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Jim Buffalo – 11. Abenteuer – Kapitel 1

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Das Geheimnis der Stahlkassette
Das 11. Abenteuer Jim Buffalos

1. Kapitel

Im Irrenhaus

»Wer wünscht mich zu sprechen?«, fragte Professor Ellison erstaunt.

»Mr. Jim Buffalo!«, wiederholte der Diener zum zweiten Mal mit einer respektvollen Verbeugung.

Professor Ellison erhob sich rasch.

Jäh hatte seine Gesichtsfarbe die Röte verloren. Er war blass geworden.

»Jim Buffalo …«, murmelte er. »… Jim Buffalo.«

Mit ein paar schnellen Schritten trat er ans Fenster.

Seine Augen suchten die Straße ab.

Richtig!

Dort unten stand das geheimnisvolle Automobil mit den sechs Rädern, das man die Teufelsmaschine nannte und deren sich der größte Abenteurer aller Zeiten stets auf seinen Reisen und Abenteuern zu bedienen pflegte. Professor Ellison schien sein besonders gutes Gewissen zu haben, denn seine Knie wankten bedenklich, als er sich dem Diener wieder zuwandte.

»Ich lasse bitten!«

Seine Stimme klang matt und zitternd.

Bald darauf überschritt eine hohe, schlanke Gestalt mit edlem, kühnem Antlitz das Gemach.

Der sehnige, kraftvolle Körper steckte in einem pilotenartigen Kostüm, wie auch die Mütze der der modernen Flugzeugführer ähnlich war.

Jim Buffalo trat mit leichter Verbeugung näher.

»Mr. Professor Ellison?«, fragte er.

Der Direktor der Privatirrenanstalt von Tuckyfield nickte.

»Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?«, fuhr er fort, sichtlich bemüht, seiner Stimme festen Klang zu verleihen.

»Eine Angelegenheit, die eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollte, wenn sie nicht durch ein eigenartiges Vorkommnis von Neuem ans Tageslicht gezerrt worden wäre.«

Der Professor sah lauernd zu Buffalo hinüber.

Diese Antwort war schleierhaft gehalten.

War der Besucher gewillt, im Trüben zu fischen?

Er ließ es sich nicht anmerken, wie es in ihm brodelte, wie ihm das Herz bis zum Hals herauf schlug, sondern bot Jim Buffalo mit verbindlichem Lächeln an, im bequemen Sessel Platz zu nehmen.

Buffalo ließ sich nieder. Seine klugen Augen überflogen das luxuriös ausgestattete Gemach, um dann wieder auf dem Direktor der Anstalt hängen zu bleiben.

»Ich komme im Auftrag einer Dame, Herr Professor«, begann er darauf, ohne den Blick von Ellison abzuwenden. »Dürfte ich den Namen erfahren?«

»Gewiss. Es ist Mistress Fuller!«

Bei Nennung dieses Namens wurde Ellison noch um einen Schein fahler.

Jim Buffalo sah es.

Für Sekunden blitzte es drohend in seinen Augen auf.

Dann jedoch fuhr er gleichgültig fort: »Mrs. Fuller ist vor drei Tagen in Ohio verstorben.«

Blitzte es drüben bei Ellison nicht freudig auf?

»Ja«, sprach Jim Buffalo weiter, »die alte Dame hat das Zeitliche gesegnet. Kannten Sie sie genauer?«

Professor Ellison überlegte.

»Ich entsinne mich dunkel, ihr einmal im Leben begegnete zu sein«, sagte er dann. »Ich kann mich nicht mehr genau erinnern.«

Jim Buffalo verzog keine Miene.

»So«, meinte er. »Hm — Mrs. Fuller hat ein seltsames Testament hinterlassen — in diesem Schriftstück sind Sie reichlich bedacht worden!« Professor Ellison stierte erregt zu dem gelassenen Sprecher hinüber.

»Mich bedacht?«, stammelte er. »Mrs. Fuller hat mich bedacht? Und reichlich bedacht, sagen Sie? Wie soll ich das alles verstehen? Ich kannte die Dame fast gar nicht …«

Jim Buffalo zuckte die Achseln.

»Das kann ich noch nicht beurteilen. Ich bin zum Vollstrecker des nachgelassenen Testament bestimmt worden.«

»Sie?«

»Allerdings. Ich habe eine Abschrift mitgebracht – vielleicht machen Sie sich die Mühe, sie einmal durchzulesen.«

Mit zitternden Fingern griff der Professor nach dem Papier, das Buffalo aus der Tasche zog.

Hastig entfalteter es.

»Nehmen Sie sich Zeit«, sprach Jim Buffalo. »Ich habe es nicht so eilig!«

Professor Ellison rückte die Brille zurecht.

Dann las er:

Mein letzter Wille!

In meiner letzten Stunde, die ich in völliger geistiger Frische und im Besitz meiner sämtlichen Geisteskräfte verbringe, gebe ich meinen letzten Willen kund, und zwar soll mein Mann James Walter Fuller, den ich vor 16 Jahren in die Irrenanstalt des Professors Ellison in Toledo brachte, sofort auf freien Fuß gesetzt werden. Mein Mann ist nicht geisteskrank und auch nie geisteskrank gewesen! In meiner Ehe betrog ich ihn mit Professor Ellison und dieser machte mir den Vorschlag, meinen Mann als wahnsinnig zu erklären, ihn in eine Anstalt zu bringen, damit er uns nicht mehr im Wege stand.

Ich habe dieses Verbrechen seit Jahren tief bereut, doch hielten mich die Drohungen Ellisons, der mich bald in größter Not zurückließ, davon ab, mich und den Professor des Verbrechens zu beschuldigen. In meiner letzten Stunde finde ich endlich den Mut und erkläre, dass Professor Ellison seine Anstalt zu verbrecherischen Zwecken benutzt, denen auch mein Mann zum Opfer gefallen ist!

Eleonore Fuller.

»Nun – was sagen Sie dazu?«, ließ sich Jim Buffalo hören.

Professor Ellison nahm langsam die Brille ab.

»Und Sie schenken diesem Wisch auch nur einen Augenblick Glauben?«

Jim Buffalo zuckte die Achseln. »Was heißt Glauben? Ich glaube nichts, was ich nicht mit eigenen Augen gesehen habe!«

Professor Ellison erhob sich.

Ein unheimliches Leuchten trat in seine Augen.

»Bitte …«, murmelte er. »Ich stehe Ihnen zur Verfügung.«