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Der Märkische Eulenspiegel 2

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie es Clauert erging, als er von seinem Meister auf die Wanderschaft ging

Als Clauert das Schlosserhandwerk gelernt hatte und von seinem Meister entlassen worden war, wo er noch viele seltsame Streiche spielte, ging er auf die Wanderschaft, konnte aber immer noch keine Arbeit finden. Da er nun sein Geld verzehrt hatte, kam er eines Abends in ein Dorf, wo gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Der Schmied des Dorfes war mit seiner Frau und seiner Tochter eingeladen. Clauert fragte den Schmied nach einer Herberge.

Dieser aber antwortete ihm: »Die kleinen Schmiede tun den großen Schmieden nichts Gutes. Darum sollst du bei mir keine Herberge nehmen, sondern ins Wirtshaus gehen.«

Der arme Geselle wollte nicht aus dem leeren Beutel bezahlen. So ging er hin und legte sich unter einen Schoppen vor des Schmiedes Tür, in der Meinung, wenn der Schmied nach Hause käme, so wolle er ihn überreden, ihn in Herberge zu nehmen. Hier hatte Hans Clauert mehr Glück als Recht. Denn als er in der Kälte vor der Tür des Schmieds lag, kam dessen Tochter vom Tanzen nach Hause, um das Vieh zu füttern.

Diese ließ die Haustür offen, und während sie nun ihren Schmuck in die Kammer legte, schlich Clauert unterdessen behände in die Stube und stieg auf die Hürden über dem großen Kachelofen, um dort die Nacht im Warmen zu schlafen. Denn in diesem Dorf hat jeder Bauer über seinem Kachelofen eine geflochtene Hürde, auf der er im Winter den Käse zu trocknen pflegt. Hier lag nun Clauert in größter Angst und Schrecken, und das Mädchen ging wieder zum abendlichen Tanz.

Als nun der Schmied und seine Frau von der Hochzeit heimkamen und längst zu Bett gegangen waren, brachte die Tochter des Schmieds den Sohn des Dorfschulzen mit, setzte sich mit ihm hinter den Tisch, tischte Essen und Trinken auf und scherzte freundlich mit ihm, bis der junge Schulze sie fragte, ob sie ihm nicht einen Kuss geben wolle. Zuerst weigerte sich das brave Mädchen, aber schließlich gab sie doch nach.

Um das alles zu beobachten, rückte Hans Clauert ein Stück weiter. Da wurde plötzlich der untere Teil schwerer als der obere, und er fiel mit den Hürden vom Ofen herunter. Darüber erschraken beide sehr, liefen davon und ließen Essen und Trinken samt dem Licht auf dem Tisch stehen.

Clauert, der darüber für seinen hungrigen Magen sehr erfreut war, steckte das Brot und die anderen Speisen in seine Tasche, fand auch noch fünf Groschen Geld auf dem Tisch liegen, die er ebenfalls mitnahm, und trollte sich so zum Haus hinaus.

Den Rest der Nacht verkroch er sich außerhalb des Dorfes in einem Heuschober, wo er bis zum hellen Morgen sanft schlief. Denn er fürchtete, wenn der Schmied erwachte und ihn ergriff, so könnte er ihm den großen Hammer zu kosten geben, an den die kleinen Schmiede gar nicht gewöhnt sind.