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Slatermans Westernkurier 05/2021

Auf ein Wort, Stranger, heute dreht sich alles nur um Kohle, genauer gesagt um die United State Mint, die amerikanische Münzprägeanstalt.

Mäuse, Zaster, Planeten, Goldknäblein oder muntere, wohlgenährte Möpse, die Anzahl der Namen, mit denen man in den Pioniertagen Münzen wie den Penny, Dime oder den Double Eagle belegte, waren genauso zahlreich wie die unterschiedlichen Geldstücke, die damals geprägt wurden.

Es gab auch Geldscheine, aber die waren vor allem im Rinderland und da besonders unter den Cowboys und Ranchern verpönt.

Das bekannteste Beispiel für die Abneigung gegen Papiergeld dürfte wohl der texanische Rinderkönig Abel Shanghai Pierce sein, der alle seine Rechnungen stets nur in Bar und auf die Hand bezahlte. Dazu ließ er sich auf Schritt und Tritt von einem herkulischen Schwarzen begleiten, der in einem Ledersack ständig 100.000 Dollar in Goldmünzen bei sich trug.

Es ist niemals versucht worden, Pierce zu überfallen, was sicherlich nicht schwierig gewesen wäre. Aber jeder Halunke im Westen wusste genau, das ihm Tausende von Reitern das Geld wieder abjagen und Pierce zurückgeben, ihn aber am nächsten Ast aufknüpfen würden.

Aber lassen wir das, wir wollen nicht über die Namensgebung der verschiedenen Münzen oder den Affront der Rinderleute gegenüber Geldscheinen debattieren, sondern hinterfragen, wie das damals mit der Münzprägung eigentlich so war.

 

*

 

Die United States Mint ist eine Bundesbehörde der Vereinigten Staaten, die vor allem für die Prägung der US-Münzen zuständig ist. Ihr Dienstsitz ist in Washington D.C. , der momentane Behördenleiter David J. Ryder, Herr über mehr als 1600 Bedienstete, derzeit ihr 39. Direktor.

Der erste Direktor war der 1732 geborene Astronom und Mathematiker David Rittenhouse.

Für den Schutz der Produktionsstätten und der Rohstoffe und den daraus entstehenden Produkten, also den Münzen, ist eine eigene Bundespolizei zuständig. Die heute fast 400 Beamte umfassende United States Mint Police wurde 1792 gegründet und ist damit die älteste Polizeibehörde des Bundes.

Die Münzprägeanstalt wurde auf Betreiben des Finanzministers Alexander Hamilton mit dem Coinage Act of 1792 geschaffen und dem Außenministerium untergeordnet. 1799 wurde sie zu einer eigenen Behörde und 1873 im Coinage Act of 1873 Teil des Finanzministeriums.

Die Münze, wie sie seither genannt wird, hat vier Prägestätten, die älteste davon ist in Philadelphia, danach folgten 1854 San Francisco, 1863 Denver und schließlich 1988 West Point in New York.

Die Prägemarke P gilt seither für Philadelphia, D für Denver, S für San Francisco und W für West Point New York. In Philadelphia befindet sich auch die zentrale Gravur- und Grafikanstalt.

Angesichts der damaligen, widrigen Umstände in den einzelnen Prägeanstalten, der Enge, dem Dreck und dem verbrecherischen Charakter vieler Bediensteter, die sich kaum Gedanken über ihre Arbeit machten, sondern vielmehr darüber, wie man möglichst schnell möglichst viel von den geprägten Münzen oder dem Goldstaub, aus dem sie hergestellt wurden, in die eigene Tasche stecken konnte, ist es kaum zu glauben, dass man trotz einfachem Gerät allein in San Francisco im Jahr 1854 Münzen im Wert von vier Millionen Dollar herstellte. 1856 waren es sogar vierundzwanzig Millionen.

Im Jahr 2014 belief sich die gesamte amerikanische Produktion auf etwas mehr als 13.280.000.000 Münzen, doch ist diese Zahl in ihrer Zeit und den technischen Möglichkeiten zu sehen und kein Vergleich zu dem, was vor 170 Jahren war.

Damals war nichts vollautomatisch, sondern alles noch ehrliche und harte Handarbeit.

Nach dem Erhalt wurde der Goldstaub geschmolzen, gefeint und anschließend in Platten gegossen, aus denen man danach die ungeprägten Münzrohlinge stanzte.

Diese wurden in eine Presse eingeführt und dort mit dem Kopf der Freiheit auf der Vorderseite und Adlern oder Kränzen auf der Rückseite geprägt.

Doch damit genug, wer regelmäßig den Westernkurier verfolgt, weiß, dass hier die amerikanische Pioniergeschichte nicht als eine trockene Auflistung von Namen, Jahreszahlen und Daten abgearbeitet wird, sondern dass man hier auch hinter die Kulissen blickt, manchmal ernst, wenn es das Thema gebietet, manchmal augenzwinkernd.

Das ist auch diesmal nicht anders, gibt es doch über die einzelnen Prägeanstalten eine Fülle an Anekdoten zu erzählen, die ihren Weg nicht in die Geschichtsbücher der United States Mint fanden. Die 1854 gegründete Prägeanstalt von San Francisco sticht dabei besonders hervor. Sie musste, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen vermag, ein wahrer Tummelplatz für Schwindler und Gauner gewesen sein.

 

*

 

Obwohl die Zweigniederlassung der Münze der Vereinigten Staaten in San Francisco nur aus einem kleinen Haus mit einem halbdunklen, kaum mehr als zwanzig Quadratmeter großen Raum bestand, war es in den Pioniertagen eines der wichtigsten Gebäude der Stadt.

Hierher kam fast jeder kluge Forty Niner, wenn er mit seinem Beutel mit Goldstaub aus den Diggings des umliegenden Landes angereist war.

Hier wurde sein Goldstaub gewogen und nach dem offiziellen Kurs von 16 Dollar pro Unze bezahlt, anstatt nach den Preisen des freien Marktes, der beherrscht wurde von windigen Geschäftemachern und dubiosen Bankern, die kaum mehr als die Hälfte zahlten und obendrein noch beim Wiegen betrogen, oder den Goldstaub in einem unbeachteten Moment mit Quarzsand streckten.

Trotzdem gab es auch in der Münze zwielichtige Charaktere und das nicht wenige.

Einer der bekanntesten Betrüger war ein Kassierer namens Macy, der seine Taschen auf eine ziemlich einfache, nichtsdestotrotz wirkungsvolle Art füllte.

Immer wieder einmal riss er von einem Sack frisch geprägter Münzen das Etikett mit der Aufschrift des tatsächlich im Sack enthaltenen Münzgelds ab und benachrichtigte dann den Präger, er habe das Etikett von dem Sack verloren, wobei er einen deutlich geringeren Wert angab. Er bekam ein neues, das er an dem Sack befestigte, natürlich nicht, ohne sich vorher den Differenzbetrag in die eigene Tasche zu stecken. Als man ihm endlich auf die Schliche kam, hatte er bereits mit einer Beute von immerhin 39.000 Dollar das Weite gesucht. In einer Zeit, in der eine Hauptmahlzeit in einem Restaurant einen Nickel und der durchschnittliche Wochenverdienst in der Münze circa 15 Dollar betrug, eine stattliche Summe.

Ein anderer, ein Metallprüfer, hatte mit seiner Masche nicht so viel Glück.

Er wurde schnell überführt.

Nachdem bei unangekündigten Kontrollen erhebliche Fehlbeträge zutage kamen, behauptete er auf diese angesprochen, dass sie dadurch entstanden, weil während des Schmelzvorgangs durch den Kamin Goldstaub hinaufgetrieben wurde. Als bei einer Untersuchung des Dachs tatsächlich Goldstaub im Wert von mehreren tausend Dollar entdeckt wurde, der tatsächlich vom Zug des Kamins mitgenommen worden war, wurde er zunächst von den Verdächtigungen freigesprochen. Doch eine genauere Überprüfung ergab schnell, dass die Verluste den Wert der im Kamin entdeckten Menge bei Weitem überstiegen, worauf der Metallprüfer unter der Last der Indizienbeweise von seinem Amt zurücktreten musste.

Der dritte Betrüger, von dem man sich heute noch in der Münze erzählt, war geistig zwar etwas schlichter gestrickt, aber trotzdem besaß er eine derartige kriminelle Fantasie und Energie, dass man nicht umhinkommt, auch seine Taten zu erwähnen.

Der besagte Mann war von einfacher Schulbildung und unterschied sich auch durch seine Tätigkeit deutlich von den Kontrolleuren, Kassierern und Prüfern. Statt Ärmelschoner, weißen Hemden und Tinte und Feder waren seine Arbeitsgeräte Hammer, Zange, Schaufel und Besen. Der Mann war Hausmeister, ein hochgelobter, der das Gebäude von Ratten befreite, was in einer Hafenstadt wie San Francisco kein leichtes Unterfangen war.

Es dauerte lange, bis man dahinterkam, warum er ein so exzellenter Jäger dieser Nagetiere war. Er stahl ständig Double Eagle (20-Dollar-Stücke) aus der Münze und nähte diese in die von ihm erlegten Tiere ein. Danach warf er die Ratten auf einen Abfallhaufen neben dem Haus und brachte das Geld so ungesehen aus der Münze. Bei Nacht schlich er sich dann heimlich zu dem Abfallhaufen zurück und schlitzte die toten Ratten auf.

 

*

 

Auch heute noch kann jeder Interessierte an Führungen teilnehmen, die von der United States Mint an den Standorten in Philadelphia und Denver veranstaltet werden. Hier lernt man die Handwerkskunst, die in allen Phasen des Prägeprozesses erforderlich ist, von den Originalentwürfen und Skulpturen bis hin zum eigentlichen Schlagen der Münzen. Erwerben kann man diese dann in den Geschenkläden der beiden Niederlassungen.

Apropos Niederlassungen, zu erwähnen wäre noch, dass es in Manila auf den Philippinen auch zweimal eine solche gegeben hatte. Die erste wurde dort 1920 eröffnet, aber bereits 1922 wieder geschlossen, die zweite dann existierte von 1925 bis 1941.

Quellenhinweis:

  • www.usmint.gov
  • Der Goldrausch aus der Time Life Bücherreihe Der Wilde Westen, von William Weber Johnson, Redaktionsleitung der deutschen Ausgabe Hans Heinrich Wellmann, Textredaktion, Heike Renwrantz, aus dem Englischen übertragen von Wiebke Schmaltz
  • H. J. Stammel, Die Stunde des Cowboys, ISBN: 3421016917

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