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Ein Ostseepirat Band 2 – Kapitel 4

Carl Schmeling
Ein Ostseepirat
Historischer Roman
Zweiter Band

IV. Ein neues Debüt

Wardow versuchte während des Essens nach Möglichkeit, die beiden Damen zu trösten.Wenn je Ruhmredigkeit der Jugend etwas leistete, so geschah es durch den Junker, obwohl der Erfolg nur halb zu nennen war.

Der Junker blieb auch noch nach aufgehobener Tafel und schien endlich mit nochmals wiederholten Beteuerungen der entführten Clara, wie dem Vater die Freiheit zu verschaffen.

An Bord gelangt, verschmähte er natürlich nach den Genüssen, welche ihm die Grieben’sche Küche gewährte, sich noch an denen der Kajüte zu erfreuen, obwohl der alte Klassen mit dem Abendessen auf ihn gewartet hatte.

Der Bootsmann speiste daher allein, während sein Kommandeur den Zuschauer dabei abgab.Zwischen beiden entspann sich allgemach folgendes Gespräch.

»Ich weiß wahrlich nicht, was nun!«, meinteWardow, »denn allein weiter den Seeräuber zu verfolgen, wäre doch wohl zu gewagt!«

Klassen sahden jungen Mann mit einem Seitenblick an, der vielsagend genannt werden musste.

»Das mein ich auch!«, erwiderte er dann trocken, »und wegen unserer nächsten Tätigkeit dürfte vielleicht Herr Dalström Anordnungen treffen!«

»Der!«, rief Wardow verächtlich, »ich habe ein selbstständiges bestimmtes Kommando und werde mich während der Dauer desselben niemand unterwerfen!«

»Hm!«, brummte der Alte, »damit ist es doch eine eigene Sache!«

Offenbar jedoch fand sich Wardow durch diese Äußerung des alten Mannes schwer beleidigt, denn er erhob sich mit allem ihm zu Gebote stehenden Ausdruck des Stolzes.

»Ich weiß, was ich zu tun habe!«,sagte er scharf betont und verließ die Kajüte. »Immer derselbe!«, brummte Klassen vor sich hin und setzte seine Mahlzeit fort. Nach Beendigung derselben begab auch er sich zur Ruhe.

Am nächsten Morgen mit Sonnenaufgang bot die Nordspitze von Hiddensee ein belebtes Bild dar. Die drei anderen zur Verfolgung Jacobsons abgesendeten Schiffe waren zurückgekehrt, mit ihnen noch zwei andere.

Verschiedene Boote mit Mannschaften der Schiffe waren an das Land gekommen und lungerten dort nun umher oder gingen Geschäften nach, die fast immer Seefahrer an Land haben, wenn sie sich an einer Küste befinden.

Auch Wardow hatte sich bereits erhoben; indessen hielt er es im Gefühl seiner Würde nicht nötig, dem Ersten der kleinen Flotte seine Aufwartung zu machen, sondern begab sich nach vollendeter Toilette wieder nach Grieben.

Die Besorgnisse der beiden Frauen hatten sich während der Nacht nicht gelegt, sondern eher noch gesteigert. Sie sahen deshalb den jungen Mann mit unverhehlter Freude ankommen und zogen ihn zu ihrem Frühstück.

Nach demselben ward es nötig, dass sich die Majorin um die seit einigen Tagen von ihr vernachlässigte Wirtschaft kümmerte.Der Fähnrich lud Sophie zu einem Spaziergang ein.

Das Wetter war einem solchen günstig, die Mutter gab ihre Einwilligung und die beiden Kinder verließen das Haus, um zunächst den Garten zu betreten.

Wardow verfiel während seiner Unterhaltung sehr bald in einen Ton, der Sophie mehrmals das Blut in die Wangen trieb.

Doch Sophie war ein Mädchen und noch dazu ein junges unerfahrenes; es machte ihr Vergnügen, ihre Vorzüge loben zu hören, und bald hatte sie die ungünstigen Verhältnisse, unter denen man lebte, vergessen.

Der Junker drückte nochmals ihre kleine Hand recht herzinniglich und Sophie litt es bald nicht allein, sondern erwiderte auch den Druck seiner Hand.

»Teure Sophie!«,sprach Wardow endlich, »die Gegenwart eignet sich zwar nicht eben besonders zu Erklärungen, doch die Liebe bindet sich so wenig an Verhältnisse, wie an die Zeit – ich liebe Sie, Sophie.«

Wardow versuchte dieser Erklärung dadurch Nachdruck zu geben, dass er sich auf seine Knie warf und die Hand der kleinen Sophie an seine Lippen drückte.

»Um Gott, Herr von Wardow!«,sagte Sophie ängstlich,»man kann uns vom Haus aus sehen!«

»Mag uns die ganze Welt sehen!«, rief der junge, in Feuer geratene Mann, »mag sie meine Erklärungen hören: Ich liebe Sie mit der ganzen Kraft meiner Seele, habe Sie vom ersten Zusammentreffen an geliebt und flehe hier um Ihre Gegenliebe!«

»Ich will ja gern … !«,stotterte das überraschte Kind, »aber erheben Sie sich nun endlich.Ich verginge vor Scham, wenn man uns hier so träfe!«

»Ich danke, Sophie!«,erwiderte Wardow aufspringend.»Nehmen Sie meinen Schwur der Treue –sobald ich, was nicht lange auf sich warten lassen kann, aufgestiegen bin, werde ich förmlich um Ihre Hand werben, Teure!«

Wardow schlang seinen Arm um das halb verlegene, halb entzückte Mädchen und drückte dasselbe an seine Brust, zugleich aber auch einen Kuss auf dessen unschuldige Lippen.

Sophie duldete mit holder Röte im Antlitz auch diesen, und beide setzten im traulichen Geflüster ihren Spaziergang fort. Es ist ein Vorzug der Jugend, auch in den trostlosen Lagen die Hoffnung nicht zu verlieren.

Wohl ohne es eigentlich zu müssen, wenigstens ohne es genau zu beachten, hatten beide den Garten verlassen und befanden sich im Freien auf dem Weg zu der Kuppe des Bakenberges, auf dessen Gipfel sich, eine lebhafte Bewegung kund gab. Diese wurde dadurch verursacht, dasssich die Kommandeure der Schiffe mit Begleitern dorthin begaben, um See und Land mit ihren Fernrohren zu rekognoszieren.

Wardow folgte nun einem natürlichen Zug, als er seine Schritte den auf dem Berg befindlichen Gruppen lenkte.Obwohl Sophie sich anfänglich weigerte, ihn dahin zu begleiten, so gab sie endlich doch seinen Bitten nach.Unbefangen stiegen beide den Berg hinauf. Unter den dort befindlichen Kapitänen und Offizieren war auch Dalström, und es ist möglich, dass er es war, der die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf das Paar lenkte.

Wardow wollte mit freundlichem Gruß näher treten; er war in mancher Hinsicht gewöhnt, sich von den Offizieren als ebenbürtig gehalten zu sehen, doch das spöttische Lächeln der meisten ließ ihn inne halten.

»Wer zum Henker ist denn das!«, fragte bald auch eine Stimme.»Man sieht aus wie ein Mariner, scheint sogar zu einer Beratung von Marineoffizieren kommen zu wollen. Doch die Marine, in der es geschieht, muss irgendwo jenseits des Ozeans Mode sein. Wer sind wir denn eigentlich, junger Herr?« Der Mann, welcher diese Worte gesprochen hatte, war der älteste Kapitän unter den Führern der auf Reede liegenden Schiffe und deshalb also auch der Kommandeur des Geschwaders.

Wardow, durch den Ernst der schließlich gestellten Frage dazu veranlasst, ließ den Arm Sophies, die ganz erschreckt dastand, los. »Fähnrich von Wardow!«, antwortete er mehr ärgerlich als verlegen.

»Nun Fähnrich von Wardow!«, erwiderte der Kapitän,»sehen Sie dort das Schiff! Ich hoffe es.Begeben Sie sich an Bord desselben, um sich dort als Arrestant zu melden. Ich bitte Sie, sich zu beeilen!«

Sophie kannte wenig von der Subordination der Leute auf der Flotte und ihr Schreck machte sich in einem Schrei Luft, nach welchem sie floh.

Wardow hätte vielleicht eher den Einsturz des Himmels erwartet, als einen solchen Empfang vermutet, denn sonst würde er sich gehütet haben, hierher zu kommen. Doch dem einmal bestimmt erteilten Befehle musste auch ohne Widerrede gehorcht werden und eilig wendete er sich zum Gehen, wobei jedoch der Gedanke an verschiedene Duelle, in denen er seinen Beleidiger züchtigen wollte, durch seinen Kopf fuhr.

Ein schallendes Gelächter folgte den beiden.Fast sprachlos vor Wut führte der gedemütigte Liebhaber seine Herzenskönigin, nachdem er sie eingeholt hatte, nach Hause.

Wardows Abschied von den Damen war hier nur kurz, aber er unterließ dennoch nicht neben den Versicherungen seines Schutzes, den er den Damen angedeihen lassen wolle, auch Schwüre seiner Macht abzulegen. Alsdann eilte er davon, teilte Klassen kurz mit, was ihm begegnet war, und fuhr schließlich zudem Schiff, welches der Führung des strengen Herrn anvertraut war, der den Dienst über die Courtoisie ihm gegenüber zu setzen wagte.

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