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Nick Carter – Ein Kampf um Millionen – Kapitel 8

Nick Carter
Amerikas größter Detektiv
Ein Kampf um Millionen
Ein Detektivroman

Ida, der weibliche Detektiv

Um die nächste Mittagsstunde traf Patsy Nick Carter am Broadway und teilte ihm mit, dass er wiederum eine Entdeckung gemacht habe. Kurz zuvor hatte er Mrs. Crombie ihr Hotel verlassen sehen, beschattet durch einen Angestellten einer ziemlich anrüchigen Privatdetektiv-Agentur.

»Well«, meinte Nick Carter, »die Reise der Lady und deren Zweck hier dürften wohl jenem Sydney Cariston, der die Familienerbschaft beansprucht, bekannt sein. Jedenfalls müssen wir herausbekommen, wer die Dienste dieser Agentur in Anspruch nimmt. Die Letztere soll gewiss feststellen, ob die Suche Mrs. Crombies nach ihrer verschwundenen Tochter erfolgreich ist oder nicht … hm«, setzte er nach kurzem Nachdenken hinzu, »das sieht ja fast so aus, als wüsste die Gegenpartei um das Vorhandensein dieser Tochter Marion – da gibts Arbeit für Ida!«

Ida war der weibliche Gehilfe Nick Carters und die Schwester Chicks, also eine Cousine des berühmten Detektivs.

Er beauftragte Patsy, Ida aufzusuchen und ihr zu sagen, dass Nick sie zu sprechen wünschte. Dann begab er sich zu dem Hotel, in welchem Mrs. Crombie abgestiegen war, um deren Rückkunft zu erwarten. Zugleich wollte er sich davon überzeugen, ob die Lady wirklich beschattet wurde. Er stellte sich derart auf, dass er den Hoteleingang übersah, ohne selbst gesehen werden zu können.

Nick Carter hatte nicht lange zu warten. Schon bald darauf sah er Mrs. Crombie zurückkommen, und sie wurde wirklich in unauffälliger Weise von einem Nick wohlbekannten Detektiv verfolgt. Dieser nahm in der geräumigen Vorhalle Platz und vertiefte sich in eine Zeitung; ein Zeichen, dass er abwarten wollte, ob die von ihm Beschattete das Hotel wieder verließ oder nicht.

Mit einem spöttischen Lächeln begab sich Nick, ungesehen von dem Kollegen, zu der Herrentoilette. Als er diese wieder verließ, war mit seinem Äußeren eine vollständige Verwandlung vor sich gegangen: Er sah plötzlich dem Inhaber des Detektivbüros, welcher den auf Mrs. Crombies Fährte gesetzten Mann beschäftigte, täuschend ähnlich.

Gelassen ging Nick an den in die Zeitung Vertieften heran, blieb stehen, wendete diesem halb den Rücken, schaute ebenfalls in eine Zeitung, räusperte sich und meinte nur kurz: »Rapport!«

Der Detektiv blickte nur flüchtig auf; er hatte offenbar seinen Chef erkannt und äußerste nun, gleichfalls wieder in die Zeitung schauend: »Nichts besonderes. Sie ging nur zu einem Warenhaus an der 6th Avenue, machte einige Einkäufe und ging hierher ins Hotel zurück.«

»Hat sie Besuch gehabt?«

»No, Sir …«

»Auch niemand von …«

»… von Nick Carters Leuten?«, fiel der Detektiv rasch ein. »Nein, ich sah keinen. Zuletzt nahm Carter die Lady mit nach Folly, um Mlle. Viola zu besuchen. Das ist alles.«

»Sah Mrs. Crombie die Künstlerin seitdem wieder?«

»No, Sir … einzig und allein jener Anwalt suchte sie auf …«

»Well, da sind zwei beteiligt … Sie sprechen von …«

»Hagar, der uns beschäftigt.«

Nick Carter brummte etwas Unverständliches vor sich hin und ging weiter. Als er bald darauf das Hotel durch einen anderen Ausgang verließ, war er wieder er selbst geworden. Wenige Minuten später fand er sich an dem verabredeten Ort ein, wo eine bildhübsche, hoch gewachsene Brünette mit sympathischen weichen Zügen ihn bereits erwartete.

»Well, Ida«, meinte er, nachdem er seiner getreuen Mitarbeiterin den Sachverhalt in kurzen Worten geschildert hatte.

»Dieser Hagar ist ein gefährlicher und schmutziger Winkeladvokat, dem alles zuzutrauen ist. Ich werde es einrichten, dass du mit Mrs. Crombie intim wirst. Dann gehst du zu Hagar und verrätst mich an ihn.«

»Dich verraten, Nick?«, gab Ida lachend von sich.

Der Detektiv lächelte. »Mit Haut und Haar, Ida«, versetzte er mit eigener Betonung. »Auch alles, was Mrs. Crombie unternimmt oder unternehmen will und plant … natürlich nur, soweit dies ihre Nachforschungen nach der verschwundenen Marion betrifft … Hagar und Konsorten wissen ohnedies schon, dass ich von Mrs. Crombie beauftragt bin. Suche nun um jeden Preis Hagars Vertrauen zu gewinnen und verrate ihm alles, was du von Mrs. Crombies und meinen eigenen Schritten in Erfahrung bringst … kurzum, gewinne sein Vertrauen, Ida, das ist äußerst wichtig!«

Als ihn Ida noch immer lächelnd anschaute, setzte er dringlicher hinzu: »Verstehst du mich? Cousinchen, ich will wissen, wer diesen Hagar beschäftigt und was er weiß. Möglicherweise kennt er nicht nur die verschwundene Tochter der unglücklichen Frau, sondern auch ihren Aufenthaltsort – begreifst du nun?«

»Freilich verstehe ich es«, entgegnete die erleichtert Aufatmende. »Ich denke nicht, dass es allzu schwierig sein wird, alles so herauszubekommen, wie du es wünschst, Nick.«

Beide begaben sich zur Wohnung des Detektivs, wo dieser Ida einen Empfehlungsbrief für Mrs. Crombie mitgeben wollte. Dort angekommen, trafen sie Chick, der den Camerons einen erneuten Besuch abgestattet hatte. Das Ehepaar und Zebury hatten nur bestätigen können, was der Detektiv bereits wusste, dass nämlich Renfrew häufig zur selben Zeit an der nächsten Bühne aufgetreten war, welcher auch Viola angehört hatte. Als Chick ihnen von ihrem nächtlichen Abenteuer mit den von Renfrew gedungenen Rowdys erzählte, hatten die in Angst versetzten Artisten nichts mehr sagen wollen und offen erklärt, sie fürchteten sich vor Renfrew und trauten diesem alles zu.

Der Eintritt eines Depeschenträgers unterbrach die Unterredung. Er brachte ein Kabeltelegramm aus London – zwar kurz, aber in Nicks Augen äußerst wichtig. Es lautete: Carter. Risley schlecht beleumundeter Winkeladvokat. Beschäftigt für Sydney Cariston. Unterhält Briefwechsel mit Hagar New York. Mostyn. Scotland Yard.

»Well«, meinte Ida lachend, »der Inspektor macht keine unnützen Worte.«

»Nein, er lässt an Knappheit nichts zu wünschen übrig«, stimmte Nick Carter bei. »Doch mir genügt es als Antwort auf meine eigene Depesche. Wir wissen nun, dass Albert Risley ein in Diensten des Erbschaftsjägers Sydney Cariston stehender Winkeladvokat ist, der wiederum in Verbindung mit dem ehrenwerten Rechtskonsulenten Hagar steht … Und der Letztere beschäftigt seinerseits die schäbigste Detektivagentur von New York, um Mrs. Crombie zu beschatten, eine Lady, deren Interessen denen des wackeren Cariston gerade entgegengesetzt sind … Handhaben genug, um auf verbrecherische Absichten schließen zu lassen – oder nicht?« Er wendete sich Ida zu und meinte lächelnd: »Du siehst, liebe Cousine, dass du gut daran tun wirst, aus diesem ehrenwerten Mr. Hagar so viel herauszupressen, wie dir gelingen mag … Und ich will dich preisen, kommst du hinter die Schliche und unsauberen Winkelzüge dieses dunklen Ehrenmannes!«

Er händigte Ida den Brief für Mrs. Crombie aus und geleitete sie bis zur Tür. Dann, sich an seinen Vetter zurückwendend, sagte er mit trockenem Humor: »Well, Chick, nun gilt es … Wir müssen diesen Renfrew zur Strecke bringen, mag es biegen oder brechen … Ich habe so eine Ahnung, als kämen wir heute Nacht wieder nicht ins Bett!«

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