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Marshal Crown – Band 50 (Jubiläumsband)

… und dann kam Marshal Crown

Henry Quinn saß am Tisch auf der Veranda seines Hauses und war damit beschäftigt, die brüchigen Riemen eines Zügelwerks gegen neue zu ersetzen und das Leder einzufetten. Es war Samstagnachmittag, die Wochenarbeit auf der Ranch getan, also die beste Zeit für solcherlei zeitraubende, aber notwendige Dinge.

Er war fast damit fertig, als Hufschlag aufkam.

Der grauhaarige Rancher hob den Kopf und sah wie sich von Süden zwei Reiter dem Anwesen näherten. Sein Gesicht verfinsterte sich jäh, kaum dass er den vordersten der beiden Männer erkannt hatte. Es gab im ganzen County nur einen fetten, rothaarigen Hurensohn, der es sich leisten konnte in einem Silbersattel auf einem Dreihundert Dollar Pferd durch das Land zu reiten.

Einen Moment lang bedauerte er es, das er seinem Sohn und den beiden Cowboys erlaubt hatte, zusammen in die Stadt zu reiten, um sich zu amüsieren. Aber nur einen Moment, denn er wusste nur zu genau, das er die drei nicht ewig auf der Ranch festhalten konnte, auch wenn die Zeiten im Land immer unruhiger wurden.

Er warf das Zügelwerk auf den Tisch und drehte den Kopf nach hinten in Richtung der Haustüre, die einen Spalt weit offen stand.

»Johnny«, sagte er leise, aber bestimmend.

Es dauerte keine Sekunde, bis sich eine helle Stimme meldete: »Ja, Grandpa?«

»Schnapp dir dein Gewehr und stell dich hinter das Fenster neben der Eingangstür.«

»Erwartest du Ärger?«

Quinn nickte bitter. »Da kommen zwei Reiter zu uns, einer von ihnen ist Lockwood.«

»Was will den der Hurensohn schon wieder?«

Henry Quinn grinste freudlos.

Normalerweise duldete er solche Wörter bei seinem Enkel nicht, aber in diesem Fall musste er dem Jungen recht geben, Andrew Lockwood war wirklich ein Hurensohn, ein gottverdammter Hurensohn sogar. Der Rancher stemmte die Fäuste in die Hüften und blieb abwartend stehen, bis die Reiter die Stallgebäude passierten.

Dann ging er ihnen entgegen.

Sein kantiges Gesicht wurde mit jedem Schritt, mit dem er den Reitern näher kam, immer finsterer.

Als die Männer ihn herankommen sahen zügelten sie ihre Pferde mitten im Hof.

Lockwood beugte sich vor und stützte sich mit der Linken auf das breite Horn seines Sattels, während er sich mit dem Zeigefinger der Rechten die Krempe seines hochkronigen Kalispellhutes aus der Stirn schob. Sein feistes Gesicht war puterrot und schnaufte er, als hätte er die Strecke bis zur Ranch zu Fuß zurück gelegt und nicht im Sattel eines Pferdes,

»Tag, Henry«, keuchte er, indes er dem Rancher grüßend entgegen nickte.

»Ich kann mich nicht entsinnen, das ich euch eingeladen habe. Also, was wollt ihr hier?«

»Warum so unfreundlich«, fragte Lockwood mit einem Lächeln, das so falsch war wie eine Sieben Dollar Note.

»Ich hatte in der Gegend gerade geschäftlich zu tun und da dachte ich, reit doch mal zum alten Quinn rüber und sag ihm guten Tag, so, wie es sich unter Nachbarn gehört.«

Der Rancher verzog sein Gesicht als hätte er Zahnschmerzen.

»Mit Geschäften meinst du wohl ehrbare Farmer und Rancher von ihrem Land zu vertreiben?«

Lockwood zuckte zusammen, als wäre er einer Klapperschlange auf den Schwanz getreten.

 

»Verdammt Quinn, was soll das? Ich bin nicht hierhergekommen, um mich von dir beleidigen zu lassen. Ich kann auch anders, wenn du dich weiterhin stur stellst.«

»Ich weiß, mich erschießen zum Beispiel. Den Mann dazu hast du ja schon mitgebracht, wie ich sehe.«, sagte Quinn mit einem kalten Lächeln, während er mit vorgerücktem Kinn auf den Reiter deutete, der neben Lockwood im Sattel eines sandfarbenen Grullas saß.

Jack Weaver war für Lockwood so etwas wie der Mann fürs Grobe.

Wo immer im County geprügelt, geschossen oder getötet wurde, war er dabei. Der hagere, hellhäutige Revolvermann mit den aschblonden Haaren war gefährlicher als ein Pumaweibchen, der man die Jungen wegnehmen wollte.

»Überleg dir was du sagst, Quinn, sonst …«

»Sonst was?«

In Weavers schräg stehenden Wolfsaugen blitzte es gefährlich auf.

»Sonst könnte es vielleicht sein, dass dir mein Boss schon bald mehr Schwierigkeiten bereitet, als du vertragen kannst.«

»Mag sein«, sagte der Rancher und lächelte kalt.

Quinn war nicht entgangen, das die Hand des Revolvermannes sich mit jedem seiner Worte immer weiter seinem 45er näherte, dessen zerschrammter Walnussholzgriff wie ein Geierschnabel aus dem tiefgeschnallten Holster ragte.

»Nur wirst du das nicht mehr erleben, wenn du nicht sofort die Finger von deinem Colt nimmst.«

Für einen Moment war ein Zucken in Weavers Mundwinkel zu sehen.

»Willst du mir etwa drohen, du Drei Kühe Rancher?«

Quinn sagte nichts, stattdessen rief er über die Schulter hinweg: »Bist du bereit Johnny?«

Weaver lachte schrill. »Was soll das Quinn, glaubst du tatsächlich, das du mir mit deinem Enkel Angst einjagen kannst? Solche Rotzlöffel wie den vertilge ich Dutzendweise zum Frühstück.«

Quinn sagte nichts, indes im Haus ein Gewehrlauf aus dem offenen Fenster neben der Eingangstür geschoben wurde. Dahinter tauchte das Gesicht eines halbwüchsigen Jungen auf.

Deutlich war zu hören, wie er das Gewehr repetierte.

Weavers Lachen endete im selben Moment, als der Abzugshahn gespannt wurde und ein Schuss krachte. Die Kugel riss ihm seinen schweren Filzhut vom Kopf, lies ihn durch die Luft wirbeln und hinter ihm wie einen Stein zu Boden fallen.

Der Revolvermann wurde blass wie ein frisch gestärktes Leinentuch.

»Das nächste Mal zielt er auf deinen Kopf«, sagte Quinn.

»Was soll das, Henry?« kreischte Lockwood. Seine Stimme klang nun nicht mehr so selbstsicher wie bei seiner Ankunft.

»Wir sind doch erwachsene Leute, wir können doch über alles reden.«

»Die Zeit des Redens ist längst vorbei und jetzt verschwindet von meinem Land, oder Johnny zielt das nächste Mal eine Handbreit tiefer.«

Wie zur Bestätigung seiner Worte krachte erneut ein Schuss. Die Kugel schlug dicht vor den Hufen der Pferde in den Boden und wirbelte eine Staubfontäne auf. Lockwood und Weaver hatten Mühe ihre aufgeschreckten Pferde unter Kontrolle zu bringen.

Quinn wartete, bis sich die Tiere wieder beruhigt hatten.

»Los, verschwindet!« sagte er dann und hob warnend seine zur Faust geballte Rechte.

Fluchend ritten die beiden von dannen, während sie die Drohungen des Ranchers verfolgten, bis sein Anwesen außer Sichtweite war.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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Eine Antwort auf Marshal Crown – Band 50 (Jubiläumsband)

  • Václav sagt:

    Herzlichen Dank
    freue mich auf die nächsten 50
    Der Roman hat mir, wie auch die vorigen 49, gefallen, mehr schreibe ich nicht dazu, will ja den anderen Lesern nicht die Spannung nehmen