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Der Rabbi und der Kommissar – Du sollst nicht morden

Michel Bergmann

Der Rabbi und der Kommissar – Du sollst nicht morden

Wie der Titel des Romans schon nahegelegt, ermittelt in dieser Geschichte, die in Frankfurt am Main spielt, ein jüdischer Rabbi namens Henry Silberbaum an der Seite eines deutschen Kommissars namens Berking.

Die Story beginnt damit, dass Henry Silberbaum für einen älteren Bewohner des Seniorenstifts, das er mit anderen zusammen betreut, tausend Euro auf der Trabrennbahn auf das Pferd Josephine M. setzt. Das Pferd ist Außenseiter, und der Rabbi denkt zuerst, als es weit zurückliegt, er habe das Geld verloren. Dann aber startet die Stute eine Aufholjagd, und am Ende gewinnt sie das Rennen. Der Rabbi ruft den alten Mann an, für die er gewettet hat, und teilt ihm mit, dass er vielleicht vierzigtausend Euro gewonnen hat.

Als er dem Gewinner am nächsten Morgen sein Geld bringen will, ist der sechsundachtzig Jahre alte Mann gerade gestorben. Die Heimleiterin, Frau Simon, ist zugegen und findet den letzten Willen des Toten in einem Kuvert im Zimmer. Er vermacht all sein Hab und Gut und sein Vermögen dem jüdischen Seniorenstift, sein Trabrennpferd Josephine M. allerdings geht an Rabbi Silberbaum. Unterhalt und Stallmiete soll vom Erlös der Lebensversicherung des Verstorbenen bestritten werden. Der Gewinn des Pferdes wird für den neuen Fitnessraum gespendet, immerhin achtundzwanzigtausend Euro.

Nach einigen Ausführungen über das Leben und die Beziehungen des Rabbis schildert der Autor den Besuch einer alten Dame, die zur jüdischen Gemeinde gehört, in seinem Büro. Frau Axelrath, so heißt die Frau, kommt zusammen mit ihrem Hund namens Betty und hat dem Rabbi etwas Wichtiges mitzuteilen.

Zuerst schildert sie einen Einbruch in ihrem Wohnhaus. Der Einbrecher, ein Mann, der eine Skimütze über das Gesicht gezogen hatte, kam in der Küche auf sie zu, aber sie hatte keine Angst und sagte, wenn er sie töten wolle, solle er es tun. Ein Mensch mit dem Zeichen, das die Nazis den nach Auschwitz Deportierten eintätowierten und das sie trug, fürchte sich vor niemanden mehr. Als sie es ihm zeigte, war der Mann dermaßen perplex, dass er flüchtete.

Frau Axelrath will nun das Land verlassen und nach Israel zu ihrer Tochter ziehen, die dort ein Hotel betreut, das der Familie gehört. Sie hat ihrem Mann von dem Plan nichts erzählt und will ohne ihn nach Israel gehen. Sie vermutet, dass er sie betrügt. Er ist ihr zweiter Mann und zehn Jahre jünger als sie.

Die alte Dame möchte der Gemeinde eine Million Euro für eine Bibliothek spenden und einen Termin mit ihrer Anwältin machen, um dies schriftlich zu fixieren. Ihr Vermögen will sie ihrer Tochter vermachen, und ihr Mann bekommt nur das Wohnrecht in ihrer Frankfurter Villa und soll ansonsten von einer kleinen Rente leben. Eine Stiftung in Liechtenstein, die ihre Anwältin mit dem Geld gründen wollte, wird sie nicht ins Leben rufen.

Kurze Zeit später stirbt Frau Axelrath in ihrer Villa, bevor sie ihre Pläne in die Tat umsetzen kann. Der Rabbi vermutet sehr schnell, dass sie ermordet wurde, bittet Hauptkommissar Robert Berking von der Frankfurter Kripo, der ihn zuvor bei einer harmlosen Tat auf dem Friedhof erwischt und wegen Grabschändung und Störung der Totenruhe verhaftet hatte, um Mithilfe bei seinen Nachforschungen, und eine ausgesprochen kurzweilige Kriminalgeschichte nimmt ihren Lauf.

 

 

Michel Bergmann erzählt eine äußerst interessante Story, die vor allem sehr witzig und lebendig über das Leben eines modernen Rabbiners und seiner Gemeinde informiert. Dabei verwendet der Autor auch häufig Begriffe aus dem Jiddischen, die er anschließend in einem umfangreichen Glossar erklärt. Aber nicht allein die Sprache macht seinen Krimi so außergewöhnlich. Auch die Beschreibung der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und der Tätigkeiten eines Rabbiners sind sehr lesens- und nachdenkenswert.

Zusätzlich zu der Beschreibung des pulsierenden Lebens unserer jüdischen Mitbürger in Frankfurt am Main und Israel gelingt es dem Erzähler, eine spannende Kriminalgeschichte auf das Papier zu bringen, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, und deren Auflösung erst auf den letzten Seiten erfolgt.

Ganz am Ende bittet dann der Kommissar, der Henry Silberbaum zum größten Teil allein ermitteln lässt und ihm immer dann beisteht, wenn es wirklich nötig ist, um Mithilfe des Rabbis bei einem neuen Fall, der im nächsten Roman von Michel Bergmann Thema wird.

Zu erwähnen ist am Ende noch, dass die gesamte Geschichte sehr modern daherkommt, kein bisschen altmodisch, wie man zunächst vermutet. Sowohl die beschriebenen Menschen als auch die Methoden, mit denen der Rabbi arbeitet, sind aktuell und zeitgemäß, moderner jedenfalls, als man es von Krimis mit einem Geistlichen als Ermittler denkt.

Fazit:

Michel Bergmann gelingt mit seinem ersten Kriminalroman Der Rabbi und der Kommissar – Du sollst nicht morden nicht nur eine Kriminalgeschichte, die den Leser zu fesseln vermag, sondern auch eine äußerst interessante Beschreibung des Lebens und der Menschen – insbesondere des Geistlichen – in einer jüdischen Gemeinde in Deutschland. Dabei sind die Menschen und auch die Ermittlungsmethoden dieser Geschichte sehr modern und kein bisschen altmodisch. Ich kann diesen Krimi deshalb nicht nur dem Krimi-Fan empfehlen, der gerne einen gut strukturieren, spannenden Fall konsumiert, sondern auch dem Leser, der Interesse am Leben der Juden in dem Land hat, das ihnen einst den Holocaust bescherte.

Der Autor:

Michel Bergmann wurde 1945 als Kind internierter jüdischer Flüchtlinge in Basel geboren, wuchs in Paris und Frankfurt am Main heran und lebt heute in Berlin. Er absolvierte eine Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau und war anschließend freier Journalist, bevor er als Producer, dann als Regisseur und schließlich als Drehbuchautor beim Film arbeitete (Hallo, Onkel Doc, Otto – Der Katastrophenfilm, Hagedorns Tochter, Bis dass der Tod uns scheidet, Polizeiruf 110, Unter Verdacht, Soko Wißmar etc.). Er bekam den Deutschen Industriefilmpreis, den New York Film Award und den Hessischen Drehbuchpreis 2016.

Seit 2010 schreibt er auch Romane. Das vorliegende Buch ist sein erster Kriminalroman und Auftakt einer Reihe.

Quellen:

Michel Bergmann, Der Rabbi und der Kommissar/ Du sollst nicht morden, Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe, 4. Auflage, München, 2021.

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung der Penguin Random House Verlagsgruppe.
  • Foto des Autors. Copyright: Bogenberger Autorenfotos. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung der Penguin Random House Verlagsgruppe.

(ww)

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