The Rifleman
Inmitten der unzähligen Westernserien, die das sogenannte Goldene Zeitalter des Fernsehens in den 1950er Jahren hervorbrachte, sticht The Rifleman (1958–1963) als eine der bemerkenswertesten Produktionen hervor. Was auf den ersten Blick wie ein weiterer Beitrag zum Genre erscheinen mag – inklusive Revolverhelden und Präriekulisse –, entpuppt sich schnell als tiefgründiges Familiendrama mit moralischer Substanz, cineastischer Qualität und überraschender Emotionalität.
Die Serie wurde am 7. März 1958 zunächst als Teil von Dick Powell’s Zane Grey Theatre auf CBS vorgestellt, bevor sie am 30. September desselben Jahres regulär bei ABC startete. The Rifleman war ein Projekt der renommierten Four Star Productions und wurde unter der kreativen Führung von Arnold Laven, Arthur Gardner und Jules V. Levy produziert. Ursprünglich basierte die Serie auf einem Drehbuch des späteren Kultregisseurs Sam Peckinpah, dessen Handschrift besonders in den frühen Episoden noch spürbar ist – etwa durch seine Auseinandersetzung mit Gewalt, Entfremdung und der Komplexität des Westernmythos. Doch es war Arnold Laven, der der Serie ihre charakteristische Richtung gab: ein maßgeschneidertes Winchester-Gewehr als zentrales Symbol, aber vor allem eine Vater-Sohn-Beziehung im Mittelpunkt des Geschehens – ein Novum im Western-Genre der damaligen Zeit.
Im Zentrum der Serie steht Lucas McCain, gespielt von Chuck Connors, ein aufrechter Farmer und ehemaliger Soldat, der seinen Sohn Mark (herzerwärmend dargestellt von Johnny Crawford) allein großzieht. Der titelgebende Rifleman trägt nicht einfach nur ein Gewehr, sondern es ist ein Symbol für sein Verantwortungsbewusstsein, seine Prinzipien und seine kompromisslose Haltung gegenüber Ungerechtigkeit. Der Westernheld als moralischer Kompass – das war neu. Lucas McCain schießt nicht aus Lust am Kampf, sondern nur, wenn es sein muss – und dann auch nur mit ruhigem Gewissen.
Das Gewehr, das in der Eröffnungsszene mit technischer Raffinesse abgefeuert wird, mag das Publikum anziehen, doch die wahren Schüsse, die The Rifleman abfeuert, sind moralischer Natur. Jede Episode dient als Parabel über menschliches Verhalten, Verantwortung, Vergebung und Charakterstärke. Oft basieren die Geschichten sogar auf biblischen Motiven, wie in der Episode Home Ranch, in der Lucas die Geschichte von Hiob erzählt.
Was The Rifleman zu einem echten Klassiker macht, ist unter anderem die Chemie zwischen Connors und Crawford. Die herzliche und glaubwürdige Darstellung der Vater-Sohn-Beziehung war damals revolutionär. Die Serie bot ein alternatives Familienmodell: einen alleinerziehenden Vater, der sich mit den Schwierigkeiten des Alltags und der Erziehung konfrontiert sah. Die Zuneigung zwischen den beiden Schauspielern war nicht nur gespielt, sondern echt. Connors und Crawford blieben Zeit ihres Lebens eng befreundet, was sich auch in der Authentizität ihrer Darstellung niederschlägt.
Mit Paul Fix als dem abgeklärten Marshal Micah Torrance, einem ehemaligen Alkoholiker auf dem Weg zur Rehabilitierung, und Joan Taylor als der Gemischtwarenhändlerin Miss Milly wird die Serie zudem von starken Nebenfiguren getragen. Insgesamt traten über 500 Gaststars auf, darunter spätere Größen wie James Coburn, Dennis Hopper, Michael Landon oder Robert Vaughn, die ihre Karrieren mit einem Besuch in North Fork begannen, dem fiktiven Handlungsort der Serie.
Formal und stilistisch setzte The Rifleman neue Maßstäbe. Die musikalische Untermalung von Herschel Burke Gilbert zählt zu den markantesten Soundtracks der Fernsehgeschichte: eine eingängige Melodie, die Abenteuer verspricht, aber auch eine emotionale Tiefe vermittelt. Inszenatorisch ragt besonders Joseph H. Lewis heraus, ein Meister des Film Noir. Mit seinem Spiel aus Licht und Schatten sowie ungewöhnlichen Kameraperspektiven verlieh er der Serie eine düstere, beinahe poetische Bildsprache. Von den 51 von ihm inszenierten Episoden profitiert The Rifleman atmosphärisch enorm.
Auch hinter der Kamera brillierte ein Who’s Who der Fernsehwelt: Ida Lupino, Richard Donner oder James Clavell (später bekannt durch Shogun) sorgten mit ihrer Regiearbeit für künstlerische Vielfalt.
Mit 168 Episoden über fünf Staffeln hinweg bleibt The Rifleman ein Paradebeispiel für serielles Erzählen mit ethischem Anspruch. Die Mischung aus Western-Action, familiären Konflikten, philosophischer Tiefe und aufwändiger Inszenierung sicherte der Serie einen festen Platz in der amerikanischen TV-Geschichte. 2004 wurde Lucas McCain vom TV Guide als einer der 50 besten TV-Väter aller Zeiten ausgezeichnet. Bereits 1959 erhielt Johnny Crawford eine Emmy-Nominierung – eine Seltenheit für einen Kinderdarsteller in einer Westernserie.
Was bleibt, ist das Bild eines Mannes mit einem Gewehr – nicht als Symbol der Gewalt, sondern als Werkzeug eines moralisch integren Helden, der sich der Verantwortung für seinen Sohn und seine Gemeinschaft stellt. The Rifleman zeigt, dass ein Western mehr sein kann als Schießereien und Prügeleien in Saloons: Er kann ein Lehrstück über Menschlichkeit sein.
Fazit:
Ein Western mit Seele – filmisch anspruchsvoll, emotional überzeugend und moralisch tiefgründig. The Rifleman ist nicht nur ein Klassiker seines Genres, sondern ein Meilenstein des Fernsehens.
Quellen:
• wikipedia
• fernsehserien.de
(wb)

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