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Das Buch vom Rübezahl – Teil 25

Das Buch vom Rübezahl
Neu erzählt von H. Kletke
Breslau, 1852

26. Wie Rübezahl Holz fahren hilft

Ein armer Bauersmann hatte sich ein wenig Holz im Gebirge zusammengelesen, in der Hoffnung, solches bei guter Schneebahn bequem herunterzubringen. Da der Winter aber streng war und dabei wenig Schnee fiel, musste er mit Frau und Kindern große Kälte ausstehen. In solcher Not ging er in den Busch, um viel oder wenig Holz, so gut es ihm möglich sei, nach Hause zu schaffen. Wie er so recht in Gedanken dastand und keinen Rat wusste, das Holz den Berg hinunterzubringen, kam unverhofft ein Mann mit einem Schlitten auf ihn zu und fragte, was ihm fehle. Der Bauer klagte seine Not.

»Seid ohne Sorge«, entgegnete Rübezahl – denn dies war der an­dere –, »helft nur das Holz auf den Schlitten packen, dann will ich Euch hinunterhelfen.«

Da luden sie beide Schlitten, Rübezahls und des Bauern, voll auf. Rübezahl hieß ihn getrost bergab fahren und folgte ihm nach. Das ging wie der Blitz; ehe es sich der Bauer versah, waren sie unten. Rübezahl half ihm die Schlitten bis vor das Haus schieben, trat in die Stube und nahm vorlieb, was ihm die guten Leute, die an dem vielen Holz große Freude hatten, bereitwillig auftrugen.

Der Bauer gab ihm auch einige Groschen für seine Mühe und wollte ihm diese gern besser bezahlt haben, wenn er es hätte.

Zwei hübsche Kinder, welche in der Stube umhersprangen, gefielen Rübezahl besonders gut. Er rief das eine, einen munteren Knaben, freundlich zu sich, zog ein paar Kügelchen aus der Tasche und sagte: »Sieh, was ich dir zum Spielen schenke!« Der Knabe griff beherzt zu, und weil das andere Kind so verlangend danach blickte, aber sich nicht heranzukommen wagte, warf ihm Rübezahl gleichfalls so ein paar Kügelchen in den Schoß. Darauf nahm er Abschied und zog mit seinem Schlitten dem Gebirge zu.

Nach einer guten Weile, als die Eltern eine von den kleinen Kugeln in die Hand nahmen und näher betrachte­ten, entdeckten sie, dass es lauter gediegenes Gold sei. Da wurden sie recht von Herzen froh, denn sie waren blutarm und konnten nun von dem Gold eine schöne Zeit haushalten. Ihre Freude war so groß, dass sie das unverhoffte Glück sogar ihrem Nachbar erzählten, einem geizigen Mann, der ihnen nie in der Not geholfen hatte. Das machte dem Geizigen Lust, auf gleiche Weise zu solchem Glück zu gelangen. Am andern Morgen ging er gleichfalls ins Gebirge, um sich Holz zu holen. Doch weil ihm niemand zu Hilfe kommen wollte, so musste er zuletzt seinen Schlitten ganz allein und leer wieder nach Hause schleppen.