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Der Märkische Eulenspiegel 24

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauert seine Sachen mit sieben Ehebrechern bezeugen sollte

Einmal kam Clauert in großem Regen nach Westendorf, das eine Meile von Jüterbog entfernt liegt. Im Gasthof Zum Krug saß ein ganzer Tisch voller Gäste. Als diese mit der Mahlzeit begonnen hatten, betrat Clauert den Raum und begrüßte die Gäste mit seltsamen und lächerlichen Worten. Unter anderem sagte er: »Wenn ich mit euch essen dürfte, wäre das eine gute Manier.«

In diesem Moment kam ein Kriegsmann herein, der Clauert sehr gut kannte, und empfing ihn. Die anderen Gäste fragten den Wirt, wer dieser Abenteurer sei. Der Wirt nannte ihnen seinen Namen: Er hieße Hans Clauert.

Unter den Gästen saß nun auch einer, der aus einem Dorf nicht weit von dort stammte. Dieser fragte ihn: »Potztausend, seid Ihr der Clauert? Von euch habe ich viel gehört, aber ich habe euch mein Leben lang nicht gesehen oder gekannt. Kommt doch näher zu uns heran und sagt uns, was euch bei diesem schlechten Wetter hinausgejagt hat.«

Er bat Clauert zugleich, sich zu ihnen zu setzen.

Clauert merkte wohl, dass er hier einen Mann gefunden hatte, der für ihn die Zehrung auslegen könnte. Deshalb gedachte er, zunächst Bekanntschaft mit ihm zu machen. Da er die anderen, die mit ihm am Tisch saßen, kannte, sagte er: »Ach nein, mein lieber Herr, ich darf mich nicht niederlassen, denn ich bin reisefertig und habe eine wichtige Sache zu erledigen, weswegen ich das schlechte Wetter nicht scheuen darf.«

Je mehr er ihn aber bat, sich niederzusetzen, desto mehr weigerte sich Clauert, bis er schließlich sagte: »Wenn ich aber wüsste, dass ihr euch sämtlich meiner Sache annehmen und mir aus meiner Not helfen wolltet, so könnte ich wohl diesen Tag bei euch verweilen.«

Jener bat, er möge seine Sache vorbringen. Wenn sie ihm dienen könnten, so werde er sie gewiss bereitwillig finden.

Darauf sagte Clauert: »Ach, liebe Herren und gute Freunde, meine Frau hat mich so schwer verklagt, dass ich nicht mehr in unserem Land bleiben darf. Und ob ich unschuldig bin, so wurde mir doch auferlegt, binnen drei Tagen zu erscheinen und meine Unschuld mit sieben Ehebrechern zu bezeugen. In dieser Sache werden wir doch etliche von euch, wie ich nach eurem Anerbieten hoffe, dienlich sein können.«

Die Leute wurden allesamt schamrot und wussten nicht, was sie antworten sollten. Sie fingen an, sich zu entschuldigen, und sagten, dass ihr Zeugnis Clauert keinen Nutzen bringen würde, da sie keine Ehebrecher waren und das Gericht ihnen daher auch gar nicht gestatten würde, in dieser Sache für ihn zu zeugen.

Clauert kratzte sich hinter den Ohren und rief mit lauter Stimme: »Ich bin nun durch drei Länder gezogen und habe nach solchen Zeugen gesucht, aber keiner will sich meiner erbarmen, obwohl sie es sehr wohl könnten. Auch hier will sich niemand dazu verstehen, und der arme Mann muss nun so elend verjagt sein.«

Dann zeigte er auf zwei von denen, die dort saßen, welche er sehr genau kannte, und sprach weiter: »Und besonders ihr beide könntet mir in dieser Sache wohl dienen und mich aus der Not retten, wenn ihr nur wolltet. Sie tun aber, als ob sie mich nicht hörten, wenn ich sie darum anspreche.«

Der Fremde merkte wohl, dass unter den Gästen Ehebrecher waren, wollte sie jedoch nicht weiter belästigen. Er zog deshalb Clauert zu sich an den Tisch, hieß ihn essen und trinken und sagte, er wolle es gern bezahlen. Dann fing er an, von anderen Sachen zu reden. Clauert gab ihm auf alles eine hinreichende Antwort und trieb so viele Possen, dass sie alle an diesem Tag vergaßen, von dort abzureisen.

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