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Weird Tales – Das Grab

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Das Buch vom Rübezahl – Teil 13

Das Buch vom Rübezahl
Neu erzählt von H. Kletke
Breslau, 1852

14. Der freigebige Rübezahl

Von Rübezahls Freigebigkeit hat man außerdem noch viele Beweise, wie folgende Geschichten lehren:

1.

Ein armes Weib ging aufs Gebirge, um Wurzeln zu suchen. Da kam Rübezahl als ein Bauer zu ihr, redete sie an und fragte, was ihr Begehr hier oben sei. Die arme Frau gab ihm zur Antwort, sie suche nur etliche Wurzeln, welche sie in die Apotheke tragen und verkaufen wolle.

»Wohlan«, sagte Rübezahl, »weil ich sehe, dass Ihr es nötig habt, kommt mit mir. Ich will Euch an einen Ort führen, wo Ihr Wurzeln in Menge findet.

Also ging die Frau mit ihm, bis sie an eine Stelle kamen, da war ein Loch im Felsen voll lauter Dukaten.

Rübezahl hieß sie nehmen, so viel sie wollte. Sie war jedoch bescheiden genug, aus Habgier nicht allzu tief zu greifen.

2.

Eine arme alte Frau, welche nach Kräutern und Wurzeln suchte, verirrte sich dabei im Wald. Da begegnete ihr der Berggeist in Gestalt eines Jägers, den bat die Frau, er möge ihr doch den rechten Weg sagen, damit sie rasch nach Hause komme und die Wurzeln zu Geld mache, denn sie habe noch kleine Kinder daheim, die schon etliche Tage kein Brot gegessen hatten.

Der Jäger entgegnete: »Die Wurzeln sind dir zu schwer, wirf sie weg. Ich will dir ein Laub weisen, das nimm und trage es in die Stad. Es wird dir mehr bringen als die schweren Wurzeln.«

Aber die Frau wollte nicht, sondern behielt ihre Wurzeln.

Da sprach der Jäger wiederum, indem er auf einen Strauch wies, von diesem solle sie Laub mitnehmen, das werde ihr nützlicher sein als die Wurzeln. »Streift Ihr auch von dem Laube a und tut es in den Korb.«

Die arme Frau dankte und ging fort, dachte aber bei sich, Was soll dir das Laub? und schüttete es fort. Als sie nach Hause kam und die Wurzeln herausnahm, klebten noch etliche Blättlein von dem Laub am Korb, diese zeigt sie den Leuten im Haus und sagte, es hätte ihr solche ein Jäger im Wald gegeben, sie sollte sie mitnehmen. Während sie so davon redete, wurden die Blättlein alle zu Gold und war jedes Blatt ein Dukaten gewesen. Die gute Frau, in dem Glauben, sie wisse die Stelle noch wohl, wo sie die anderen ausgeschüttet hatte, ging hin und suchte, fand jedoch weder Ort noch Blätter. Wenn sie behalten hätte, was ihr der Berggeist gab, sie wäre eine reiche Frau geworden. So ist manchem ein Glück beschert gewesen, was er leichtsinnig wieder verscherzt hat.

3.

Nicht so gut erging es einem armen Mädchen, welches im Gebirge einen Zimmermann traf und ihn um eine Schürze voll Späne bat. Aber die Späne, welche sie leicht erhielt, waren nicht eben so leicht nach Hause gebracht. Nach einer Weile wurden sie ihr so schwer, dass sie das ganze Laub, welches sie zum Futter für das Vieh gesammelt hatte, wieder fortwerfen musste . Ein wenig weiter schien es ihr unmöglich, auch all die Späne nach Hause zu schleppen. Bei jedem Schritt warf sie etliche davon aus der Schürze, um sich die Last zu erleichtern, bis sie endlich, weil ihr der Rest immer noch zu schwer wurde, den ganzen Plunder ärgerlich auf die Erde schüttete. Als sie nun mit leeren Händen nach Hause kam und unter Tränen erzählte, wie die verwünschten Späne sie so arg geplagt hatten, sah der Bauer, bei welchem sie diente, auf ihrer Schürze was blinkern und glitzern. Das war aber ein Stück reinen Goldes. Sogleich schickte er das Mädchen zurück, um den Zimmermann wieder aufzusuchen; aber der Zimmermann und die Späne waren verschwunden.