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Das Marktg’schlärf von Wolfratshausen … Teil 2

Das Marktg’schlärf von Wolfratshausen, der Raub- und Mordritter Judas von Teufelsnest und der fromme Pilger und heilige Märtyrer Konrad Nantovin
Eine höchst schauerliche Ritter-, Räuber-, Mörder- und Gespenstergeschichte aus dem 13. Jahrhundert
Altötting, ca. 1860

Verschwundener Jammer

Die geneigten Leser haben aus Valentins Mund die Beschreibung der Marterwerkzeuge in der Folterkammer des Regensburger Rathauses vernommen, die noch heute gut erhalten dort zu sehen sind – natürlich nicht die gleichen, aber das ist ohnehin egal, da sie bei Bedarf nachgeschafft wurden. Wir sehen täglich bei unseren Gerichten und von Zeit zu Zeit auch bei den Schwurgerichten, dass Verbrechen aufgedeckt und nach den Gesetzen bestraft werden, ohne dass Folter nötig ist. Als diese noch bestand, wurden gewiss unzählige Menschen in Deutschland und anderen Ländern unschuldig hingerichtet, weil sie die schrecklichen Martern nicht ertragen konnten.

Einzelne Fälle aus der Folterkammer zu Regensburg, die erst mehr als zweihundert Jahre nach Valentins Erzählung vorkamen, verdienen es, der Vergessenheit entrissen zu werden.

Von den vielen Hunderten, die dort gefoltert wurden, muss man bei der Jahreszahl 1472 an den Erlbacher denken, der dreimal lebendig, achtmal mit Steinen aufgezogen, geschupft und auf der Leiter gebrannt wurde, weil man wollte, dass er auf der Folter sterben sollte – aber umsonst! Ebenso des Bürgermeisters Wolfgang Lißkirchner, der als altersschwacher Greis, weil 200 Pfund in der Rechnung fehlten, in der Christmarterwoche sieben Mal an einem Tag aufgezogen wurde, um ein Geständnis von ihm zu erpressen.

Am Montag nach Ostern 1543 wurde er infolge der erzwungenen Geständnisse hingerichtet.

Hier war es auch, wo jener General Hanns Ulrich Schaffgotsch, der des Einverständnisses mit Wallensteins Abfall verdächtigt wurde, um ihn zu Aussagen zu zwingen, obgleich er schon bei seiner Festsetzung zum Tode bestimmt war, drei Stunden lang alle Qualen der Tortur ertrug. Er wandte sich an den Kaiser und bat für sich, seine Frau und seine kleinen Kinder um Erbarmen, doch er fand keines. Das Urteil im Namen des Kaisers erschien, doch ohne dessen Unterschrift. Daraus ist zu vermuten, dass jene Bitte von erbitterten Feinden unterschlagen wurde und gar nicht zur Kenntnis des Kaisers gelangte.

Das Urteil lautete: »Da die Tortur schon geschehen sei, solle man nicht, wie angetragen, vor der Enthauptung noch die rechte Hand abhauen, sondern er solle ohne Aufenthalt hingerichtet werden.«

Die Richter, die aus General Götz als Präsidenten sowie C. Slawata, Dr. Stralendorf, Dr. Hildebrand, Dr. Puchner und Dr. Pindelmaier bestanden, beantragten daraufhin beim Kaiser eine zweite Tortur. Sie argumentierten, dass der Kaiser an weiteren Informationen interessiert sein müsse, da der Verurteilte ohnehin bereits zum Tode verurteilt sei und somit als Sklave der Strafe und als ein Leichnam zu betrachten sei.

Der protestantische Geistliche Donauer, der ihn auf seinen Tod vorbereitete, beschrieb ihn wie folgt: »Er war eine überaus schöne, lange Person, holdselig und liebreich in Worten und Gebärden, wohl und trefflich gereist. Es sind ihm auch viele Bücher gewidmet worden, in denen er als Fürst der deutschen Jugend bezeichnet wird.«

Die Hinrichtung Schaffgotschs erfolgte am 23. Juli 1635 auf der Haid. Von jenem Zimmer des Regensburger Rathauses, das 1861 als Büro des königlichen Aufschlagamtes diente und Schaffgotschs Arrestlokal war, trat dieser Unglückliche seinen letzten Gang an. Er starb standhaft und völlig unschuldig. Anschließend wurde der Leichnam auf dem südlichen Vorplatz der protestantischen Dreieinigkeitskirche beerdigt. Diesen Platz bezeichnete ehedem ein kleiner Sandstein mit seinem Wappen und den Anfangsbuchstaben H.U.S. (Hanns Ulrich Schaffgotsch). Später verschwand dieser bei einer Reparatur und niemand kennt heute die letzte Ruhestätte des Generals.

Einen im Jahr 1647 verhörten Genuesen, der trotz jeglicher Folter alles leugnete, brachte man nur dadurch zum Geständnis, dass man ihm zumutete, sich in einen glühend heißen, eisernen Armsessel voller spitzer Zinken zu setzen. Da begann er zu gestehen, dass er über fünfzig Morde begangen habe und dass er es auch auf den Erzherzog abgesehen habe. Vom Rathaus aus wurde dieser Ausländer, der Doktor der Rechtsgelehrsamkeit war, nach Linz abgeführt.

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