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Jim Buffalo – 25. Abenteuer – Kapitel 2

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922
Das 25. Abenteuer Jim Buffalos
Die Bankräuber auf dem Pepin-See
2. Kapitel

In den Händen der Geldräuber

Zwei Tage später hielt das über und über mit Staub bedeckte Teufelsauto am Hafen von Prärie du Chien.

Als Jim Buffalo die dort ankernden Fahrzeuge musterte, klärte sich sein verdüstertes Gesicht auf. Er hatte das Boot wiedererkannt, auf welchem der Bankräuber entkommen war.

Als er eben das Boot betreten wollte, stolperte über die schmale Laufplanke desselben ein betrunkener Mann, und wenn Jim Buffalo dem Schwankenden nicht beigesprungen wäre, hätte dieser seinen Mordsrausch sicher mit einem kalten Bad im Mississippi büßen müssen.

»Gestattet, dass ich Euch in Eure Koje bringe?«, meinte er, und brummend ließ sich der Betrunkene an Bord begleiten, wo er in seiner Kajüte verschwand.

Ein Neger hatte dem Beginnen Jim Buffalos grinsend zugeschaut und wandte sich nun wie erklärend an diesen.

»Well, Mister, wenn Massa Kapitän viel verdienen, dann auch viel trinken!«

»Hm, er hat wohl von dem Mann mit der Handtasche viel Geld bekommen?«

Der Neger zuckte erschreckt zusammen.

»Was wissen Massa von dem Gentleman? Er uns tiefstes Schweigen geboten.«

»Das glaube ich! Schweigen ist Gold!«

Dabei drückte er dem Schwarzen ein Goldstück in die Hand.

»Nochmal so viel bekommst du, wenn du mir sagst, wohin der Mann gegangen ist?«

»O, nicht gegangen, immer gefahren! Nach dem Pepin-See hinauf.«

»Mit welchem Boot?«

»Mit dem Blitz

»Donnerwetter!«

Das Erstaunen Jim Buffalos war berechtigt, denn das Boot trug diesen Namen. Es musste ein vorzügliches Fahrzeug sein, das es den Weg bis zum Pepin-See gemacht hatte und schon wieder zurück war.

»Ist die Maschine noch unter Dampf?«

»Well, wir sind ja eben erst zurückgekommen.«

Jim Buffalo ließ ein weiteres Goldstück in die Hand des Negers gleiten.

»Well, dann spute dich, mein Boy! In einer Viertelstunde müssen wir wieder unterwegs sein.«

»0 – o!«, stammelte der Schwarze. »Was werden Massa Kapitän dazu sagen?«

»Nichts, mein Boy, nur immer Whisky trinken.«

»Und da er der beste Herr von der Welt, er nie armen Neger schimpfen und schlagen.«

»Loben wird er dich, wenn du meinen Befehl ausführst!«

Der Neger weigerte sich zwar noch eine Weile, schließlich aber kroch er in den Maschinenraum hinunter, und wenige Minuten später dampfte das Boot wieder den Mississippi hinauf.

Kapitän Richardson, der Besitzer des Blitz, riss Augen und Ohren auf, als er am anderen Morgen auf das Deck trat.

»Verdammt meine Augen und Ohren, wenn der Blitz nicht fährt!«, fluchte er.

»Allerdings, Kapitän, und zwar auf meinen Befehl!«

»Damned, wer ist hier Herr auf dem Boot? Sie oder ich?«

»Kalkuliere der, der es bezahlt!«, war die ruhige Antwort Jim Buffalos.

»All right! Wenn es so gemeint ist? Wohin soll denn die Fahrt gehen?«

»Nach dem Pepin-See hinauf!«

»Hell and devil, schon wieder? Dahin bin ich doch erst in vier Wochen bestellt?«

»Unsinn, Kapitän! Warum soll denn die Staatsbank so lange warten?«

»Staatsbank? Was ist das wieder für Blödsinn? Wollt Ihr einen alten Mississippimann zum Narren halten? Seid Ihr auch einer von den Querköpfen, die dort Käfer und Pflanzen sammeln wollen?«

»Haha, Käfer und Pflanzen?«, prustete Jim Buffalo los. »Geldräuber sind es, die die Nationalbank um achthunderttausend Dollar erleichtert haben und nun ein wenig zurückgezogen leben wollen, bis Gras über die Geschichte gewachsen ist.«

»Geldräuber?«, stammelte Kapitän Richardson. Er brachte vor Erstaunen und Schrecken den Mund gar nicht wieder zu.

»Well, die Ihr in Eurem Whiskytaumel für gelehrte Professoren gehalten und Euch unwissentlich der Mittäterschaft schuldig gemacht habt.«

»Verdammt, meine Augen! Ich, der alte, ehrliche Richardson?«

Der arme Kapitän wurde abwechselnd rot und blass.

»Nun, beruhigt Euch nur, Kapitän«, antwortete Jim Buffalo. »Wir machen den Irrtum eben wieder gut. Und Ihr verdient ein schönes Stück Geld dabei!«

»Aber kielholen will ich mich lassen, wenn ich nochmals ein Glas von dem verdammten Zeug anrühre!«

»Na, eins werden wir doch noch zusammen trinken, wenn wir die Burschen wieder haben. Und dafür will ich schon sorgen! Diese Kanaillen, einen ehrlichen Mississippimann zu narren!«

Und zum Sprachrohr eilend, schrie er in den Feuerungsraum hinunter: »Hallo, Jumbo, fauler Schlingel! Eingekachelt, dass die Wände glühen! Wir fahren wie die reine Schneckenpost!«

Die Feuerungstüren glühten, der Schornstein warf feurige Rauchsäulen in die Luft hinaus, das ganze Boot stöhnte und zitterte unter den gewaltigen Stößen der Maschine und der scharfe Bug durchschnitt wie ein Pfeil die schäumenden Fluten.

Der Blitz und der Teufel trugen ihre Namen mit Recht.

Fünf Tage lang währte die tolle Fahrt, bis man bei Fort Schnelling in den Sankt-Petersfluss einlief, den man noch eine Strecke lang aufwärts befahren konnte. Dann wurde das Wasser zu seicht.

Die Teufelsmaschine wurde ausgeschifft und der Blitz unter der Obhut des Negers zurückgelassen.

Nach einer halben Tagesfahrt hielt das Auto endlich an den lieblichen Ufern des Pepin-Sees. Der Geldräuber, zu dem später, wie der Kapitän berichtete, in Prärie du Chien noch einige Kumpanen gestoßen waren, die jedenfalls einer ganzen Bande angehörten, hatte den Weg bis zum See in einem Boot gemacht und bald fand der Kapitän die Stelle wieder, wo er die Männer ausgebootet hatte.

Dieselbe lag etwa fünfhundert Meter vom Ufer entfernt auf einem kleinen Eiland, das dicht mit Gebüsch bewachsen war.

»Wir müssen hinüberschwimmen«, meinte Jim Buffalo nach kurzer Überlegung. »Das heißt, wenn Ihr mit von der Partie sein wollt?«

»Selbstredend, ich werde Euch doch nicht allein lassen!«

Rasch warfen beide Männer die überflüssige Kleidung ab und schwammen zur Insel hinüber, die sie, wie sie glaubten, ohne bemerkt zu werden, erreichten.

»Wenn die Burschen nur noch hier sind«, meinte der Kapitän, sich wie ein Pudel schüttelnd.

»Well, ich werde einmal auf Kundschaft gehen!«

»Und ich suche einstweilen ein Plätzchen zum Frühstücken!«

Jim Buffalo schritt in den Wald hinein.

Eine friedliche Stille herrschte ringsum. Selbst die Vögel schienen sich vor der heißen Sonnenglut zurückgezogen zu haben.

Wie ein Indianer kroch Jim Buffalo vorwärts, jedes Geräusch vermeidend. Und nun blitzte es freudig in seinen Augen auf. Die feine, kaum bemerkbare Rauchsäule, die drüben aus den Bäumen emporstieg, bekundete ihm, dass die Bankräuber dort ihr Lager aufgeschlagen hatten.

»Hah, also doch noch erwischt!«, sprach er vergnügt vor sich hin. »Die Burschen wiegen sich in Sicherheit und haben keine Ahnung, dass ich hinter ihnen her bin. Na, wartet nur, bald werde ich euch ein anderes Quartier verschaffen!«

»Als Quartiermeister für die Hölle, verdammter Spion!«, tönte da plötzlich eine raue Stimme hinter ihm, und als er sich erschreckt umwandte, sah er drei Männer vor sich stehen, die ihn höhnisch angrinsten.

Man hätte sie für Gentlemen halten können, so sorgsam waren sie gekleidet, und die langen Bärte und die blauen Brillen, mit denen sie sich unkenntlich gemacht hatten, gaben ihnen ein wirklich gelehrtes Aussehen.

Blitzschnell wollte sich Jim Buffalo erheben, aber schon sah er die blinkenden Läufe dreier Revolver auf sich gerichtet.

»Bleibt nur ruhig sitzen, Mister Jim Buffalo, wie ich kalkuliere. Das Auto da drüben ist Eure beste Visitenkarte! Ihr seid jetzt in unserer Gewalt und es wird Euch wohl einleuchten, dass wir Euch freiwillig nicht wieder ziehen lassen werden. Ehe Ihr uns von hier wegbringt, sterbt Ihr!«

Aber Jim Buffalo dachte gar nicht daran, sich einschüchtern zu lassen. Und wenn ihn die Kerle auch momentan überwältigten, er würde schon Mittel und Wege finden, sich wieder zu befreien.

Der Wortführer der drei, den Jim Buffalo sofort als den gesuchten Riffers erkannt hatte, wandte sich nun an einen seiner Begleiter.

»Well, bindet den Burschen, aber fest, dass er uns nicht entschlüpfen kann!«

Lachend löste der Angeredete einen Lasso von seinem Leib, den er unter dem Rock getragen hatte, dann trat er langsam auf Jim Buffalo zu, während die beiden anderen noch immer ihre Revolver auf diesen gerichtet hielten.

Jim Buffalo blieb ruhig stehen, er schien sich in sein Schicksal ergeben zu haben.

Nun stand der Mann vor ihm und wollte sich zu ihm niederbeugen.

Da richtete sich Jim Buffalo auf, so blitzschnell und unerwartet, dass die anderen gar nicht zum Schießen kamen, wenn sie ihren Gefährten nicht töten wollen.

Wie mit Eisenklammern hielt er den zappelnden und laut um Hilfe schreienden Kerl gepackt und schleuderte ihn wie einen Spielball auf seine Genossen.

Ebenso rasch hatten aber auch die Bankräuber die Flucht ergriffen und stürzten in den Wald hinein. Eine kurze Zeit hörte er ein Poltern und Krachen, wie fallendes Steingeröll, das Brechen von Zweigen. Dann war alles still.

Plötzlich krachte vom Strand her, wo er den Kapitän des Blitz zurückgelassen hatte, ein Schuss, dem sofort ein zweiter folgte.

»Alle Wetter, jetzt haben sie die alte ehrliche Wasserratte in der Mache!«, fluchte Jim Buffalo und stürmte eilenden Laufes den Weg zurück.