1. Advent

Unser Lese-Tipp

Des Teufels Depressionen

Download-Tipps

Nick Carter- Band 5

Archive
Folgt uns auch auf

Jim Buffalo – 13. Abenteuer – Kapitel 2

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Ein verbrecherischer Filmfabrikant
Das 13. Abenteuer Jim Buffalos

2. Kapitel

Der Fürst der Hochstapler

Kaum eine Stunde war vergangen, als Buffalos Diener wiederum das Arbeitszimmer betrat.

»Mister Duffferin!«, meldete er.

Erfreut erhob sich der große Abenteurer.

Er war stets angenehm überrascht, wenn ihn der New Yorker Polizeichef, der ihm zum Freund geworden war, einmal zu außergewöhnlicher Zeit aufsuchte.

Mit ausgestreckten Händen eilte er dem Inspektor entgegen,

»Nun, alter Freund, sieht man Sie auch wieder einmal«, rief er herzlich. »Aber, zum Teufel, was ist das für ein Gesicht, was Sie da zur Schau tragen? Kommen Sie von einem Leichenbegängnis?!

»Nein«, erwiderte Dufferin verstimmt, »aber von einer vergeblichen Caterpink-Jagd!«

»Fred Caterpink? Waren Sie schon wieder einmal hinter ihm her?«

Der Polizeichef nickte. Mit einem qualvollen Seufzer ließ er sich in den Sessel niederfallen, auf welchem kurz vorher Mr. Steel Platz genommen hatte.

Jim Buffalo blieb mit leisem Lächeln vor dem Freunde stehen. »Sagen Sie einmal – warum jagen Sie eigentlich hinter diesem eigenartigen Menschen her?«

»Warum … Warum? Weil er ein Hochstapler ist!«

»Hm – ein Hochstapler! Wissen Sie, Dufferin, ich wäre froh, wenn wir noch mehr solcher »Hochstapler« hätten, wie es Caterpink einer ist!«

Der Polizeichef sah auf. Einen Augenblick malte sich über Buffalos Worte eine fast grenzenlose Überraschung auf seinem Gesicht, dann nickte er still.

»Das ist auch meine Meinung!«

»Na also!«

»Ja – meine Meinung als Mensch! Denn Caterpink betrügt und bestiehlt die Schieber und Wucherer nur, um seinen Raub ärmeren Volksschichten zuzuführen. Aber …«

»Gibt es da ein Aber?«

»Ja! Aber als Beamter muss ich ihn dingfest zu machen suchen! Seine Taten – mögen sie auch noch so herzerhebend und ideal sein – sie lassen sich nicht mit den Paragrafen der Gesetzbücher in Einklang bringen!«

Buffalo war ernst geworden.

»Gewiss«, sagte er. »Das sehe ich ein. Aber trotzdem – ich kann dem Hochstapler nur meine größte Bewunderung entgegenbringen!«

Buffalo sah träumerisch zum Fenster hinaus.

»So ein Mann setzt Tag für Tag seine persönliche Sicherheit und Ehre für die Armen aufs Spiel«, fuhr er leise fort. »Deswegen verfolgt man ihn mit allen Mitteln, die der Polizei zu Gebote stehen. Weiß Gott, Dufferin, ich habe vor diesem Manne eine unbeschränkte Hochachtung!«

Dufferin stieß einen ellenlangen Fluch aus.

»Ich auch!«, wetterte er. »Aber was hilft’s? Ich bin der Polizeichef von New York und habe als solcher die Pflicht, den Kerl zu verhaften! Und dabei sollen Sie mir helfen!«

Buffalo wich einen Schritt zurück.

»Ich?«

»Ja, Sie! Deswegen komme ich gerade zu Ihnen!«

»Hm – unsere Freundschaft in Ehren, Dufferin – aber da mache ich nicht mit! Ich bin kein Beamter und bin daher auch nicht verpflichtet, den großartigen Menschen zu verfolgen! Und wenn Sie gekommen sind, um mich zu bitten, mit auf ein Kesseltreiben gegen Caterpink zu gehen, so muss ich Ihnen diese Bitte gleich von vornherein abschlagen. Da mache ich nicht mit!«

Dufferin machte eine verzweifelt-komische Bewegung.

»Dann kann ich ja wieder gehen!«

»Hiergeblieben!« lachte Buffalo und ließ sich dem Freund gegenüber nieder. »Sind Sie denn einzig und allein um Fred Caterpinks Willen hierhergekommen?«

»Ja. Der Fürst der Hochstapler plant schon wieder einen neuen Staatsstreich!«

»Das ist interessant. Gegen wen, wenn ich fragen darf?«

Gegen einen gewissen Mr. Simpson Bringthon.«

»Wer ist das?«

»Ein Schieber natürlich. Pro forma ist er wohl Direktor irgendeiner Gesellschaft und ich nehme an, dass er unter diesem Deckmantel allerlei dunkle Geschäfte betreibt oder betrieben hat, hinter die Caterpink wohl gekommen ist. Simpson Bringthon hat sogar schon von Caterpink einen Brief bekommen!«

»Woher wissen Sie das?«

»Bringhton war bei mir im Büro und übergab mir den Brief. Er verlangt, dass wir als Polizeibehörde den Hochstapler dingfest machen.«

»Haben Sie den Brief bei sich?«

»Freilich – wenn Sie ihn lesen wollen – bitte …«

Hastig griff Buffalo nach dem Schreiben und las:

Verehrter Mr. Bringthon!

Sie sind ein großer Gauner! Vor sechs Monaten kamen Sie mit zerrissenen Hosen nach New York und heute besitzen Sie eine Villa. Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Ich werde mir erlauben, Ihnen in den nächsten Tagen eine Visite zu machen, um Sie um ein paar Tausend Dollars zu erleichtern. Bis dahin bin ich mit besten Grüßen Ihr

Fred Caterpink.

Buffalo lachte vergnügt auf.

»Caterpink muss ein ganz patenter Kerl sein«, meinte er dann. »Es käme mir wirklich wie eine Sünde vor, diesen Mann hinter Schloss und Riegel zu bringen. Wer weiß, wie dieser Bringthon zu seinem Vermögen gekommen ist! Wer weiß auch, wie viel Existenzen er auf seinem Gewissen hat!«

In diesem Augenblick rasselte das Telefon.

Buffalo griff zum Hörer.