregierungen vor Augen geführt werden, die auf ein Zurückwirken höherer Wesen auf die Erdenwelt schließen lassen. Dazu gehören zum Beispiel Ahnungen, die Wirkungen der Sehnsucht getrennter Personen, Warnungen durch Schutzgeister und dergleichen, aber auch andere Ereignisse, Begebenheiten und Tatsachen, bei denen der Menschengeist, seiner gewöhnlichen Stufe entrückt, handelnd auftritt und uns einen Blick in das Leben der Geister, unabhängig vom Körper, ermöglicht. Somit wird der geehrte Leser in diesem Büchlein gesammelt finden, was Geschichte und Menschenleben über die geheimnisvollen Kräfte der Seele und das Geisterwesen überhaupt berichten. Im ersten Teil wird die Seele in ihrer körperlichen Hülle und nach dem Tod in ihrem entfesselten Sein als guter Geist, beschützend und warnend, dem Leser klar vor Augen geführt. Der zweite Teil handelt von neckenden und feindlichen Geistern, nämlich von den Seelen unbußfertiger oder mit schwerer Schuld beladener Verstorbener. Mögen diese Mitteilungen das volle Interesse der Leserinnen und Leser in Anspruch nehmen, wie es der Herausgeber redlich wünscht.
Nächtliche Erscheinung des Königs von Schweden
Auf dem alten Königschloss zu Stockholm widerfuhr König Karl XI. folgende ernste nächtliche Erscheinung.
Aus seinem Kabinett auf den gegenüberstehenden, geschlossenen Reichssaal hinschauend, erblickte er diesen in einer stockfinsteren Nacht zu seinem Erstaunen hell erleuchtet. Man schickte schnell nach dem Kastellan, um den Saal zu öffnen. Der König selbst eilte mit Graf Brahe, seinem Günstling, und dem Leibarzt Baumgarten, die zufällig bis in die Nacht bei ihm verweilen mussten, dorthin.
Eintretend stellte sich ihnen folgendes Bild dar: Der Saal war mit schwarzen Tapeten behängt und die vier Reichsstände hatten sich dort zu einer feierlichen Gerichtssitzung versammelt.
Auf dem Thron saß ein blutiger Leichnam. Zu seiner Rechten stand ein gekröntes Kind und zu seiner Linken stützte sich ein bejahrter Mann im Zeremonienmantel eines Reichsverwesers auf die Lehne des Thrones.
In der Mitte des Saales saß an einem mit Büchern und Pergamentbriefen besetzten Tisch ein Kollegium von Richtern.
Nach einem dreimaligen Handschlag des Vorsitzenden auf das Gesetzbuch wurden einige vornehm gekleidete Jünglinge mit auf dem Rücken gebundenen Händen von einem Henker in brauner Lederkleidung hereingeführt und sofort auf dem Block enthauptet.
Der Erste und Vornehmste der Verurteilten sah besonders mutig und entschlossen aus. Als sein Kopf fiel und das Blut des Rumpfes den Fuß des Thrones bespritzte, begann der Leichnam auf dem Thron neuerdings zu bluten und zu zittern.
Niemand aus der Versammlung schien von dem eintretenden König und seinen Begleitern die geringste Notiz zu nehmen, bis Karl XI. schließlich die Gestalt des Reichsverwesers mit den Worten ansprach: »Wenn du Gottes bist, so rede!«
Darauf erwiderte die Gestalt mit feierlichem Ton: »König Karl! Dieses Blut wird nicht unter dir, sondern erst unter dem fünften Regenten nach dir vergossen werden! Wehe, wehe dem Hause Wasa!«
Daraufhin wurde die Stimme der Gestalt undeutlich, die Versammlung schien in ihren Formen durcheinander zu schwimmen und verschwand schließlich vollständig, ebenso wie alle Beleuchtung außer den Fackeln der königlichen Begleiter. Mit diesen befand sich der König nun allein im leeren Saal, der wieder die alten, farbig gewirkten Tapeten und das alte Getäfel aus Eichenholz zeigte. Man hörte noch einige Zeit lang ein Geräusch, das ein Zeuge mit dem Rauschen der Blätter und ein anderer mit dem Klang zerrissener Harfensaiten verglich. Einstimmig behaupteten jedoch alle, dass das Gesicht ungefähr zehn Minuten gedauert habe. Karl ließ alsobald eine Relation des Geschehenen aufzeichnen und von seinen Begleitern unterschreiben. Er selbst setzte seine Unterschrift mit den Worten hinzu: »Wenn das, was ich, der König, hiermit bekräftige, nicht die redlichste Wahrheit ist, so verzichte ich auf jede Hoffnung eines seligen Lebens, welches ich vielleicht durch einige gute Werke, durch meinen Eifer, mein Volk glücklich zu machen, und durch meine Anhänglichkeit an die Religion meiner Vorfahren verdient haben könnte.«
Diese Erzählung wurde noch zu Lebzeiten des Königs bekannt und soll noch im Original vorhanden sein.
Lange wusste man keine Begebenheit anzugeben, die diese nächtliche Erscheinung hätte erklären können.
Jetzt glaubt man, den Kommentar hierzu im Mord an Gustav III. und in der Hinrichtung Ankarströms zu finden.
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