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Nick Carter – Ein Kampf um Millionen – Kapitel 2

Nick Carter
Amerikas größter Detektiv
Ein Kampf um Millionen
Ein Detektivroman

Nick Carter nimmt den Kampf auf

Nun begab sich der Detektiv mit seinen beiden Gehilfen zu dem in nächster Nähe des Theaters gelegenen Hotel Garni, in welchem Mlle. Viola mit ihrer Begleiterin Wohnung genommen hatte. Als sie dort eintrafen, wurde ihnen der Bescheid gegeben, dass die junge Künstlerin zwar bereits zu Hause sei, aber keinerlei Besuch annehme. Nick Carter sandte indessen nur seine Karte hinauf, und in der Minute darauf kam schon der farbige Hallboy (Hotelpage) mit der Meldung zurück, die junge Lady lasse bitten.

Wohl noch innerlich erregt, jedoch äußerlich ruhig und gefasst, empfing das auch in einfacher Haustoilette überaus lieblich erscheinende junge Mädchen ihre späten Besucher und überhäufte sie, sehr zu deren Unbehagen, mit heißen, überströmenden Dankesworten. Auch die ältere Gefährtin der Trapezkünstlerin, die auf dem Theaterzettel als Mlle. Berenice erschien, im bürgerlichen Leben aber Mrs. Sarah Adams hieß, wurde nicht müde, den drei wagemutigen Männern immer wieder von Neuem zu danken. Außer ihnen waren noch zwei Herren anwesend, nämlich der mit der Leitung des Apparates betraute Mann, der im Privatleben durchaus den Eindruck eines Gentleman machte und sich Charles Adams nannte, sowie der Geschäftsführer des Folly Varieté-Theaters, der gekommen war, um sich nach dem Befinden der jungen Dame angelegentlich zu erkundigen.

»Well, meine Herrschaften, wir kamen nicht, um uns loben zu lassen«, wehrte der Detektiv den ihm lästig werdenden Dankesbezeugungen. »Was wir ausführten, würden auch drei andere Männer, die mit turnerischen Künsten so vertraut sind wie ich und meine Gefährten, ohne Weiteres vollbracht haben … übrigens«, wendete er sich lächelnd an Viola, »Sie sprechen die Landessprache so vorzüglich und unverfälscht, dass ich Sie beinahe für eine Amerikanerin halten möchte.«

Die Künstlerin lachte nervös auf, und mit einem Blick auf Charles Adams meinte sie: »Erraten, Mr. Carter … Mr. Adams hier ist mein Impresario und war es von jeher. Auf seinen Rat hin nenne ich mich auf französische Weise Mademoiselle … doch Viola ist mein richtiger Vorname. Übrigens bin ich an der geteilten Meinung des Publikums über meine Herkunft und Abstammung unschuldig«, setzte sie neckisch hinzu, indem sie lächelnd auf den Geschäftsführer des Theaters wies. »Das Verdienst hierfür gebührt diesem Herrn … er ist ein Meister der Reklame … Was an mir geheimnisvoll ist, das ist höchstens meine mir selbst unbekannte Herkunft.«

»Ihre Herkunft?«, erkundigte sich der Detektiv erstaunt.

»Allerdings«, meinte die junge Künstlerin nickend. »Als ich noch ein ganz kleines Kind war, wurde ich von Zirkusleuten, wahrscheinlich einem Ehepaar, gestohlen. Da haben Sie mein Geheimnis … und von frühester Kindheit an habe ich mich unter Artisten befunden.«

»Wusste denn das Ehepaar, welches sie stahl, wie Sie sagen, nichts von Ihrer Herkunft anzugeben?«, erkundigte sich der immer mehr Interesse daran nehmende Detektiv.

»Sicherlich. Doch sie sagten mir nichts. Der Mann starb vor fünf, die Frau vor zwei Jahren – und sie gingen in die Ewigkeit, ohne ihr Geheimnis mir enthüllt zu haben.«

»Woher wissen Sie alsdann überhaupt, dass Sie ein geraubtes Kind sind?«, warf Nick ein.

»Well, die Frau, welche ich immer für meine Mutter gehalten habe, wurde während der Vorstellung von einem plötzlich wild gewordenen Elefanten zu Tode getrampelt. Verscheidend vermochte sie noch zu stammeln, ich sei nicht ihr Kind, sondern von ihr und ihrem Mann geraubt worden … Doch bevor sie mir sagen konnte, wann und wo, versiegelte ihr der Tod die Lippen für immer.«

»Suzanne war immer gut zu Viola«, mischte sich nun Mlle. Berenice ein, »doch nach dem Tod ihres Mannes ergab sie sich immer mehr dem Trunk, und da übernahm ich die mütterliche Fürsorge für unsere Kleine«, setzte sie hinzu, zärtlich den Arm um das Mädchen schlingend.

»So waren Sie schon damals beisammen?«, erkundigte sich Nick Carter interessiert.

»Gewiss, wir arbeiten schon seit vielen Jahren miteinander – Viola, ich und Mr. Adams hier, der mein Gatte ist. Früher gehörten auch Suzanne und deren Mann zu unserer Varieté-Nummer. Auch mir hatte Suzanne schon früher anvertraut, dass Viola nicht ihr leibliches Kind, sondern gestohlen worden sei. Doch sie war nicht zu irgendeiner näheren Aussage zu bewegen.«

»Besitzen Sie Feinde?«, wendete der Detektiv sich nun unvermittelt an die Trapezkünstlerin.

»Nicht, dass ich wüsste«, entgegnete die Erstaunte, langsam dazu mit dem Kopf schüttelnd. »Doch Ihre Frage berührt mich seltsam, bei Ihrem Eintreten sprachen wir gerade davon.«

»Natürlich, Viola muss einen Feind haben«, warf nun Adams ein. »Entweder unsere Kleine oder das Folly-Theater – und zwar einen Feind, der nicht vor einem Mord zurückschreckt.«

»Unsinn!«, brummte der Geschäftsführer des Theaters ärgerlich.

»Well, das Seil wurde mit einem scharfen Messer durchschnitten«, entgegnete Adams überzeugt.

»Bewahre. Das Seil scheuerte sich an der scharfen Kante einer der Rollen durch.«

»Nein, es wurde durchgeschnitten – und zwar mit einem Messer!«, fiel Nick bestimmt ein.

»Was wissen Sie davon?«, wendete sich der Theatermanager nun ärgerlich nach dem Sprecher um.

»Das sollen Sie sofort hören«, fuhr der Detektiv unbeirrt fort. »Meine beiden Gehilfen hier und ich beobachteten einen Mann, der das Seil unmittelbar über dem Gewicht durchschnitt, nachdem Letzteres kaum von Mr. Adams befestigt worden war. Das geschah, als Mr. Adams nach der zweiten Kulisse zurückschritt, um das die Trapezstange auslösende Seil zu leiten.«

»Gewiss«, warf Chick ein, »dieser Vorgang veranlasste uns, auf die Bühne zu springen.«

»Ein Glück für Viola, denn Ihr rasches Handeln rettete das Leben unserer Kleinen!«, bemerkte Adams ernst.

»No, Sir«, widersprach Nick. »Der wirkliche Helfer war diesmal, wie so oft, der Zufall! Hätte das abhaspelnde Seil sich nicht zufällig in einer Nut festgelaufen, wäre Mlle. Viola abgestürzt, ehe wir Hand anzulegen vermocht hätten.«

»Sie sahen wirklich einen Mann, der das Seil mit einem Messer durchschnitt?«

»Gewiss«, bestätigte Nick. »Alle drei sahen wir den Schandkerl beim Werk!«

»Aber um Himmels willen«, rief der Manager und schlug die Hände zusammen. »Wer war der Mensch?«

»Der Mann war sogar kostümiert. Er erschien als der berühmte dumme August, der aus deutschen Zirkuspantomimen auf die amerikanische Bühne übergegangen ist, nur mit dem Unterschied, dass es hier ein in grotesk wirkendem Frackanzug steckender Irländer ist.«

»Das ist eine verbrauchte Figur, die nur noch im Westen der Vereinigten Staaten zieht«, bemerkte der Manager geringschätzig. »Bei uns im Folly haben wir Clumsey Mike, den täppischen Michel, der so betrunken wie geschäftig ist und alles verkehrt macht, schon seit mindestens zwei Jahren nicht mehr zu bringen gewagt.«

»Das mag sein. Jedenfalls war aber der Messerheld als Clumsey Mike ausstaffiert«, beharrte der Detektiv. »Vielleicht wirkt ein solcher in einem anderen hiesigen Theater mit?«

»No, Sir«, verneinte der Manager. »Die Leute im Osten haben sich daran satt gesehen.«

»Well, dann kommen wir auf meine ursprüngliche Frage zurück: Hat Mlle. Viola einen Feind?«

»Das liebe Kind!«, ereiferte sich Mlle. Berenice. »Wie sollte sie zu einem Feind kommen?«

»Offen heraus, Miss Viola«, wendete sich Nick direkt an das Mädchen. »Liebeleien oder so, eh?«

»Wo denken Sie hin, Mr. Carter«, verwahrte sich die Errötende. »Ich habe noch nicht den unschuldigsten Flirt gehabt … die gute Berenice bewacht mich ja wie ein Drache.«

Nun lächelte ihre Freundin behaglich. »So gefährlich ist es nicht«, wendete sie ein.

»Nun, im Publikum spricht man von zahllosen gebrochenen Männerherzen«, entgegnete Nick lächelnd.

»Und da meinen Sie, einer von diesen müsse das Seil zerschnitten haben?«, fragte Viola. Dann schüttelte sie stolz den Kopf. »Kein Mann kann sich rühmen, mir je nahegekommen zu sein!«

»Hm, man könnte auch an die Eifersucht eines Konkurrenten, einerlei ob Mann oder Frau, denken!«

Die beiden Frauen und Adams schauten einander erstaunt an, dann meinte der Letztere: »Well, Viola ist eine Klasse für sich. Noch niemand hat ihre Leistungen nachzuahmen gewagt, auch nicht ihre früheren Tricks, denn natürlich bringt sie stets neue Nummern.«

»Unsere Viola steht einzig und unerreicht da«, schaltete sich seine Frau ein. »Vielleicht gerade darum hat sie noch niemals mit anderen Artisten irgendwelchen Streit gehabt.«

»Vielleicht hat ihr ein entlassener Impresario oder dergleichen einen Streich gespielt?«, erkundigte sich Nick.

»Nicht daran zu denken«, widersprach Adams. »Sie hat nur mich zum Manager gehabt. Ich erfinde ihre Tricks, und wir proben zusammen, bis alles all right ist.«

»Charlie liebt die Kleine, als wäre sie sein eigenes Kind«, meinte Berenice zärtlich. »Schon seit fünf Jahren bilden wir eine Familie, und wir mögen an eine Trennung nicht einmal denken!«

»Well«, erklärte Nick, indem er sich an den Theatermanager wendete, »dann müssen wir unseren Mann unter Ihren oder den Feinden des von Ihnen verwalteten Theaters suchen.«

»Gewiss, ich habe Gegner, wie jeder Geschäftsmann«, sagte der Manager achselzuckend. »Doch ich kann mir unter ihnen keinen derartigen Halunken denken, der solche teuflischen Anschläge ausführt.«

»Wir stehen vor einer vollendeten Tatsache«, entgegnete der Detektiv, indem er sich zum Aufbruch anschickte. »Jemand lebt, der Mlle. Viola zu ermorden plant – und bleiben wir nicht auf unserer Hut, so wird der unbekannte Feind seine mörderische Absicht erreichen.«

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