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Jim Buffalo – 23. Abenteuer – Kapitel 3

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922
Das 23. Abenteuer Jim Buffalos
Der Prärieteufel
3. Kapitel

Mit Bill Cnox entkommen

Jim Buffalo bemerkte mit wachsendem Erstaunen, wie die Dämpfe immer lichter wurden und plötzlich sah er in einem geschützten Talkessel ein richtiges Lager vor sich liegen.

Dass es sich die Bewohner als bleibende Wohnstätte gewählt hatten, bekundeten die fest errichteten Blockhäuser, und auf den freien Plätzen, – darauf mochten sich wohl im wilden Kampfe die Sprösslinge der Prärieräuber tummeln, – hingen zum Trocknen aufgehängte Wäschestücke, die sicher nicht für die massigen Gestalten der wilden Gesellen zugeschnitten waren, die träge herumhockten und sich von der lieben Sonne bescheinen ließen.

Was aber das Herz Jim Buffalos bis ins Innerste erschauern machte, das waren zwei in der Mitte des freien Platzes errichtete Pfähle, an denen zwei Männer gefesselt standen. Bill Cnox und der vermisste Heizer.

In ihrer Nähe glühte ein mächtiges Kohlenfeuer, und einer der Männer war damit beschäftigt, eine gelbglühende Masse in einem eisernen Kessel umzurühren.

Auch der Indianer mochte den Sinn des Kessels erfasst haben, denn leise berührte er den Arm Jim Buffalos.

»Das der heiße Tod, mit dem sie arme Gefangene martern wollen. Hugh, das schlimmer als alle Martern der roten Männer, das teuflisch, wie ein Prärieteufel.«

Zu den Gefangenen trat nun eine riesige Männergestalt, der Prärieteufel.

»Good morning, Mister Gummimann!«, sprach er mit höhnischer Stimme. »Hoffe, dass Ihr eine angenehme Nacht verbracht habt. Habe schon oft von Euch gehört und will doch einmal probieren, ob Ihr auch gegen mein Schwefeltränklein gefeit seid. Schwefel soll sehr gesund für den menschlichen Organismus sein, wenn man ihn bei Euch auch in verstärkter Form anwenden muß! Haha! Dem Prärieteufel wolltet Ihr trotzen, ihm, dem noch kein Mensch widerstanden hat? War eine Dummheit von Euch, mir einen Besuch abstatten zu wollen, denn zugeschworen habe ich es mir: Lebend kommt keiner heraus! Und selbst dann müsstet Ihr sterben, wenn Ihr einer der unseren sein wolltet, denn dann müsste ich Euch fürchten und misstrauen, und ich dulde keinen Nebenbuhler neben mir! Macht also Eure Rechnung mit dem Himmel, bald wird der Teufel über Euch triumphieren!«

Die Umstehenden stießen ein rohes Gelächter aus und jubelten ihrem entmenschten Führer zu.

Und lachend hob der Mann am Kessel die Schaufel, dass die gelbglühende Masse wie flüssiges Gold funkelte.

»Soll ich ihm ein Kostpröbchen geben, Kapitän?«

Miss Ellen Gardie stieß bei diesem grauenhaften Anblick einen gellenden Schrei aus.

»Hilfe, Jim Buffalo, oder Bill Cnox ist verloren!«

Dieser Schrei, in höchster Todesangst ausgestoßen, hatte einen doppelten Erfolg.

Wie eine explodierende Bombe wirkte er auf die Insassen des Räuberlagers, die entsetzt aufschauten und, das Auto gewahrend, laute Flüche und Verwünschungen ausstießen.

Ihr Ingrimm wuchs noch, als der gefesselte Bill Cnox einen lauten Freudenschrei ausstieß.

»Hallo, Jim Buffalo, Ihr kamt gerade noch vor dem Geräuchertwerden! Herab, mit dem Teufelsauto! Drauf auf die Schufte!«

»Jim Buffalo, der Mann mit der Teufelsmaschine!«

Die rohen Banditen mochten schon mehr von dem furchtbaren Mann gehört haben, denn entsetzt rannten sie nach allen Richtungen auseinander. Nur der Anführer, der Prärieteufel, wie er sich selbst nannte, hatte seine Fassung behalten.

»Haha, gleich zwei Teufelsbraten für meine Pfanne!«, hohnlachte er. »Nur heran, du Popanz, der du nur kleine Kinder furchten machst! Der gelbe Tod über dich!«

Was diese herausfordernden Worte bedeuteten, sollte Jim Buffalo sofort erfahren. Die kurze Frist, die sich die unterirdischen Elemente gegönnt, war verstrichen. Erneut und mit verdoppelter Gewalt schossen die gelben Dampfschwaden aus dem Erdboden, das ganze Lager in wenigen Sekunden wieder vollständig einhüllend.

Nur das gellende Hohnlachen des Prärieteufels klang noch herauf.

Dann vernahm Jim Buffalo ein klapperndes Geräusch, wie das Galoppieren von Pferden.

Das war schneller geschehen, wie es auszudenken war.

Jim Buffalo, durch den Schrei Miss Gardies aus seiner Erstarrung gerissen, hatte bereits seine Maschine angekurbelt, im rasenden Tempo die steile Böschung hinunterjagend.

Mitten durch die Schwefeldünste ging die wahnsinnige Fahrt, dass die Augen schmerzten und die beißende, ätzende Luft sie zu ersticken drohte.

Es war, als ob das Teufelsauto in einem Schwefelregen dahinjagte, als ob der Fürst der Hölle selbst das Auto führe.

Oft machte das Gefährt gewaltige Sätze, als ob es in der Luft schwebe, dann wieder neigte es sich, dem Umstürzen nahe, gefährlich zur Seite.

Zischen, Sausen und Brausen klangen in die Ohren Jim Buffalos und seiner Begleiter. Der wilde Kriegsruf des alten Häuptlings war längst verstummt. Miss Ellen Gardies lehnte wie leblos auf ihrem Sitz, ein ersterbendes Röcheln auf ihrem Mund.

Fünf Minuten währte die wahnwitzige Fahrt durch die heißen Schwefeldünste, dann wurde es wieder licht vor ihnen.

Das Auto hatte die Gefahr überwunden, war im geschützten Tal der Prärieräuber angelangt.

Leider um wenige Minuten zu spät, wie die leeren Plätze an den beiden Pfählen kündeten.

Nur der Kessel mit dem kochenden Schwefel brodelte noch immer über dem Feuer, sonst war das Lager leer und verlassen.

Jim Buffalo war um Minuten zu spät gekommen.

Er schäumte vor Wut, als er die Flucht der Prärieräuber bemerkte.

Vergebens schaute er sich nach ihnen um, aber überall trafen seine Blicke die undurchdringlichen Schwefelwolken, die das Lager wie einen Schutzwall umgaben. Aus seinem finsteren Dahinbrüten rissen ihn die düsteren Worte des alten Häuptlings.

»Wo ist der versprochene Skalp des Prärieteufels? Das Blassgesicht hat mich wieder betrogen!«

»Schweig, alter Narr!«, herrschte Jim Buffalo den Häuptling an, dass dieser vor dem zürnenden Blick erschreckt zurückwich.

»Der Schuft ist entkommen, aber ich muss, hörst du, ich muss ihn finden und vernichten!«

Wie ein Wahnsinniger rannte er in dem Lager umher, bis er endlich den Ausweg gefunden hatte.

Ein schmaler Weg, durch die Hufspuren der Pferde leicht erkennbar, führt nach oben.

»Wohin?«

Die wallenden Schwefeldämpfe ringsum gaben keine Antwort auf diese Frage.

»Wie lange, Häuptling, glaubt Ihr, dass die verdammten Nebel hier lagern werden?«, wandte er sich an den Indianer.

»So viel Stunden wie Finger an meiner rechten Hand und noch einen dazu.«

»Damned, also sechs Stunden?«, stieß Jim Buffalo ingrimmig hervor.

»Und inzwischen Prärieteufel weit, weit fort von hier!«

»Hast du Mut, Häuptling?«

»Nur Skalp von Prärieteufel, dann gern sterben!«

»Und Sie, Miss Gardie?«

»Ich bin ja schuld daran, dass unser Rettungswerk misslungen ist«, gab diese trostlos zurück. »Hätten mir meine Nerven keinen Streich gespielt, so blieben die Unholde ungewarnt.«

»Na, wer hätte bei diesem teuflischen Anblick auch ruhig bleiben können, Miss?«, tröstete sie Jim Buffalo. »Sind die Unholde auch entwischt, so wird sie mein Auto dennoch finden. Aber wir müssen nochmals hindurch?«

Er deutet mit der Hand in die Schwefeldünste hinein.

Miss Ellen Gardie nickte stumm.

Um wenigstens einigermaßen vor den gefährlichen Dämpfen geschützt zu sein, suchte Jim Buffalo die noch auf der Leine hängenden Leinwandstücke zusammen und durchnässte sie mit dem klaren Wasser, das sich im Lager befand.

»Los!«, kommandierte er dann, als sich alle mit den wassertriefenden Leinwandstücken versehen hatten.

Den Motor zur Höchstgeschwindigkeit einstellend, fuhr das Auto mitten in die Dünste hinein.

Minuten höchster Erwartung vergingen.

Dann stieß Jim Buffalo einen hellen Jubelruf aus. Die Schwefelquellen lagen hinter ihnen. Vor ihnen dehnte sich unabsehbar die weite, grüne Prärie aus.