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Des Teufels Abenteuer …

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Das Geisterschiff – Kapitel 3

John C. Hutcheson
Das Geisterschiff
Kapitel 3

Habe ich es nur geträumt?

»Wo denn, Haldane?«, rief Mr. Fosset, der meinen Ruf als erster bemerkte, ein Fernrohr aufnahm, das griffbereit auf dem Dach des Steuerhauses der Brücke lag, und in seiner Eile eifrig jeden Teil des Horizonts abtastete, außer dem rechten. »Ich kann es nicht sehen!«

»Da ist es, Sir, ganz rechts«, sagte ich ebenso eilig und deutete über die Lee-Reling in die Richtung, in der ich das Schiff nur eine Sekunde zuvor gesehen hatte, als ich die Brückenleiter bestieg, obwohl ich es in diesem Augenblick wegen des Rauches aus unseren Schornsteinen, der in diesem Moment in einer dicken, schwarzen Wolke aufstieg, die quer über Steuerbord nach Lee quoll und die Sicht beeinträchtigte, nicht deutlich ausmachen konnte.

»Da vorne, Sir, da draußen!«

»Ich kann nichts sehen«, stieß Mr. Fosset ungeduldig hervor, als er sich aufrichtete, nachdem er sich auf dem Brückendeck so weit hinuntergebeugt hatte, um das fremde Schiff so gut wie möglich unter der Rauchwolke zu sehen, die nun am Horizont entlangzog und von dem starken Wind weit nach Lee über unser Schiff hinweg geblasen wurde. »Ich bin mir sicher, dass ich dort drüben nichts sehen kann, mein Junge; das musst du geträumt haben!«

»Ja, als du dich da unten in der Hängematte geräkelt hast«, sagte mein Freund, Master Spokeshave, der so getan hatte, als würde er von seinem Ende der Brücke aus Ausschau halten, weil er dachte, er müsse das tun, weil Mr. Fosset dort war, obwohl er von dieser Position auf der Backbordseite unmöglich etwas achtern sehen konnte, weil das Ruderhaus und der Schornstein, die natürlich hinter der Brücke lagen, die Sicht versperrten. Der mürrische kleine Kerl schnüffelte mit seiner Nase in der Luft, als wolle er auf mich herabsehen, obwohl er einen halben Kopf kleiner war, und sprach in seiner fiesen höhnischen Art, die mich immer wütend machte. Es machte ihm Spaß, jeden anzufauchen, wenn er die Gelegenheit dazu hatte, und so fauchte er jetzt weiter, wie eine Katze hinter einem Geländer, die einen Hund anfaucht, der sie nicht erreichen kann, um ihr giftiges Fauchen zu unterbinden. «Ich habe dich gesehen, mein Witzbold, wie du da unten in die Sterne geschaut hast, anstatt hierher zu kommen und mich zur rechten Zeit abzulösen! Ich glaube, du hast das mit dem Schiff nur behauptet, um deine Faulheit zu vertuschen und uns zu ärgern!«

»Ich habe nichts dergleichen getan, Mr. Spokeshave«, antwortete ich entrüstet, denn das kleine Biest kicherte und grinste Mr. Fosset an, als hätte er etwas ungemein Kluges auf meine Kosten gesagt. Ich sah jedoch, wo der Schuh drückte. Er war verärgert darüber, dass ich ihn auf seinen Tee hatte warten lassen, und daher seine boshafte Anspielung auf meine Verspätung bei der Wache. Ich wollte ihm also gerade eine scharfe Erwiderung geben, in der ich mich auf seine Liebe zu seinem kleinen Magen bezog, ein Schwachpunkt bei ihm und ein üblicher Scherz bei uns allen unter Deck zu den Mahlzeiten, als, noch bevor ich ein Wort aus der bissigen Schelte herausbekommen konnte, die ich ihm zugedacht hatte, sich die Rauchfahne plötzlich ein wenig nach Lee hob und den Horizont frei ließ. Ich erblickte wieder das Schiff, das ich über die Reling gesehen hatte. Das änderte sofort die Richtung meiner Gedanken, und so rief ich, ohne mir weiter den Kopf über Conky zu zerbrechen, dem Ersten Offizier so eifrig wie zuvor zu, umso mehr darauf bedacht, zu beweisen, dass ich in erster Hinsicht recht gehabt hatte. »Da ist es, Mr. Fosset, da ist es!«

»Wo in aller Welt schielst du jetzt hin, Junge?«, sagte er, etwas verärgert darüber, dass ich das Schiff nicht erkennen konnte, und neigte offenbar zu Spokeshaves Meinung, dass ich es gar nicht richtig gesehen hatte. »Wo denn?«

»Dort, Sir, auf der Leeseite«, rief ich und sprang in meiner Aufregung fast über das Brückengeländer. « Es ist fast quer zu unseren Besansegeln und keine Meile entfernt. Es scheint auf der Backbordseite zu liegen, Sir!«

Denn seltsamerweise, obwohl wir mit dem Wind, der mehr achtern gedreht hatte, gut zehn Knoten fuhren, sodass unser ganzes Vor- und Achtersegel zog, während das Schiff, das, als ich es vorher sah, mit dem Nordostwind zu laufen und quer zu unserem Kurs zu segeln schien, sodass es eigentlich seinen Abstand zu uns hätte vergrößern müssen, nun im Gegenteil immer näher zu kommen schien, als hätte es in der Zwischenzeit entweder den Kurs geändert oder wäre mithilfe irgendeiner Meeresströmung näher heran getrieben. Dabei waren seit meiner ersten Sichtung bestenfalls fünf Minuten vergangen, wenn überhaupt.

Aber noch seltsamer war, dass Mr. Fosset es nicht sehen konnte, obwohl es so deutlich zu sehen war wie die Sonne, die vor einer Weile im Westen unterging – zumindest für meine Augen. Als es sich auf unerklärliche Weise näherte, denn sein Bug war von uns weg gerichtet und der Wind wehte natürlich in die entgegengesetzte Richtung, da es sich in unserem Lee befand, erklärte ich, dass ich deutlich eine weibliche Gestalt, wie die eines jungen Mädchens mit langen Haaren, auf dem Deck achtern sehen konnte. Neben ihr bemerkte ich auch einen großen schwarzen Hund, der auf und ab sprang!

»Ich bin mir sicher, dass ich kein Schiff sehen kann, Junge«, sagte Mr. Fosset in diesem Moment. Noch während er sprach, beobachtete ich, wie das Segelschiff seinen Kurs änderte und sich die zerrissenen Segeltücher gegen die Masten drückten, als würde es sich drehen, obwohl es, so wie sich sein Kurs änderte, nicht unter Kontrolle zu sein schien.

»Es ist nichts in Sicht, Haldane, ich sage es dir. Was du vielleicht für ein Schiff gehalten hast, ist diese große schwarze Wolke, die im Süden aufsteigt. Es sieht aus wie einer dieser bösen Seenebel, die sich bilden, und wir müssen heute Nacht sehr genau Ausschau halten, ich kenne das.«

»Da ist kein Schiff«, wiederholte mein Freund Conky und tippte sich auf sehr beleidigende Weise an die Stirn, um anzudeuten, dass ich eine Schraube im oberen Stockwerk locker habe, wie man so schön sagt, grinste dabei, wie ich in dem schummrigen Licht sehr gut sehen konnte, und streckte seine lange Nase in höchster Verachtung in die Luft. «Der Junge ist entweder verrückt oder betrunken oder er träumt, wie Sie sagen, Sir. Es ist alles nur ein Hokuspokus, dass er ein Schiff gesichtet hat, und er will es nur ausreizen. Es ist kein Schiff da!«

»Können Sie etwas sehen, Atkins?«, fragte Mr. Fosset den Mann am Steuer. »Dort in Lee, meine ich.«

»Nein, Sir«, antwortete der Matrose, »nicht einen Fleck, Sir.«

»Sehen Sie etwas, Lampentrimmer?«

»Nein, das kann ich nicht bestätigen, Sir«, antwortete der alte Greazer, nachdem er lange über Lee in die angegebene Richtung geschaut hatte, »kein einziges Segel, kein Licht, gar nichts!«

Es war merkwürdig.

Denn in demselben Augenblick, als der Erste Offizier und Spokeshave, der Steuermann und der Lampentrimmer, die alle neben mir auf der Brücke standen, sagten, sie könnten nichts sehen, schwöre ich Ihnen, dass ich nicht nur das Schiff und die Gestalten an Deck sah, sondern auch bemerkte, dass das Mädchen auf dem Vorschiff mit einem Schal oder Taschentuch winkte, als ob es uns um Hilfe bitten würde. Gleichzeitig sprang der Hund in ihrer Nähe gegen die Schanzkleidung, und ich kann aufgrund der Tatsache, dass ich meine Ohren gespitzt habe, mit Bestimmtheit sagen, dass ich das Tier deutlich bellen hörte, und zwar mit jenem freudigen Bellen, mit dem ein gutmütiger Hund immer einen Freund seines Herrchens oder Frauchens begrüßt.

Ich konnte es nicht verstehen.

Es war sehr geheimnisvoll.

»Sehen Sie, sehen Sie, Mr. Fosset!« rief ich aufgeregt. »Da ist es! Da kommt es auf unserer Leeseite an! Sie müssen blind sein! Ich kann nicht nur das Schiff deutlich sehen, sondern auch direkt auf das Deck!«

»Unsinn, Junge, du gehst besser unter Deck«, sagte der Erste Maat schroff, während Spokeshave kicherte und dem Lampentrimmer und dem Mann am Steuerrad etwas zuflüsterte, das sie beide zum Lachen brachte.

»Irgendetwas stimmt mit dir nicht, Haldane, denn du scheinst nicht ganz bei Trost zu sein, also gehst du besser unter Deck und schläfst dich aus. Es ist kein Schiff in der Nähe, sage ich dir! Was du für ein Segelschiff gehalten hast, ist diese dunkle Wolke, die von der Leeseite heraufzieht und den Horizont schnell verdeckt. Es ist ein Seenebel, wie man ihn hier unterhalb der Banks, wo wir uns gerade befinden, häufig antrifft!«

Das mit der Wolke oder dem Nebel, oder was auch immer es sein mochte, stimmte, denn während Mr. Fosset sprach, schloss sich die Dunkelheit wie eine Mauer um uns, und das Schiff, von dem ich schwöre, dass ich es eben noch gesehen hatte, verschwand, und im selben Augenblick verschwanden auch der Himmel und das Meer und alles andere, und ließen uns sozusagen einsam im Raum zurück, denn der Dunstschleier war nicht zu durchdringen!