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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 37

Der Tempel der Morgenröte zu Jüterbog

Als Albrecht der Bär im Jahre 1157 dem Wendenfürsten Jaczo die von demselben weggenommene Feste Brandenburg wieder abnahm, eroberte gleichzeitig der Erzbischof Wichmann von Magdeburg Land und Stadt Jüterbog und zerstörte dort den heidnischen Götzentempel des Jutrebog, eines Gottes oder einer Göttin des Lichts oder der Morgenröte. Derselbe hat, wie man noch heutzutage erzählt, auf einer, wie es scheint, künstlichen Anhöhe in der dortigen Vorstadt gestanden, und zwar zwischen der jetzigen Schmiede und der Kirche. Noch im 16. Jahrhundert soll derselbe vorhanden gewesen sein, wenigstens berichtet der Diakonus Hannemann in seiner im Jahre 1607 herausgegebenen Jubelschrift Folgendes: »Von einer solchen heidnischen Entstehung der Stadt hat es auch Anzeichen gegeben, das uralte Templein, welches ungefähr nun vor vierzig und etlichen Jahren ist eingerissen worden war, darinnen der heidnische Götzendienst der wendischen Morgengöttin soll sein geleistet worden. Dies Templein, welches auf dem Neumarkt bei dem steinernen Kreuz gestanden, ist in der Länge, Breite und Höhe bis an das Dach recht viereckig von Mauersteinen aufgeführt gewesen, hat oben ein Kreuzgewölbe und darüber ein viereckiges Dach gehabt. Die Tür oder Eingang von abendwärts ist niedrig gewesen, also dass man im Eingehen sich etwas hat bücken müssen. Es hat auch keine Fenster gehabt, sondern nur ein rundes Loch, mit einem starken, eisernen Gitter verwahrt, gegen Morgen, und zwar genau gegen Sonnenaufgang zur Nachtgleiche, so groß wie der Boden von einer Tonne, dass das Licht hat hineingehen können. So habe ich es von mehreren Personen, die noch am Leben sind, beschreiben hören.« So berichtet der alte Diakonus. Frühzeitig hat man nun schon ein Kreuz aus Granit, das nun nur noch anderthalb Fuß aus der Erde hervorragt, ehemals aber mehrere Ellen Länge gehabt haben soll, neben diesem Tempel aufgerichtet, und es steht nun noch dicht vor dem Haus des Schmieds. Als man es von da zu der Zeit des Großvaters des jetzigen Schmiedes, weil es abgebrochen, oder wie andere sagen, von einem weißen Bullen umgerannt war, weggenommen, da hat sich des Nachts ein fürchterliches Lärmen und Poltern hören lassen, und ein weißer Hund hat unausgesetzt an der Stelle gelegen, wo das Kreuz gestanden, und ist auch nicht eher gewichen, als bis man dasselbe wieder an die alte Stelle gebracht hat.

Zur linken Seite der Schmiede liegt auch eine kleine runde Anhöhe, auf der man in neueren Zeiten einen Kreis von Linden und mitten hinein einen eben solchen Baum gepflanzt hat. Diese kleine Höhe heißt der Tanzberg und hat, wie man sagt, davon ihren Namen, dass die alten Wenden hier ihre heidnischen Tänze gehalten haben.